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Menstruationsartikel

Schottland bietet Binden und Tampons kostenlos an ‒ als erstes Land weltweit

  • Ines Alberti
    vonInes Alberti
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Schottland beschließt als erstes Land weltweit, Tampons und Binden kostenlos in öffentlichen Gebäuden anzubieten.

  • In Schottland gibt es künftig kostenlose Binden und Tampons in öffentlichen Einrichtungen.
  • Das Parlament hat einstimmig über einen entsprechenden Gesetzentwurf entschieden.
  • Kritik an der Entscheidung gibt es trotzdem - auch von Frauen.

Edinburgh - Die Hälfte der Menschheit ist in einem Großteil ihres Lebens auf Produkte wie Tampons und Binden angewiesen. Von dieser Abhängigkeit profitieren in vielen Ländern Konzerne und der Staat: Denn Menstruationsartikel sind meist nicht günstig und waren zudem in Deutschland lange Zeit mit dem Steuersatz für Luxusgüter belegt - 19 statt sieben Prozent Mehrwertsteuer, wie es bei anderen wichtigen Gütern des täglichen Bedarfs der Fall ist. Als „Tamponsteuer“ wird dies oft bezeichnet.

Von der „Tamponsteuer“ hat sich Deutschland immerhin Anfang des Jahres freigemacht. Über eine Petition mit mehr als 50.000 Unterschriften wurde erreicht, dass sich der Bundestag mit dem Thema auseinandersetzen muss. Zahlreiche Prominente, darunter Sängerin Lena Meyer-Landrut sowie die Moderatoren Charlotte Roche und Jan Böhmermann, hatten sich dafür eingesetzt. Doch die gesenkte Mehrwertsteuer reichten nicht alle Hersteller an Verbraucherinnen durch - sie erhöhten die Preise. Somit blieben Menstruationsartikel teuer und nicht für alle erschwinglich, die sie benötigen. Periodenarmut ist das Stichwort: Menstruierende, die sich keine Produkte wie Tampons oder Binden leisten können, bleiben nicht selten während ihrer Periode Schule oder Arbeit fern. Oder greifen zu alten Zeitungen, Stofflappen und Klopapier. Dagegen will Schottland jetzt ankämpfen.

In Schottland müssen öffentliche Gebäude künftig kostenlos Tampons und Binden zur Verfügung stellen.

Schottland: Kostenlose Tampons und Binden in öffentlichen Gebäuden

Denn während man in Deutschland noch den Wegfall der Luxussteuer auf Tampons und Co. feiert, ist man anderswo schon einen Schritt weiter: Schottland hat am Dienstagabend (24.11.2020) beschlossen, dass in öffentlichen Gebäuden künftig Produkte wie Tampons und Binden kostenlos zur Verfügung gestellt werden müssen. Ein entsprechender Gesetzentwurf der Labour-Abgeordneten Monica Lennon wurde am Dienstag im Parlament in Edinburgh einstimmig verabschiedet. „Wir sind uns alle einig, dass sich niemand Sorgen machen sollte, woher die nächsten Tampons, Binden oder wiederverwendbare Produkte kommen“, sagte Lennon vor der Abstimmung.

Es ist eine Premiere. Zwar gibt es in Neuseeland und auch in Schottland bereits kostenlose Menstruationsprodukte an Schulen. Doch der neue Gesetzentwurf verpflichtet den Gesetzgeber nun, ein landesweites System zur Bereitstellung von Binden und Tampons auf den Weg zu bringen. Schulen und Universitäten müssen eine Reihe von Hygieneprodukten kostenlos in ihren Toilettenräumen anbieten. Auch andere öffentliche Einrichtungen können zu ähnlichen Maßnahmen verpflichtet werden.

Schottland verpflichtet als erstes Land weltweit zu kostenlosen Tampons und Binden

Schottlands Ministerpräsidentin Nicola Sturgeon begrüßte die Entscheidung: „Ich bin stolz darauf, für diese bahnbrechende Gesetzgebung zu stimmen, die Schottland zum ersten Land der Welt macht, das Menstruationsprodukte für alle, die sie benötigen, kostenlos zur Verfügung stellt“, schrieb sie auf Twitter. Sie bezeichnete die Entscheidung als „wichtige Politik für Frauen und Mädchen“.

Lennons Idee stieß zunächst auf einigen Widerstand, unter anderem auch wegen der geschätzten Kosten von umgerechnet elf Millionen Euro im Jahr. Doch von Anfang an wurde ihre Kampagne von einem großen Bündnis aus Gewerkschaften, Frauenorganisationen und Wohltätigkeitsverbänden unterstützt. Auf Twitter bedankte sich die Abgeordnete nun bei allen ihren Unterstützern und Kollegen, die für das Gesetz gestimmt hatten und sprach von einem „Tag des Stolzes für Schottland“.

Kostenlose Tampons und Binden in Schottland: Entscheidung erntet auch Kritik und Spott

Die Leiterin des Kinderhilfswerks Plan International UK, Rose Caldwell, lobte Schottland für seine „Vorreiter-Rolle“. Sie wies auf das „giftige Trio“ an Problemen hin, das zur sogenannten Menstruations-Prekarität führt: Die Kosten der Hygiene-Artikel, die viele mittellose Mädchen und Frauen zu ungeeigneten Alternativen greifen lassen, mangelnde Kenntnisvermittlung zu dem Thema sowie „Stigma und Scham im Zusammenhang mit der Periode“.

Doch die Entscheidung, öffentliche Einrichtung in Schottland zur kostenlosen Bereitstellung von Menstruationsprodukten zu verpflichten, stößt nicht überall auf Lob. So spottete die ehemalige AfD-Politikerin Frauke Petry auf Twitter, schottische Männer sollten „spaßeshalber“ für kostenlose Rasierer und Schaum klagen. (Ines Alberti mit AFP und dpa)

Rubriklistenbild: © Federico Gambarini/dpa

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