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Ukraine-Krieg: Kiew veröffentlicht Bilder angeblich getöteter russischer Soldaten

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Von: Katja Thorwarth

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Wegen des russischen Angriffs liefert Berlin nun doch Waffen in die Ukraine. Kanzler Olaf Scholz erklärt den Kurswechsel. Derweil meldet Russland 471 Gefangene.

+++ 13.00 Uhr: Die Ukraine hat eine Internetseite mit Bildern angeblich getöteter sowie gefangener russischer Soldaten freigeschaltet. Sie sei vom Innenministerium erstellt worden und solle russischen Familien bei der Suche nach vermissten Soldaten helfen, heißt es auf der Startseite. „Hier finden Sie Informationen über gefangene und getötete russische Soldaten in der Ukraine seit Beginn der Besetzung.“

Es wurden Fotos von Männern veröffentlicht, teilweise sind auch russische Abzeichen zu sehen. Einige Männer waren verletzt. Es wurden auch Tote fotografiert. Zudem sind auf der Internetseite Dokumente von angeblich Gefallenen zu finden.

Das ist der Ukraine-Krieg: Der Helm eines Soldaten mit einem Einschussloch.
Das ist der Ukraine-Krieg: Der Helm eines Soldaten mit einem Einschussloch. © Efrem Lukatsky/dpa

Die Seite könnte in Russland für Unruhe sorgen. Bislang hat das Verteidigungsministerium in Moskau nicht bestätigt, dass eigene Soldaten gefallen sind. Die ukrainische Vize-Verteidigungsministerin Hanna Maljar behauptete hingegen, bisher seien schätzungsweise etwa 4300 russische Soldaten getötet worden.

Ukraine-Krieg: Deutschland liefert Waffen, Russland schickt Delegation

+++ 10.28 Uhr: Eine russische Delegation ist nach Kreml-Angaben für Verhandlungen mit der Ukraine nach Belarus gereist. „Gemäß der getroffenen Vereinbarung“ seien Vertreter etwa vom Außenministerium, Verteidigungsministerium und von der Präsidialverwaltung in der Stadt Gomel eingetroffen, sagte der Sprecher von Präsident Wladimir Putin, Dmitri Peskow, am Sonntag der Agentur Tass zufolge. «Wir sind bereit, diese Verhandlungen in Gomel zu beginnen», sagte Peskow.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj zeigte sich zu Verhandlungen grundsätzlich bereit. Allerdings lehnte er Gespräche in Belarus ab.

Ukraine-Krieg: Moskau meldet 471 Gefangene - 975 Militärobjekte zerstört

+++ Update, 10.23 Uhr: Bei ihrem Angriff auf die Ukraine haben russische Truppen nach eigenen Angaben 471 ukrainische Soldaten gefangen genommen. Die Ukrainer würden weiterhin in Massen den Kampf verweigern, behauptete der Sprecher des Verteidigungsministeriums in Moskau, Igor Konaschenkow, am Sonntag.

Nahe der ostukrainischen Großstadt Charkiw habe sich ein ganzes Regiment ergeben, das mit Boden-Luft-Raketenabwehrsystemen vom Typ Buk-M1 ausgerüstet gewesen sei. „Allen ukrainischen Soldaten kommt Respekt und Unterstützung zuteil“, sagte Konaschenkow. Sobald bürokratische Formalien erledigt seien, kehrten sie zu ihren Familien zurück.
 

Ukrainische Soldaten beziehen Stellung vor einer Militäreinrichtung zum Schutz vor der russischen Armee.
Ukrainische Soldaten beziehen Stellung vor einer Militäreinrichtung zum Schutz vor der russischen Armee. © Emilio Morenatti/dpa

Ukraine-Krieg: Deutschland liefert Waffen für den Kampf um Kiew

Erstmeldung: Berlin/Kiew - Ungeachtet neuer Sanktionen westlicher Staaten treibt Russland seinen Feldzug gegen die Ukraine voran. Aus der Hauptstadt Kiew und anderen Orten wurden auch in der Nacht zum Sonntag heftige Kämpfe zwischen russischen und ukrainischen Kräften gemeldet. Grund genug für die Bundesregierung, sich für einen Kurswechsel im Ukraine-Konflikt zu entscheiden.

Kanzler Olaf Scholz (SPD) hat sich bezüglich dieser neuen Richtung erklärt. Beschlossen ist, dass Deutschland Waffen aus Bundeswehr-Beständen an die Ukraine liefern wird. Am Samstag hatte die Bundeswehr entschieden, 1000 Panzerabwehrwaffen sowie 500 Boden-Luft-Raketen vom Typ „Stinger“ aus Bundeswehrbeständen so schnell wie möglich der Ukraine bereitzustellen. Estland und die Niederlande erhielten die Erlaubnis, Waffen aus deutscher Produktion an die Ukraine zu liefern.

Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine, forderte Waffen von Deutschland - jetzt bekommt er sie.
Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine, forderte Waffen von Deutschland - jetzt bekommt er sie. © dpa/Ukrainian Presidential Press Office

Ukraine-Krieg: Ampel-Regierung erlaubt Waffenlieferung

Bis zu dem Kurswechsel hatte die Bundesregierung alle Exporte tödlicher Waffen in die Ukraine prinzipiell abgelehnt, weil es sich um ein Krisengebiet handelt. „Der russische Überfall auf die Ukraine markiert eine Zeitenwende. Er bedroht unsere gesamte Nachkriegsordnung“, hatte Scholz erklärt. „In dieser Situation ist es unsere Pflicht, die Ukraine nach Kräften zu unterstützen bei der Verteidigung gegen die Invasionsarmee von Wladimir Putin*. Deutschland steht eng an der Seite der Ukraine.“

Die Haltung der Bundesregierung war zunächst als unglaubwürdig markiert worden, weil Deutschland seit Jahren Waffen in Krisenregionen entsendet. 2021 hat die Bundesrepublik beispielsweise mehr als vier Millionen Euro Rüstungsexporte nach Ägypten genehmigt.

Regierungserklärung zum Ukraine-Krieg von Kanzler Scholz am Sonntag

In einer Sondersitzung des Bundestags an diesem Sonntag (27.02.2022) wird Scholz (SPD) nun eine 30-minütige Regierungserklärung abgeben, gefolgt von einer zweieinhalbstündigen Absprache der Fraktionen.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj begrüßte die deutsche Entscheidung. „Weiter so, Kanzler Olaf Scholz“, schrieb er auf Twitter. Der ukrainische Botschafter in Berlin würdigte den Kurswechsel als historischen Schritt. „Wir sind froh, dass Deutschland endlich diese 180-Grad-Wende vollzogen hat“ sagte Botschafter Andrij Melnyk der dpa.

Die Ukraine hatte monatelang Waffenlieferungen gefordert. Die Bundesregierung blockte sie unter Verweis auf die strengen deutschen Rüstungsexportrichtlinien und den Koalitionsvertrag ab. Nach den Richtlinien, die vor mehr als 20 Jahren unter der rot-grünen Bundesregierung entstanden, werden keine Waffen in Krisengebiete geliefert. Diese Richtlinien dürften jedoch mehrfach in anderem Kontext umgangen worden sein.

Ukraine-Krieg: 25.000 automatische Waffen sowie 10 Millionen Patronen in Kiew ausgegeben

Derweil rief Selenskyj seine Landsleute in Videobotschaften zur Abwehr russischer Angriffe auf. Nach Angaben des Innenministers wurden 25.000 automatische Waffen sowie 10 Millionen Patronen an Einwohnerinnen und Einwohner Kiews ausgegeben. Das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) teilte mit, dass weit mehr als 100.000 Menschen aus der Ukraine in Nachbarländer geflüchtet seien.

Der russische Präsident Wladimir Putin hatte am Donnerstagmorgen den Angriff auf die Ukraine begonnen. Bereits am Freitag drangen russische Truppen an den Rand Kiews vor, die Hauptstadt wurde auch aus der Luft beschossen. In Kiew leben rund 2,8 Millionen Menschen. (ktho/afp/dpa)

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