Dressel in der Bürgerschaft.
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Dressel in der Bürgerschaft.

Hamburg

Scholz-Nachfolger in den Startlöchern

  • Bernhard Honnigfort
    vonBernhard Honnigfort
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Der umgängliche Andreas Dressel hat beste Chancen, nach Olaf Scholz Hamburgs neuer Bürgermeister zu werden.

Kommenden Mittwoch tritt Olaf Scholz beim politischen Aschermittwoch der SPD im bayerischen Vilshofen auf. Bier, Blasmusik, Brezn, Remmidemmi und ausgerechnet Hamburgs furztrockener Noch-Bürgermeister Scholz, demnächst wahrscheinlich deutscher Finanzminister und Vizekanzler, als Einheizer und Stimmungskanone. Wer hätte das je gedacht in Hamburg. „Ich kann Bierzelt“, hat Scholz einmal über sich gesagt. Falls doch nicht, können sich seine Zuhörer in Vilshofen in Notwehr eine Maß mehr bestellen.

In Hamburg sieht man die Entwicklung des seit sieben Jahren regierenden Sozialdemokraten mit einigem Staunen, ansonsten sehr gelassen. Wenn Scholz gehen sollte, ließe sich die Nachfolge zügig regeln. Ganz vorne stünde Andreas Dressel, der SPD-Fraktionsvorsitzende in der Bürgerschaft. Der 43-jährige Jurist ist allererste Wahl. Ein echter Hamburger, seit 1994 SPD, seit 2004 in der Bürgerschaft, seit 2011 Fraktionsvorsitzender, verheiratet, zwei Kinder. Ein umgänglicher Typ, den die eigenen Leute vom Temperament her gerne mit Ole von Beust vergleichen, dem noch umgänglicheren früheren CDU-Bürgermeister. Dressel kann gut mit Leuten, aber er könnte auch „einen Tacken härter“ sein, heißt es über ihn. Absolut loyal war er immer gegenüber Olaf Scholz, der gerne im Hintergrund Bundespolitik machte. Aber nun schiebt Dressel sich langsam nach vorne in Startposition. Als Fraktionsvorsitzender darf er das auch.

Noch ganz ist Scholz nicht sein Vorgänger. Dennoch: Im Hamburger Rathaus scheint es so, als sei es nun in Ordnung, wenn Scholz nach sieben Jahren den Schreibtisch räumt. Viel erreicht hat der 59-Jährige, der vorher, bis 2009, Arbeitsminister in Berlin war. Die Elbphilharmonie hat er nach Jahren des Zanks und Stillstands mit einem Haufen Geld zu Ende bauen lassen und am Ende recht behalten: Heute sind alle glücklich, Hamburg hat ein neues Wahrzeichen. Einiges gelang aber auch nicht, vor allem in jüngster Vergangenheit. Im Hamburg ist der vergangene Sommer noch nicht vergessen und verziehen: G20-Gipfel, Feuer, Randale, Verletzte und Straßenschlachten, wie sie die Hanseaten noch nie miterleben. Im Schanzenviertel ganze Straßen in Trümmern, dabei hatte Scholz seinen Mitbürgern hoch und heilig versprochen, dass nichts passieren wird, als er der Bundeskanzlerin den Gefallen tat und das Spektakel in die Stadt holte. Als es dann krachte, stand er kurz vor dem Rücktritt. Später entschuldigte er sich, heute kümmern sich Gerichte und ein Untersuchungsausschuss um die Folgen. Und Hamburg zahlt.

Seit 2011 regierte Scholz. Zunächst mit absoluter SPD-Mehrheit, 48,4 Prozent, nachdem Ole von Beusts schwarz-grüne Koalition an einem Bürgerentscheid über Schulthemen zerbrochen war. „Gut regieren“, das versprach der bodenständige Sozialdemokrat den Hamburgern nach den Flausen der Vorgänger – und gewann deutlich. 2015 gewann er noch einmal, brauchte aber die Grünen als Partner. Damals täuschte er sich auch zum ersten mal in seinen Mitbürgern: Olympia 2024 hätte Scholz gerne nach Hamburg geholt. Es gab einen Volksentscheid und eine Mehrheit der Hamburger sagte: Danke, lieber nicht.

So oder so – die CDU in Hamburg hat die Ära Scholz nun schon für beendet erklärt. „Die Hintertür zurück nach Hamburg ist endgültig zu. Olaf Scholz will nicht mehr Bürgermeister sein“, meinte deren Fraktionschef André Trepoll. Mit dem zweiten Satz hat der Oppositionspolitiker sicher recht. Drei Wochen muss Andreas Dressel noch warten. Dann haben die 463 723 deutschen Sozialdemokraten über dem Koalitionsvertrag entschieden, er wird vielleicht Bürgermeister und Olaf Scholz weiß auch, wo er zukünftig bleibt. 

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