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Politik

Israel zeigt der Hamas die ganz harte Faust - Ende nicht in Sicht

  • Inge Günther
    VonInge Günther
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Der Nahost-Konflikt eskaliert, in Israel tobt der schlimmste Gewaltausbruch seit langem: Dem Gaza-Streifen droht eine dritte Intifada.

Jerusalem - Die Hamas habe endgültig eine „rote Linie“ überschritten, heißt es in israelischen Sicherheitskreisen. Auf ihre sieben gen Jerusalem lancierten Raketen – Auftakt für anhaltenden Beschuss aus Gaza, dem seit Montagabend die Grenzgemeinden im Negev ausgesetzt sind – könne es nur eine Antwort geben: den militärischen Flügel der palästinensischen Radikalislamisten ein für alle Mal zu zerschlagen.

Es ist ein vielstimmiger Chor, der sich in Israel dafür stark macht. Aber das war er auch im Sommer 2014, als eine Serie beidseitiger gewalttätiger Ereignisse in einen verheerenden Gaza-Krieg mündete. Der dauerte sieben Wochen, kostete rund 2300 palästinensische und 72 israelische Menschenleben und brachte eine enorme Verwüstung über den verriegelten Küstenstreifen.

Israel: Chancen auf Regierungswechsel schwinden, je länger die Kämpfe in Gaza andauern

Der damals geschlossene Waffenstillstand brach seitdem immer wieder ein. Aber ein neuer Krieg ließ sich in aller Regel dank ägyptischer Vermittlung meist in letzter Minute vermeiden. Um die sinkende Popularität der Hamas in Gaza nicht vollends zu verspielen, gab Chef Jehije Sinwar dem Wiederaufbau Vorrang. Davon ausgehend, zog es Israels Premier Benjamin Netanjahu vor, sich mit den Islamisten und Islamistinnen nicht weiter anzulegen, anstatt die vergleichsweise moderate Autonomieführung in Ramallah durch Verhandlungen aufzuwerten. Doch diesmal ist die politische Ausgangslage weit komplexer. Netanjahu ist nur noch Premier einer geschäftsführenden Regierung, nachdem drei ultrarechte Partner partout keine Koalition wollten, die auf Tolerierung durch die arabisch-israelische Kleinpartei Ra’am von Mansour Abbas angewiesen wäre. Jetzt ist das Gespann von Jair Lapid und Naftali Bennett am Zug, eine alternative Regierung zu bilden.

Passantinnen und Sicherheitskräfte suchen Schutz vor Raketen, die aus dem Gazastreifen auf die israelische Stadt Aschkelon niedergehen.

Auch sie brauchen als Mehrheitsbeschaffer arabische Stimmen. Am Montag war eigentlich geplant, bei einem Treffen mit Mansour Abbas eine entsprechende Vereinbarung festzuzurren. Der ließ den Termin jedoch angesichts der Eskalation in Gaza platzen, „bis sich die Lage wieder beruhigt“.

Unruhen in Israel: Die Bevölkerung zahlt den Preis

Die Chancen eines Regierungswechsels in Israel schwinden, je länger sich die Kämpfe hinziehen. Insofern habe die Hamas „ironischerweise Netanjahu einen letzten Gefallen erwiesen“, so „Haaretz“-Kommentator Amos Harel. Für Mohammed Dief, Kommandant der Hamas-Brigaden, dürften ganz andere Gründe ausschlaggebend sein, warum er jetzt eine so nicht erwartete Konfrontation mit Israel riskiert.

Physisch ist er sehr schwer versehrt, da er bei israelischen Attentaten auf ihn beide Beine und einen Arm verloren hat. Aber sein Machtwille scheint ungebrochen.

Nach den von der PLO-Führung in Ramallah abgesagten palästinensischen Parlamentswahlen scheint es Dief darum zu gehen, auf seine Weise den Einfluss der Hamas im Westjordanland und Ost-Jerusalem auszubauen.

Gefahr eines neuen Gaza-Krieges groß: Sicherheitsbehörden in Israel zeigen sich entschlossen

Bereits beim Aufflammen der Unruhen am Tempelberg, rund um die Al-Aksa-Moschee, war sein Name in aller Munde. Dass Dief sein „Versprechen“ hielt, Israel müsse angesichts der Räumungsklagen gegen Alteingesessene in dem arabischen Jerusalemer Viertel Scheich Dscharrah „einen hohen Preis zahlen“, hat ihm unter jüngeren Palästinenser:innen geradezu einen Heldenstatus beschert.

Feuer bricht aus im südlichen Teil von Gaza-Stadt nach Luftangriffen aus Israel.

Das alles heißt zwar noch nicht, dass eine dritte Intifada begonnen hat. Aber die Gefahr, tatsächlich in einen neuen Gaza-Krieg zu schlittern, ist groß. Und der geht, wie man aus Erfahrung weiß, immer und vor allem auf Kosten der unbeteiligten palästinensischen Bevölkerung in dem Elendsstreifen und auch auf die der israelischen Nachbarschaften.

Israels Sicherheitsbehörden jedenfalls, die bis zum Jerusalemer Raketenalarm eher uneins über das taktische Vorgehen wirkten, geben sich nun entschlossen, den militanten Islamisten die ganz harte Faust zu zeigen, um die Übermacht ihrer Streitkräfte zu beweisen. Anders als in den letzten Eskalationsrunden spricht wenig dafür, dass die aktuelle schnell endet. (Inge Günther)

Rubriklistenbild: © YOUSSEF MASSOUD

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