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Ein pakistanischer Soldat an der Grenze in Waziristan blickt hinüber nach Afghanistan.

Frieden für den Hindukusch?

Schneisen chinesischer Kontrolle

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China gelingt es, Afghanistan in einen Dialog über Frieden mit Pakistan und die Bekämpfung des Terrorismus einzubinden - während die USA sich nach innen orientieren und ausländische Partner vor den Kopf stoßen.

Chinesischen Diplomaten ist es gelungen, Afghanistan in einen Dialog über Frieden mit Pakistan und die Bekämpfung des Terrorismus einzubinden. „Wir wissen die Bemühungen Chinas zu schätzen, diese einzigartigen Dreiparteiengespräche ins Leben zu rufen“, sagte der afghanische Außenminister Salahuddin Rabbani in Peking nach einem Treffen mit seinen Kollegen aus China und Pakistan. Die chinesische Regierung hatte zuvor angeboten, Afghanistan in ein milliardenschweres Investitionsprogramm einzubinden. Im neuen Jahr soll es ein Folgetreffen in Kabul geben, zu dem Peking auch Vertreter der Taliban einladen will.

Afghanistan und Pakistan trennt eine Reihe von Konflikten. Die afghanische Regierung wirft dem Nachbarland vor, die Taliban zu unterstützen und ihnen Unterschlupf zu gewähren. Auch ist der Grenzverlauf umstritten. Die pakistanische Regierung wiederum misstraut Kabul, weil die dortige Regierung die Unterstützung der USA genießt.

China ist mit seinen Vermittlungen nun bereits erfolgreicher, als die USA es in ihren Bemühungen um mehr Ruhe in der Region je waren. Das hat zwei Gründe. Peking fördert die Wirtschaft in kooperationswilligen Nachbarländern, was auch Türen für Gespräche öffnet. Außerdem bemühen sich die Diplomaten des Landes um Ausgleich, während die USA Pakistan zuletzt vor allem harsch angegriffen haben. Im August brandmarkte Donald Trump das Land als Unterstützer von Terroristen. China sieht sich dagegen als Freund der Regierung in Islamabad.

China dehnt seinen Einfluss aus

Der chinesische Afghanistan-Vorstoß ist Teil eines größeren Plans. Präsident Xi Jinping verfolgt mit Priorität seine „Seidenstraßen-Initiative“. Das ist der Dachbegriff für eine Ausdehnung von Chinas Handel und politischem Wirken in drei Dutzend Ländern.

Ein Kernprojekt ist der China-Pakistan-Wirtschaftskorridor. Dabei handelt es sich um ein 3000 Kilometer langes Gebiet zwischen Kaschgar im äußersten Westen Chinas und der pakistanischen Hafenstadt Gwadar. Peking lässt hier in den nächsten Jahren mehr als 50 Milliarden Euro investieren, für Straßen, Brücken, Stromleitungen, Ölleitungen, Eisenbahnlinien, Gewerbegebiete, High-Tech-Parks und so weiter.

Nun will China Afghanistan darin einbeziehen. „Langfristig werden wir den Pakistan-Korridor mit dem Zentralchinesischen Wirtschaftskorridor und dem Westasiatischen Wirtschaftskorridor durch Afghanistan verbinden“, ließ Chinas Außenminister Wang Yi mitteilen. Das Sperrige an seiner Aussage unterstreicht den Ehrgeiz. Schneisen chinesischer Kontrolle sollen kreuz und quer über den asiatischen Kontinent geschlagen werden. China stoße hier in geschickter Weise in „leere Räume“ vor, die der Westen lange vernachlässigt habe, sagt Sebastian Heilmann, Leiter des Berliner Mercator Institute for China Studies.

Ein Trend setzt sich fort

Eine Stabilisierung der Lage in Afghanistan liegt derzeit besonders in Chinas Interesse. Die beiden Länder haben eine kurze gemeinsame Grenze. Peking befürchtet, dass islamistische Terroristen im eigenen Land Unterstützung von dort erhalten könnten. Ein rundes Sechstel des afghanischen Gebiets ist unter Kontrolle der Taliban. Die Bevölkerung der westlichen Provinz Chinas, der Autonomen Region Xinjiang, besteht rund zur Hälfte aus muslimischen Uiguren. Auch wenn bisher nur wenig von Terroranschlägen zu hören ist: Da Peking dort mit brutaler Unterdrückung herrscht, wäre eine zunehmende Radikalisierung ein denkbares Szenario.

Mit Chinas Afghanistan-Initiative setzt sich jetzt ein Trend der vergangenen Monate fort: Während die USA sich mehr nach innen orientieren und ausländische Partner eher vor den Kopf stoßen, dehnt China seinen Einfluss aus. Ausgangspunkt ist meist die wirtschaftliche Zusammenarbeit, doch Peking bringt sich immer öfter auch politisch ein. Obwohl das Land wenige echte Verbündete hat, gelingt es ihm auf diese Weise, ein Netz von belastbaren Beziehungen zu knüpfen.

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