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Der jüngste Zeppelinflug über Griechenland war ein freundlicher – während Olympia 2004.

Ägäis

Schleuser aus der Luft erspähen

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Griechenlands Grenzschützer patrouillieren nun mit einem Zeppelin über der Ägäis.

Im Kampf gegen die Schleuser, die Flüchtlinge und Wirtschaftsmigranten aus der Türkei über die Ägäis bringen, setzen die griechischen Grenzschützer jetzt auf Luftüberwachung – und hoffen, dass die Türkei mitzieht.

Von der türkischen Küste bis zur griechischen Insel Samos sind es nur ein paar Kilometer. Kein Wunder, dass die Meerenge zu den bevorzugten Routen gehört, auf denen Menschenschmuggler Migranten in die Europäische Union zu bringen versuchen. Die Überfahrt ist zwar kurz, aber sie ist nicht ungefährlich: Immer wieder geht eines der meist überladenen Schlauchboote unter. Nach Angaben der UN ertranken im vergangenen Jahr mindestens 2275 Menschen bei der Fahrt übers Mittelmeer. Allein in diesem Jahr gab es in der Ägäis bereits mehr als 50 Todesfälle. Seit einigen Monaten steigt die Zahl der Schutzsuchenden, die aus der Türkei zu den griechischen Inseln kommen: Im März waren es 1904, im Juni bereits 3122. Im Juli dürfte die Zahl nochmals gestiegen sein. Allein in der ersten Juliwoche wurden mehr als 1000 Ankömmlinge gezählt. Jetzt steht den griechischen Grenzschützern in ihrem Kampf eine neue Technik zur Verfügung: Seit Dienstag schwebt über Samos ein Luftschiff. Es ist mit Wärmebildkameras und anderen Beobachtungsgeräten ausgerüstet.

Der 35 Meter lange Flugkörper ist unbemannt und mit einem Seil am Erdboden (von Samos) fest verankert. Das Luftschiff, das den Griechen von der EU-Grenzschutzagentur Frontex zur Verfügung gestellt wurde, soll aus einer Höhe von rund 1000 Metern 24 Stunden am Tag die Meerenge überwachen.

Der für die Migrationspolitik zuständige Vizeminister Giorgos Koumoutsakos sagte, mit den Kameras des Luftschiffes könne man Flüchtlingsboote bereits entdecken, wenn sie an der türkischen Küste ablegten. In solchen Fällen werde man die türkischen Behörden unterrichten, damit die Küstenwache des Nachbarlandes die Schleuser noch in den türkischen Hoheitsgewässern stoppen könne.

Ob und wie das in der Praxis funktioniert, soll sich in den nächsten Wochen zeigen. Der Einsatz des Luftschiffes ist zunächst auf 28 Tage begrenzt. Nach dieser Testphase will man eine erste Bilanz ziehen. Der Erfolg des neuen Konzepts wird nicht unmaßgeblich davon abhängen, ob die Türkei mitzieht. Nach eigenen Angaben hat die türkische Küstenwache seit Anfang 2015 fast 135 000 Flüchtlinge und Migranten an der Überfahrt zu den griechischen Inseln gehindert. Seit Beginn dieses Jahres wurden 18 320 Menschen in türkischen Hoheitsgewässern aufgegriffen, fast 3000 mehr als im Vorjahreszeitraum. Die Küstenwache nahm 32 Schleuser fest.

Die EU hat in Zusammenarbeit mit der UN-Migrationsagentur IOM 20 Millionen Euro für die Modernisierung der türkischen Küstenwache bereitgestellt. Mit dem Geld wurden unter anderem 2016 sechs Patrouillenboote beschafft. Im Juni bestellte die türkische Küstenwache weitere neun Boote bei einer niederländischen Werft. Auch diese Schiffe werden von der EU finanziert.

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