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Präsident Poroschenko (Mitte) bei der Sitzung des Nationalen Sicherheitsrates am Montag.

Ukraine-Konflikt

Schlechtes Timing für deutsche Wirtschaft

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Die Ukraine gilt als bedeutsamer Partner für die deutsche Wirtschaft. Der neuerliche Streit mit Russland eskaliert kurz vor einer wichtigen Investorenkonferenz.

Politische oder gar militärische Spannungen sind für die deutsche Wirtschaft eigentlich nie ein Grund zur Freude. Im Fall der Ukraine ist auch noch der Zeitpunkt denkbar ungünstig. Ausgerechnet am Donnerstag dieser Woche findet in Berlin eine hochkarätig besetzte Investorenkonferenz statt, das deutsch-ukrainische Wirtschaftsforum. Der ukrainische Premierminister Wladimir Groisman wird im Haus der deutschen Wirtschaft erwartet, genauso Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und DIHK-Präsident Eric Schweitzer.

Dabei sollte es eigentlich darum gehen, Chancen für neue wirtschaftliche Kooperationen auszuloten. Dieser Aspekt droht nun von den Spannungen mit Russland überlagert zu werden.
„Die Entwicklung im Asowschen Meer ist äußerst besorgniserregend“, warnt die Geschäftsführerin von Ost-Ausschuss und Osteuropaverein der Deutschen Wirtschaft (OAOEV), Ute Kochlowski-Kadjaia. „Aus den Funken, die dort gegenwärtig durch die Luft fliegen, kann angesichts des fragilen Status quo in der Ostukraine schnell ein neuer Flächenbrand entstehen.“

Die beiden Häfen Berdjansk und Mariupol seien für den ukrainischen Handel lebenswichtig, so die Expertin. Russland müsse den freien Zugang garantieren. „Wir hoffen, dass die Bundesregierung und Frankreich als Mitglieder im Normandie-Format die Beteiligten schnell an den Verhandlungstisch holen.“

Die Ukraine ist kein ganz unbedeutender Absatzmarkt für die deutsche Wirtschaft. Im Osteuropa-Geschäft ist sie nach Russland der zweitwichtigste Handelspartner außerhalb der EU. Rund 2000 Unternehmen mit deutscher Kapitalbeteiligung sind in der Ukraine aktiv, seit Ende 2016 gibt es auch eine Deutsch-Ukrainischen Handelskammer mit Sitz in Kiew.

Handel erholte sich gerade

Nach dem starken Handelseinbruch in Folge des Konfliktes zwischen Kiew und Moskau hatten sich die Wirtschaftsbeziehungen zu Deutschland zuletzt spürbar erholt. Vor allem der Reformprozess nach dem Regierungswechsel in Kiew und die Umsetzung des Assoziierungsabkommens mit der EU wirkten sich positiv aus.

Im Jahr 2017 stieg der Warenaustausch zwischen Deutschland und der Ukraine um 22 Prozent auf 6,6 Milliarden Euro an. Der positive Trend hat dieses Jahr angehalten. Um sieben Prozent wuchs der Warenaustausch zwischen Januar und September im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Verantwortlich für die Steigerung waren vor allem die um 17 Prozent gewachsenen Einfuhren aus der Ukraine. Die deutschen Exporte hingegen sind mit 3 Prozent nur leicht gewachsen, steuern aber immer noch den weit größeren Anteil zum gemeinsamen Handelsvolumen bei.

Eine fortdauernde Eskalation im Asowschen Meer könnte die positive Entwicklung wieder abwürgen. „Getreide, Stahl, Kohle, Autos und Maschinen – all dies wird über das Asowsche und Schwarze Meer verschifft, von Ost nach West und umgekehrt“, sagt Expertin Kochlowski-Kadjaia. „Für die weitere Erholung der Ukraine ist die Lösung dieses Problems ganz wesentlich.“

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