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Schlangeninsel: Warum der kleine Felsen im Ukraine-Krieg so wichtig ist

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Von: Nail Akkoyun

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Der Ukraine gelingt die Rückeroberung der Schlangeninsel, doch Russland spricht von einem freiwilligen Rückzug. Selenskyj betont die Bedeutung des winzigen Ortes.

Ostrow Smijinyj – Schon am ersten Tag des Ukraine-Kriegs, am 24. Februar 2022, eroberte Russland die winzige Schlangeninsel südlich der ukrainischen Küste. Am Donnerstag (30. Juni) gelang den ukrainischen Streitkräften allerdings die Rückeroberung. Monatelange Bombardements waren dazu nötig.

Dennoch kontrolliert Russland mit der Halbinsel Krim und dem Asowschen Meer beinahe die gesamte ukrainische Schwarzmeerküste. Die Besetzung der Schlangeninsel vervollständigte eine Seeblockade der Millionenstadt Odessa und machte die Ausfuhr von ukrainischen Gütern, insbesondere von Getreide, quasi unmöglich.

Doch auch außerhalb der Ukraine war die Eroberung der winzigen Insel von strategischer Bedeutung: Ostrow Smijinyj, wie sie auf Ukrainisch bezeichnet wird, liegt nur wenige Kilometer von der Küste des Nato-Mitglieds Rumänien entfernt. Darüber hinaus ist das Gebiet reich an Erdöl- und Gasreserven. Weiter eignet sich der Ort ideal als für die Installation hoch entwickelter Raketensysteme.

Das nördliche Ende der Schlangeninsel im Schwarzen Meer. Die knapp 0,2 Quadratkilometer große Insel wurde am Donnerstag (30. Juni) von der Ukraine zurückerobert. (Archivfoto)
Das nördliche Ende der Schlangeninsel im Schwarzen Meer. Die knapp 0,2 Quadratkilometer große Insel wurde am Donnerstag (30. Juni) von der Ukraine zurückerobert. (Archivfoto) © Maxar Technologies/dpa

Ukraine-Krieg: Russland erklärt freiwilligen Rückzug von Schlangeninsel

Mit westlichen Waffen setzte die Ukraine die russischen Truppen zuletzt sowohl aus der Luft als auch von der See aus unter Druck. Die heftigen Bombardements sollen die russischen Streitkräfte schließlich zum Rückzug bewegt haben. Unabhängig überprüfen ließen sich diese Angaben nicht.

Nach den ukrainischen Angriffen behauptet Russland hingegen, es habe seine Garnison als „Geste des guten Willens“ abgezogen, um zu beweisen, dass man Getreideexporte nicht behindere. Kiew wies diese Behauptung prompt zurück. Aus Moskau heißt es jedoch, die Mission auf der Schlangeninsel sei beendet.

Aus russischer Sicht war die Insel aber nicht nur aufgrund der ukrainischen Attacken schwer zu verteidigen: Die Insel liegt 35 Kilometer von der ukrainischen Küste entfernt und damit in weiter Ferne von Russlands wichtigsten Marinestützpunkten im Schwarzen Meer. Für eine konstante Verteidigung der Schlangeninsel bräuchte es unter anderem Raketenabwehrsysteme.

Selenskyj bezeichnet Schlangeninsel als „strategischen Punkt“ im Ukraine-Krieg

Der russische Rückzug von der Schlangeninsel bringt die Ukraine nach Worten von Präsident Wolodymyr Selenskyj in eine bessere Position. „Die Schlangeninsel ist ein strategischer Punkt und das verändert erheblich die Situation im Schwarzen Meer“, sagte er in einer Videoansprache. Die Handlungsfreiheit des russischen Militärs werde dadurch deutlich eingeschränkt – auch wenn dies noch keine Sicherheit garantiere.

Russland hatte die Schlangeninsel kurz nach dem Überfall auf das Nachbarland besetzt. Dass davor die wenigen ukrainischen Soldaten dem später gesunkenen russischen Kreuzer „Moskwa“ in obszönen Worten empfahlen, sich zum Teufel zu scheren, machte das kleine Eiland berühmt und stärkte die Moral der Ukrainerinnen und Ukrainer. Damit ist die Rückeroberung der Insel für sie auch ein symbolischer Erfolg. (nak/dpa)

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