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Anders Fogh Rasmussen ist neuer Generalsekretär der Nato. Vorher war er Premierminister in Dänemark.
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Anders Fogh Rasmussen ist neuer Generalsekretär der Nato. Vorher war er Premierminister in Dänemark.

Nato

Schlangen und Spinnen

  • Thorsten Knuf
    VonThorsten Knuf
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Der neue Nato-Generalsekretär hat einen undankbaren Job. Mit Anders Fogh Rasmussen steht zum ersten Mal in der 60-jährigen Nato-Geschichte ein ehemaliger Regierungschef an der Spitze der Bündnis-Organisation. Von Thorsten Knuf

Brüssel. Es heißt, der neue Chef sei ein sehr pünktlicher Mensch. Am Montag hat er seinen ersten Arbeitstag. Genau um 8.30 Uhr will er vorfahren an seinem Dienstsitz, dem Nato-Hauptquartier in Brüssel. Die Mitarbeiter rechnen damit, dass es nicht eine Minute früher und nicht eine Minute später sein wird.

Wenn Anders Fogh Rasmussen am Montag aus dem Auto steigt und von den wichtigsten Führungskräften des Hauses in Empfang genommen wird, ist er eigentlich schon seit zwei Tagen im Amt. Am heutigen Samstag übernimmt der Däne den Posten des Nato-Generalsekretärs. Er folgt auf den Niederländer Jaap de Hoop Scheffer, der nach fünfeinhalb Jahren ausscheidet.

Am liebsten hätte sich Rasmussen schon heute blicken lassen in der Bündnis-Zentrale. Aber die heruntergekommene Barackensiedlung am Stadtrand ist an Wochenenden in der Regel verwaist. Das gilt erst recht jetzt in den Sommerferien. Also fährt Rasmussen eben erst am Montag vor.

Mit Anders Fogh Rasmussen steht zum ersten Mal in der 60-jährigen Nato-Geschichte ein ehemaliger Regierungschef an der Spitze der Bündnis-Organisation. Der rechtsliberale Rasmussen war von 2001 bis zum Frühjahr Ministerpräsident in Dänemark. Bisher betrauten die Alliierten stets ehemalige Minister mit dem Amt. In der Nato legen sie Wert auf die Feststellung, das sein zweiter Vorname nicht "fock" ausgesprochen wird, sondern "fo".

Es gibt viele in Brüssel, die sich fragen, warum Rasmussen sich den Nato-Job eigentlich antut. Vielleicht ist ihm Dänemark zu klein geworden, vielleicht sehnt er sich nach Einfluss und Anerkennung in der internationalen Politik. Doch das ist gar nicht so einfach: Als Premier konnte Rasmussen bei Gipfeltreffen den Merkels, Obamas und Sarkozys dieser Welt zumindest in protokollarischer Hinsicht auf Augenhöhe begegnen. Jetzt ist er nur noch Vorsteher eines Bündnisses mit 28 Staaten und entsprechend vielen Standpunkten.

Die Arbeitsbedingungen im Nato-Hauptquartier sind nicht gerade komfortabel. Der Generalsekretär verfügt noch nicht einmal über ein eigenes Flugzeug. Wenn er irgendwo hin will, muss er die Verbündeten fragen oder halt Linie fliegen. Rasmussens Amtsvorgänger pflegte zu sagen: "Meine Aufgabe ist es, den Laden zusammenzuhalten." De Hoop Scheffers Name wurde häufig als "hopeless" verballhornt hoffnungslos. Das lag auch an der undankbaren Aufgabe in seinem Laden.

Für Rasmussen kommt hinzu, dass es in der islamischen Welt, auch beim Nato-Partner Türkei, starke Vorbehalte gegen ihn gibt wegen des Konflikts um die Mohammed-Karikaturen 2006. Eine seiner ersten Auslandsreisen wird ihn nach Afghanistan führen, wo die radikal-islamischen Taliban ihn bereits zum "Hauptfeind" erklärt haben. Afghanistan ist der Ort, an dem sich das Schicksal der Nato entscheiden dürfte.

Und dann ist da noch das schwierige Thema Russland. Seit dem Georgien-Krieg vor einem Jahr kommen die Beziehungen zwischen der Nato und Moskau nur langsam wieder in Gang. Russland will um jeden Preis verhindern, dass seine einstigen Satelliten Ukraine und Georgien Mitglied der Allianz werden.

Wie Rasmussen diese Aufgaben bewältigen will, hat er bisher noch nicht gesagt. Aber er hat angekündigt, das Bündnis transparenter machen zu wollen. So soll die Bevölkerung beteiligt werden, wenn die Nato ihr neues strategisches Konzept für das 21. Jahrhundert erarbeitet.

Rasmussens Frau Anne-Mette zeigt schon mal, wie die neue Offenheit auch aussehen könnte. Sie tritt in letzter Zeit häufig im Fernsehen auf, Abteilung seichte Unterhaltung. Demnächst wird sie dort mit Schlangen und Spinnen in Berührung kommen. Das ist bestimmt nicht schön aber vielleicht immer noch angenehmer als der Job, den ihr Mann jetzt machen wird.

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