FDP

Schlagzeilen durch Selbstzerfleischung

  • Tobias Peter
    vonTobias Peter
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Die Freidemokraten kämpfen mal wieder ums Überleben.

Man nehme miese Umfragewerte, einen Vorsitzenden und eine Generalsekretärin, die nicht optimal miteinander klarkommen, und wachsende Nervosität in der Partei: Dabei kommt dann die FDP heraus.

Viereinhalb, fünf und als Ausreißer auch mal sieben Prozent, so sieht das Wahlvolk die Freidemokraten. Die Partei, die in einer Koalition mit CDU und Grünen hätte regieren können, kämpft in der Opposition ums Überleben. Der einstmals gefeierte Parteichef Christian Lindner hat – jüngst in der Affäre um Thomas Kemmerich, der mit Hilfe der AfD Thüringens Ministerpräsident wurde – an Autorität eingebüßt. Lindner herauszufordern wagt aber auch keiner.

Was es in der FDP gibt, ist der Wunsch nach neuer Dynamik. So wird dort ein Bericht aus der Tageszeitung „Welt“ herumgereicht, in dem es hieß, Lindner denke über jemand Neues im Generalsekretariat nach. Amtsinhaberin Linda Teuteberg könnte ja vorm Parteitag im September ihr Amt niederlegen, um eine Neuwahl zu ermöglichen, wird an der FDP-Spitze geraunt.

In der Bundestagsfraktion wurde aufmerksam registriert, dass Lindner das nicht rundheraus als Gerücht abgetan hat. Wurde es also auf sein Geheiß überhaupt erst gestreut? Oder wollten Teutebergs Gegner eine Debatte am Chef vorbei initiieren?

Das erinnert an die Zustände vor der Bundestagswahl 2013, als die Intrige das wesentliche Mittel FDP-interner Auseinandersetzung war. Tatsächlich sind aber auch viele mit der Arbeit Teutebergs unzufrieden. Sie sei zwar intelligent und gründlich, gehe aber im Politbetrieb nicht auf, sei zu zögerlich. Ihr fehlten „die Wadenbeißer-Qualitäten“, heißt es – genau die brauche es aber in der Opposition – umso mehr, als alle Deutschen gebannt auf die Corona-Krisenmanager der Regierung blickten.

Als potenzieller Nachfolger Teutebergs wird insbesondere Johannes Vogel genannt – der 2019 gegen die Brandeburgerin im Kampf um diesen Job unterlag. Der Renten- und Arbeitsmarktexperte der Bundestagsfraktion bringt als Generalsekretär des nordrhein-westfälischen Landesverbandes viel Erfahrung für das Wahljahr mit.

Auf besagtem Parteitag stehen eigentlich keine Personalwahlen an; Teuteberg ist für zwei Jahre gewählt. Aber die Frau und Ostdeutsche – so das zynische Kalkül von Parteitaktikern – gegen einen Westler auszutauschen, das ließe sich nur schwer der Öffentlichkeit verkaufen. Zumal durch eine Partei, die berüchtigt dafür ist, eher Männer denn Frauen anzuziehen. Und dann sind da die Mahner in der FDP, die meinen, ein neues Gesicht löse kein einziges Problem der Partei.

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