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Fünf Terrorverdächtige sind nach landesweiten Razzien in U-Haft.

Terror

Schlag gegen Islamisten in NRW

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Fünf Terrorverdächtige sind nach landesweiten Razzien in U-Haft. Die Zelle des „Islamischen Staates“ plante angeblich Anschläge auf US-Stützpunkte.

Der Generalbundesanwalt hat am frühen Mittwochmorgen in Nordrhein-Westfalen vier mutmaßliche Terrorverdächtige festnehmen lassen. Die vier Männer waren als Flüchtlinge aus Tadschikistan nach Deutschland eingereist und sollen gemeinsam mit einem bereits in Untersuchungshaft sitzenden weiteren Verdächtigen im Namen des „Islamistischer Staates“ (IS) eine terroristische Vereinigung gegründet haben mit dem Ziel, in Deutschland Anschläge zu verüben.

Im Visier der Islamisten standen nach Angaben der Bundesanwaltschaft Militäreinrichtungen wie auch ein nicht genannter Islamkritiker. Diese Person und zwei US-Luftwaffenstützpunkte sollen gezielt ausgespäht worden sein. Ein genauer Zeitpunkt für die Anschläge sei noch nicht festgelegt gewesen, heißt es.

Festnahmen auch im Kreis Heinsberg

Spezialkräfte des Landes Nordrhein-Westfalen und Beamte des mit den Ermittlungen befassten Polizeipräsidiums Düsseldorf nahmen die Verdächtigen in den Städten Essen, Neuss und Kreuztal bei Siegen sowie im Kreis Heinsberg fest.

Nach Aussage von NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) waren insgesamt 350 Polizisten an 13 Orten im Einsatz. Es habe Einsätze unter anderem auch in Solingen und Wuppertal gegeben. Dabei wurden vor allem die Wohnungen der Beschuldigten durchsucht. Mit den polizeilichen Ermittlungen war neben der Düsseldorfer Polizei auch das Bundeskriminalamt beauftragt.

Reul sagte, die Behörden in NRW hätten die Beschuldigten seit Beginn dieses Jahres observiert. Von den fünf Verdächtigen soll die Polizei zwei als sogenannte Gefährder im Visier gehabt haben. „Die heutigen Maßnahmen zeigen, dass die Gefahren durch den islamistischen Terrorismus für Deutschland und Nordrhein-Westfalen keineswegs gebannt sind“, sagte Reul. Der Islamismus bleibe neben dem Rechtsextremismus „die größte Bedrohung für die freiheitlich-demokratische Grundordnung“.

Kontakt zu IS-Führungsmitgliedern

Laut Bundesanwaltschaft sind die fünf Männer dringend verdächtig, sich im Januar 2019 dem IS angeschlossen und dann zu einer Terrorzelle zusammengefunden zu haben. Zunächst hätten sie geplant, nach Tadschikistan wieder auszureisen, um dort am „heiligen Krieg“ gegen die Regierung teilzunehmen.

Dann aber sollen sie davon abgekommen sein und wandten ihre Aufmerksamkeit Deutschland zu. Nach Angaben der Ermittlungsbehörde standen sie dabei in Kontakt zu zwei hochrangigen IS-Führungsmitgliedern in Syrien und Afghanistan, von denen sie entsprechende Anweisungen erhalten haben sollen.

Die Terrorzelle soll auch schon sich Waffen und Munition besorgt haben. Dem Beschuldigten Ravsan B. wird vorgeworfen, Anleitungen für die Herstellung sogenannter unkonventioneller Spreng- und Brandvorrichtungen besessen und zu deren Bau einige der dafür notwendigen Komponenten in einem Internet-Versandhandel gekauft zu haben.

Beschuldigter soll Mordauftrag angenommen haben

Attentate hätten dennoch nicht unmittelbar bevorgestanden, sagte eine Sprecherin des Bundesamtes für Verfassungsschutz dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. „Trotzdem darf man den Fall nicht auf die leichte Schulter nehmen.“ Ursprung für die Razzien seien polizeiliche Ermittlungen in NRW gewesen.

Laut Bundesanwaltschaft transferierten die Beschuldigten zur Finanzierung ihrer Planungen in Syrien gesammeltes Geld über die Türkei nach Deutschland. Um an weitere Mittel zu gelangen, habe der Beschuldigte Ravsan B. einen mit 40 000 US-Dollar dotierten Auftrag für einen Mordanschlag in Albanien angenommen. Die Ausführung sei jedoch kurzfristig gescheitert.

Die Beschuldigten sollten noch am Mittwoch in Karlsruhe dem Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs vorgeführt werden, der über den Vollzug der Untersuchungshaft entscheidet.

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