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Italien

Schimmer der Hoffnung

  • vonDominik Straub
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Die Zahl der Neuerkrankten sinkt in Italien deutlich – für die Experten ein Beweis, dass die Kontaktverbote endlich Wirkung zeigen.

Anfang der Woche, von Sonntag auf Montag, wurden noch 1648 Neuansteckungen registriert – tags zuvor waren es 3815. Die Zunahme der an einem Tag positiv getesteten Personen betrug damit 4,1 Prozent. Am 19. März, dem Tag des steilsten Anstiegs, waren die Fallzahlen noch um 14,9 Prozent in die Höhe geschossen. Und: Während die registrierten Neuinfektionen in Italien zurückgehen, steigt die Zahl der Patienten, die die Krankheit überstanden haben: Am Montag erhöhte sich ihre Zahl um zwölf Prozent auf 14 620.

„Der starke Rückgang der an Covid-19 erkrankten Patienten belegt, dass unsere Quarantäne-maßnahmen nun eine starke Wirkung zeigen“, betonte am Montag Franco Locatelli, Präsident des nationalen Sanitätsrats. Markant ist der Rückgang insbesondere in den stark betroffenen Provinzen Bergamo und Lodi, wo die Zahl der in die Intensivstationen eingelieferten Patienten Tag für Tag deutlich kleiner wird. Die Behörden gehen davon aus, dass in den völlig überlasteten Spitälern der Lombardei bereits in den nächsten Tagen die Zahl der entlassenen Patienten jene der neu eingelieferten übersteigen wird. „Die Situation ist immer noch dramatisch, aber wir sind auf einem guten Weg“, bekräftigte der lombardische Gesundheitsminister Giulio Gallera.

Mit deutlich größerem Optimismus blicken die Behörden auch auf die Situation im Süden. Im „Mezzogiorno“ war zunächst eine Katastrophe erwartet worden, weil sich die dortigen Gesundheitssysteme in einem erbarmungswürdigen Zustand befinden. In der Provinz Reggio Calabria mit ihren 500 000 Einwohnern standen etwa zu Beginn der Epidemie gerade mal 13 Intensiv-Betten zur Verfügung; in der Lombardei mit zehn Millionen Einwohnern waren es 750 (heute 1300). Süditalien wäre einem Ansturm von Covid-19-Patienten, wie ihn die medizinisch besser ausgestattete Lombardei erlebte, nicht gewachsen gewesen. Man hatte befürchtet, dass Zehntausende Süditaliener, die im Norden in Mailand und Padua studieren, das Virus von dort mitbringen und in ihrer Heimat verbreiten könnten.

Wie tief „durchseucht“?

Die im Vergleich zur Lombardei mit 42 000 Infizierten nach wie vor sehr tiefen Fallzahlen in den südlichen Regionen Kalabrien (647 Infizierte), Kampanien (1952), Apulien (1712), Sizilien (1555), Basilicata (214), Molise (134) sind laut Experten nun aber ein starker Hinweis darauf, dass die von der Regierung am 10. März verhängten Restriktionen noch rechtzeitig erfolgten.

Der enorme Unterschied der Fallzahlen zwischen dem praktisch de-industrialisierten Süden und dem stark globalisierten Wirtschaftsmotor Lombardei mit intensiven Handelsbeziehungen zu China stützen die These, wonach das Virus in Norditalien lange vor Entdeckung des „Patienten 1“ am 21. Februar von einem Geschäftsreisenden eingeschleppt worden sein könnte – und sich danach zunächst unbemerkt habe ausbreiten können. Damit wäre die „Durchseuchung“ der Lombardei beim Ausbruch der Epidemie schon sehr weit fortgeschritten gewesen – Experten schätzen die Zahl der dort nicht registrierten Infizierten auf bis zu fünf Millionen Menschen.

Dass die Fallzahlen nun landesweit immer weniger ansteigen, stimme zwar optimistisch, sei aber noch lange kein Grund, die Restriktionen zu lockern, betonte Locatelli. Möglich scheint das wohl frühestens nach dem Nationalfeiertag der „Liberazione“ am 25. April. Es wäre dann tatsächlich der Tag der Befreiung.

Von Dominik Straub

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