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Der irakische Schiiten-Führer Mohammed Bakir el Hakim Ende März bei einer Rede am Schrein des Imams Hussein in Karbala in der Nähe Bagdads.

Schiiten-Organisation in Irak unterstützt US-Plan

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Einflussreiche Bewegung nimmt nun doch Vorschlag für Regierungsbildung an / Ex-Innenminister festgenommenDie einflussreiche schiitische Bewegung Sairi unterstützt nun doch die Bildung eines "regierenden Rates" in Irak, den US-Zivilverwalter Paul Bremer in den nächsten Tagen berufen will. Dagegen planen 900 irakische Honoratioren, am Wochenende eine provisorische Regierung auszurufen. Weitere Berichte im Dossier Irak nach dem Krieg

FRANKFURT A. M., 9. Juli. Der Führer der schiitischen Dachorganisation Sairi, Ayatollah Mohammed Bakir el Hakim, bekannte sich am Dienstag überraschend zu den Plänen der so genannten Siebenergruppe von Bewegungen und Parteien, die die Unterstützung der USA genießen. Das berichteten der Londoner Guardian und die New York Times. Den Ausschlag für den Kurswechsel sollen Zusagen Bremers gegeben haben, dem Rat mehr als nur konsultative Befugnisse zu geben. Er soll als kollektives Staatsoberhaupt fungieren, Minister ernennen und ein Wahlgesetz ausarbeiten, teilte Adnan Pachachi, ein früherer Bagdader Außenminister, dem Guardian mit. Der US-Zivilverwalter behält aber ein Einspruchsrecht.

Sairi-Sprecher hatten sich noch vor wenigen Tagen für ein verfassunggebendes Gremium und eine Übergangsregierung ausgesprochen, die aus Wahlen hervorgehen. Die Siebenergruppe besteht aus den beiden kurdischen Parteien PUK und DPK, den früheren Exilbewegungen Nationalkongress und Nationalakkord, Pachachis Unabhängigen Demokraten und den Schiiten-Organisationen Sairi und Dawa.

Der weltweit angesehene schiitische Geistliche Ayatollah Ali al Sistani fordert dagegen eine nicht von den USA eingesetzte Übergangsregierung. Einem Aufruf al Sistanis folgten offenbar Anfang der Woche rund 900 irakische Persönlichkeiten, die sich in Nadschaf ohne vorherige Konsultation der Besatzungsverwaltung trafen. Sie vereinbarten für den 12. Juli ein Treffen in Bagdad, bei dem eine Zivilregierung gebildet werden sollte, wie das Londoner IWPR-Institut berichtet. Laut IWPR waren kurdische Parteien dabei nicht vertreten. Am Mittwoch war unklar, ob das Treffen am Samstag stattfinden wird. Von den größeren Parteien spricht sich nur die irakische KP gegen eine von den USA eingesetzte Körperschaft aus.

Die US-Armee teilte nach Agenturangaben am Mittwoch in Bagdad mit, sie habe am Dienstag den früheren irakischen Innenminister Mahmud Dhijab el Ahmed festgenommen. Auch habe sich Misban Chidr Hadi, Funktionär der Baath-Partei und Mitglied des Revolutionären Kommando-Rates, den US-Truppen in Bagdad gestellt. Ahmed und Hadi seien auf der US-Fahndungsliste mit Anhängern Saddams die Nummern 29 und 23. Damit befinden sich 34 der 55 Gesuchten in US-Gewahrsam. Festgenommen wurde auch der irakische Diplomat Ahmad Chalil Ibrahim Samir el Ani, der den Terroristen Mohammed Atta getroffen haben soll.

In den westirakischen Städten Ramadi und Falludscha gerieten US-Soldaten in der Nacht zum Mittwoch erneut unter Beschuss, berichtete der TV-Sender Al Dschasira. Nach US-Angaben beschlagnahmten Soldaten in Irak größere Mengen von Waffen, die für Angriffe auf US-Soldaten gedacht gewesen seien.

Dossier: Irak nach dem Krieg

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