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Die Schere im Bildungssystem

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Von: Tobias Peter

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Flüchtlingsklasse in Duisburg.
Flüchtlingsklasse in Duisburg. © dpa

Die Integration der Flüchtlinge ins deutsche Bildungssystem wird teuer, aber sie lohnt sich. Das ist das Ergebnis der Bundesbildungsberichts.

Die Integration der Asylsuchenden ins deutsche Bildungssystem wird teuer – aber sie lohnt sich. Das ist das Ergebnis des Bundesbildungsberichts, den Wissenschaftler unter Federführung des Deutschen Instituts für Internationale Pädagogische Forschung vorgestellt haben. Allein für die Menschen, die 2015 ins Land gekommen seien, müssten jährlich 2,2 Milliarden Euro ins Bildungssystem investiert werden, haben die Forscher errechnet. Demnach werden 33 000 zusätzliche Lehrer, Erzieher und Sozialarbeiter gebraucht. All das gelte, wenn 60 Prozent der Gekommenen blieben.

Es sind Zahlen, die unwidersprochen bleiben. Weder Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) noch die Vorsitzende der Kultusministerkonferenz, die Bremer Bildungssenatorin Claudia Bogedan (SPD), erheben Einspruch. Das gilt auch für weitere Landesbildungsminister, die bei der Vorstellung des Berichtes zugegen sind. Die Zahlen der Forscher können sicher noch nützlich sein, wenn es gilt, den Finanzministern Geld für die Integration abzutrotzen – egal, ob die Berechnungen nun mit der eigenen Auffassung hundertprozentig übereinstimmen oder nicht.

Einen deutlichen Dissens zwischen Wissenschaft und Politik gibt es aber bei der Frage, was im deutschen Bildungssystem in den vergangenen Jahren erreicht wurde – im Kampf gegen ungleiche Bildungschancen und für die Integration von Menschen mit Migrationshintergrund. Auf der politischen Seite noch am selbstkritischsten ist der Hamburger Schulsenator Ties Rabe (SPD). Deutschland habe sich vom Weltmeister der sozialen Ungleichheit ins Mittelfeld vorgearbeitet, sagt er. Kai Maaz, Sprecher der Autoren des Bildungsberichts, stellte hingegen unmissverständlich klar: „Es gibt nach wie vor ein unerfreuliches Ausmaß an sozialer Ungleichheit in der Bildung.“

Was bedeutet das mit Blick auf Bildung und Migration, den diesjährigen Schwerpunkt des Reports? Ausländische Jugendliche verlassen nach wie vor doppelt so häufig wie andere ohne jeden Abschluss das Schulsystem und sie erreichen drei Mal seltener die Hochschulreife. Das ist ein deutlicher Hinweis auf ein fortbestehendes Problem – obwohl die Daten natürlich nur eine grobe Idee vom Bildungserfolg oder -misserfolg von Schülern mit Migrationshintergrund ermöglichen. Denn viele von ihnen sind schlicht und einfach Deutsche.

Auch dort, wo es Fortschritte gibt, gehen diese mit Problemen einher. So besuchen 90 Prozent der Kinder mit Migrationshintergrund den Kindergarten – was alle Bildungsforscher freuen dürfte, die stets die Wichtigkeit frühkindlicher Bildung für die Integration betont haben. Zugleich aber gilt: Mehr als ein Drittel der Kinder, deren Familiensprache nicht Deutsch ist, besucht Kindertageseinrichtungen, in denen die Mehrheit der Kinder zu Hause ebenfalls kaum oder wenig Deutsch spricht. In Ballungszentren wie Berlin, Frankfurt oder Köln betrifft dies oft noch mehr Kinder. Die Forscher sehen hier einen besonderen Personalbedarf, den die Länder aber zum Teil auch erkannt hätten.

Bleibt die Frage: Selbst wenn das Geld dafür aufgetrieben wird, wo soll auf die Schnelle all das Personal herkommen, dass die Forscher für das Bildungssystem fordern? „Logischerweise aus der Lehrerbildung – banal“, antwortet der bayerische Staatsminister für Bildung und Kultus, Ludwig Spaenle (CSU), trocken – und wohl wissend, dass es Jahre dauert, Lehrer auszubilden. Sein Hamburger Kollege Ties Rabe baut währenddessen schon mal vor und sagt, angesichts der Herausforderungen durch die Flüchtlingskrise werde es schwierig, bei internationalen Bildungsvergleichen wie der Pisa-Studie den Trend zur Verbesserung aufrechtzuerhalten.

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