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Heil (l.) beim Besuch in der Freien Waldorfschule Heidelberg.

Hubertus Heil

Der Schattenmann

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Hubertus Heil, ein umtriebiger SPD-Minister, will nicht an die Spitze – ein Porträt.

Gleich am ersten Tag habe ich gedacht: gesucht und gefunden“, sagt Markus Schmitt. „Das ist mein Ding.“ Der gelernte Forstwirt ist 43 Jahre, 21 davon war er arbeitslos. Und nun sitzt er beim Kaffee mit SPD-Mann Hubertus Heil. Der Bundesarbeitsminister ist während seiner Sommerreise in der Waldorfschule von Heidelberg zu Gast, weil Herr Schmitt hier eine neue Chance bekommen hat – als Hausmeister.

Ein sozialversicherungspflichtiger Job, angelegt auf fünf Jahre, bezahlt auf Mindestlohnniveau. Das Ganze ist Teil des sozialen Arbeitsmarkts, eines Vier-Milliarden-Euro-Programms, das seit Jahresbeginn mehr als 25 000 Menschen aus der Langzeitarbeitslosigkeit geholt hat. „Wir nehmen richtig Geld in die Hand“, sagt der Arbeitsminister und strahlt.

Der soziale Arbeitsmarkt – nur eines der vielen Projekte, mit denen Heil Schlagzeilen macht. Er gehört in einer zunehmend depressiven SPD zu den wenigen, die Begeisterung am Regieren vermitteln.

Und Heil kämpft hinter den Kulissen in zähen Gesprächen mit dem Kanzleramt dafür, dass aus seinem Ende Mai vorgelegten Gesetzentwurf zur Grundrente doch noch etwas wird. Mag der Durchbruch auch noch auf sich warten lassen: Inzwischen erscheint er in Reichweite zu sein. Sagen zumindest die Optimisten.

Der Arbeitsminister will nicht das Gleiche erleben wie seine Vorgängerinnen Ursula von der Leyen und Andrea Nahles, die beide mit ihren Plänen scheiterten, die Renten langjähriger Geringverdiener aufzustocken. Gelingt nun ein Grundrentenkompromiss, wäre es für den Niedersachsen eine Art Meisterstück. Mancher könnte darin auch eine Empfehlung für höhere Aufgaben sehen. Der 46-Jährige könnte unter Zugzwang geraten, sollten nach Ministerpräsident Stephan Weil auch die Niedersachsen Lars Klingbeil und Boris Pistorius abwinken und auf eine Kandidatur für den SPD-Vorsitz verzichten.

Frühzeitig hatte er sich aus dem Rennen genommen, was das angeht. Heil, inzwischen seit mehr als 20 Jahren im Bundestag, kennt sich in der deutschen Sozialdemokratie aus wie wenige. Zweimal war er Generalsekretär der Partei, zunächst zwischen 2005 und 2009, arbeitete für drei SPD-Chefs und einen Übergangsvorsitzenden. 2017 dann kehrte er für einige Monate ins Willy-Brandt-Haus zurück, konnte aber das Desasterergebnis der Genossen bei der Bundestagswahl nicht verhindern. Zu Hause in Niedersachsen ist er als Chef des SPD-Bezirks Braunschweig unverändert ein Strippenzieher. In Berlin profiliert sich der Politologe als Aktivposten unter den Regierungssozialdemokraten. Doch die Zeiten sind unkalkulierbar – auch für Heil.

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