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Scharons Botschaft

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Nicht umsonst hat man Ariel Scharon einst den Beinamen "der Bulldozer" verpasst. Im Stil eines Planierfahrzeugs hat er seine militärischen Operationen

Nicht umsonst hat man Ariel Scharon einst den Beinamen "der Bulldozer" verpasst. Im Stil eines Planierfahrzeugs hat er seine militärischen Operationen umgesetzt und auch seine politischen Vorhaben wie jetzt den Abkoppelungsplan von Gaza. Große Worte freilich sind nicht seine Stärke. Seine Fernsehrede an die Nation am ersten Abend des Gaza-Abzugs fiel nicht sonderlich charismatisch aus. Dennoch hat sie Wichtiges beinhaltet, etwa die Einsicht, dass es nicht möglich ist, an einem jüdischen Siedlungsprojekt in einem Elendsstreifen festzuhalten, in dem sich an die 1,5 Millionen Palästinenser in Flüchtlingslagern drängen.

Recht hat Scharon auch damit, dass es nicht die Schwäche sondern die Stärke Israels beweist, wenn es sich von Gaza verabschiedet. Die meisten Israelis sehen das ähnlich, trotz des letzten Aufgebots radikaler Siedler, sich möglichst dramatisch dem Auszug zu widersetzen. Ihr Traum hat sich überholt. Je schneller die am Mittwoch beginnende heikle Phase der Zwangsräumung vonstatten geht, umso besser für das gesamte Land.

Dies durchzusetzen ist offenbar tatsächlich nur einer vom Schlage Scharons in der Lage, der aus dem nationalrechten Lager stammt. Um die sich dadurch auftuende historische Chance zu nutzen, reicht es allerdings nicht, seinen Landsleuten und der Welt zu verkünden, dass jetzt die Palästinenser am Zuge seien. Scharons unilateraler Schritt kann den Friedensprozess erleichtern. Aber gelingen wird eine Koexistenz nur, wenn sich auf beiden Seiten verhandlungsbereite Partner finden.

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