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Thomas Haldenwang konzentriert sich stark auf die Bekämpfung von islamistischem Terror.

Verfassungsschutz

Ein "Schäubli" als Chef

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Thomas Haldenwang wird neuer Präsident des Verfassungsschutzes ? ein Porträt.

Nun also doch: Thomas Haldenwang, der bisherige Vize, wird Nachfolger von Hans-Georg Maaßen im Amt des Verfassungsschutzpräsidentens. Lange hatte sich Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) geziert. Selbst dann noch, als es die Spatzen im politischen Berlin von den Dächern pfiffen. Während im Bundesamt für Verfassungsschutz die Personalie Haldenwang längst als beschlossene Sache galt, spielte Seehofer auf Zeit. Doch mit Maaßens ominöser Abschiedsrede vor dem „Berner Club“ in Warschau und seinen Angriffen auf angebliche „linksradikale Kräfte in der SPD“ überschlugen sich die Ereignisse. Seehofer sprach von „inakzeptablen Formulierungen“ und musste einlenken.

Haldenwang gilt einerseits als enger Vertrauter Maaßens, andererseits als dessen charakterlicher Gegenentwurf. Beide kennen sich seit Jahren aus dem Bundesinnenministerium (BMI) und dem Inlandsgeheimdienst. Beide konzentrieren sich auf die Abwehr von islamistischem Terror – und weniger auf die Bekämpfung von Rechtsextremismus. Maaßen musste gehen, nachdem er Zweifel an der Glaubwürdigkeit von Quellen zu rechtsextremen Krawallen in Chemnitz gesät hatte.

Der 58-jährige Jurist Haldenwang startete seine Karriere 1991 im BMI. Im Jahr 2000 wechselte er als Referatsgruppenleiter in das Bundesverwaltungsamt. Haldenwang kehrte 2006 ins BMI zurück, wo er die Leitung des Referats „Laufbahnrecht“ und die Geschäftsführung des Bundespersonalausschusses übernahm. Zu dieser Zeit arbeitete er unter Wolfgang Schäuble (CDU) nicht nur mit Maaßen, sondern auch mit dem späteren Chef des Bundesnachrichtendienstes (BND), Gerhard Schindler, dessen Nachfolger Bruno Kahl sowie dem heutigen Bundespolizeipräsidenten Dieter Romann eng zusammen. In Geheimdienstkreisen nennt man sie deshalb auch die „Schäublis“. Seit 2009 arbeitet Haldenwang beim Bundesverfassungsschutz, seit 2013 als Vizepräsident. Unter Weggefährten gilt der neue Inlandsgeheimdienstchef als Anti-Maaßen.

Geltungsdrang sei ihm ebenso fremd wie das Bedürfnis, sich politisch und womöglich auch noch in Interviews öffentlich zu äußern. Insider kennen den gebürtigen Wuppertaler als besonnenen Beamten. Auch bei Vorgesetzten hat sich Haldenwang den Ruf erworben, sich vor allem um Fachthemen zu kümmern.

Der Grünen-Fraktionsvize Konstantin von Notz bewertet die Personalie positiv. Haldenwang sei im Parlament gut bekannt, sagte er. „Es ist wichtig, dass das Bundesamt im Anschluss an die schwierigen Diskussionen der letzten Monate um die Leitung des Hauses zur Ruhe kommt“, sagte von Notz auf Anfrage.

Der Linken-Geheimdienstexperte André Hahn kritisiert dagegen die enge Verbindung Haldenwangs zu Maaßen. „Das ist kein Neustart und das falsche Signal“, sagte Hahn. In Parlamentskreisen gelte Haldenwang als „total unkomplizierter, netter und gerader Typ“, aber auch als farblos, ohne Charisma und Agenda. Man wisse wenig über seine Haltung zur AfD, deren Beobachtung Maaßen stets abgelehnt hatte. Seine Vorgesetzten dürften von ihm erwarten, dass er nach dem Wirbel der vergangenen Monate wieder Ruhe in die verunsicherte Verfassungsschutzmannschaft bringt.    (mit dpa)

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