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Menschen mit Masken warten vor einem Sauerstoff-Händler. Die Kapazität der Stadt Manaus zur Sauerstoffproduktion deckt nach Angaben der Organisation Ärzte ohne Grenzen weniger als ein Drittel des derzeitigen Bedarfs.
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Menschen mit Masken warten vor einem Sauerstoff-Händler. Die Kapazität der Stadt Manaus zur Sauerstoffproduktion deckt nach Angaben der Organisation Ärzte ohne Grenzen weniger als ein Drittel des derzeitigen Bedarfs.

Pandemie

Sauerstoff als knappstes Gut

  • Klaus Ehringfeld
    vonKlaus Ehringfeld
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Das Gesundheitssystem im brasilianischen Manaus bricht zusammen.

Tränen, Panik, Menschen, die für Sauerstoffzylinder anstehen, und ganz viel Wut auf die Regierung: Das sind die Bilder, die auch am vergangenen Wochenende wieder von Manaus aus um die Welt gingen. Die Bevölkerung in der Millionenmetropole in der Amazonasregion Brasiliens leidet wie keine andere unter dem Ausbruch der zweiten Corona-Welle im größten Land Lateinamerikas. Vor allem Alte und Kranke sterben jeden Tag in den überfüllten Hospitälern oder daheim, weil seit Tagen der Sauerstoff das knappste und wertvollste Gut der Stadt ist. Eine womöglich besonders ansteckende Virusmutation, die kürzlich in der Stadt entdeckt wurde, verschärft die Lage.

Mehr als 4300 Menschen sind in der Stadt bereits an oder mit Covid-19 gestorben. Die Krankenhäuser sind voll und die Menschen verzweifelt. Sogar aus Venezuela musste Brasilien Sauerstoff importieren. Dennoch reicht er nicht. Das medizinische Personal reduziert die Sauerstoffzufuhr für die Erkrankten, da die Nachfrage dreimal so hoch ist wie das Angebot. Und Manaus ist die einzige Stadt in der ganzen Amazonasregion, die überhaupt über Intensivbetten verfügt.

Am Wochenende verlangte Generalstaatsanwalt Augusto Aras vom Obersten Bundesgericht STF die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens gegen Gesundheitsminister Eduardo Pazuello, um zu klären, wie zum zweiten Mal seit Ausbruch der Pandemie das Gesundheitssystem von Manaus zusammenbrechen konnte.

„Wir zahlen Steuern, wir kaufen, wir halten die Wirtschaft der Stadt am Laufen, und wenn wir mal die Hilfe der Gesundheitsbehörden brauchen, dann bekommen wir sie nicht“, sagt eine Frau in Manaus unter Tränen, als sie einen Sauerstofftank für ihre an Covid-19 erkrankte Mutter auffüllen lassen will. Die Wut der Menschen auf die Regierenden und vor allem auf den Präsidenten wächst jeden Tag.

Harte Kritik aus der Medizin

Denn Präsident Jair Bolsonaro hat weder die Corona-Pandemie noch die Wirtschaft nur annähernd im Griff. Das Bruttoinlandsprodukt der größten Volkswirtschaft Lateinamerikas schrumpft laut Prognosen der Zentralbank in diesem Jahr um 4,4 Prozent. Schlimmer noch ist, dass das Land die Pandemie nicht kontrolliert bekommt. Mit weltweit den drittmeisten Infizierten (8,8 Millionen) und den zweitmeisten Toten (mehr als 216 000) tut Bolsonaro dennoch immer noch so, als sei diese Infektionskrankheit eine „Gripezinha“, eine kleine Grippe, und wehrt sich mit Händen und Füßen gegen die Impfung, die das Oberste Gericht kurz vor Weihnachten faktisch für alle Menschen im Land verpflichtend gemacht hat.

Dennoch läuft die Impfkampagne ganz allmählich an. In dem Land mit 210 Millionen Einwohner:innen sind bisher knapp eine halbe Million Menschen immunisiert worden.

Mediziner:innen und Forschende kritisieren jedoch, dass die Regierung nach wie vor keinerlei Strategie habe, wie die Bevölkerung mittelfristig gegen die Infektionskrankheit geschützt werden könne. Es gebe keinerlei Zusammenarbeit der staatlichen Gesundheitsbehörden mit Ärzt:innen und Forschenden, kritisiert eine Gruppe von Fachleuten in einem Artikel für die medizinische Fachzeitschrift „The Lancet“. Darin heißt es, dass mindestens 150 000 Menschen hätten gerettet werden können, wenn die Regierung kooperiert und einen Impfplan hätte. Dieser fehlt nach wie vor für die kommenden Wochen. Der Epidemiologe Pedro Hallal von der „Universidade Federal de Pelotas“ (Bundesstaat Rio Grande do Sul) wirft der radikal rechten Regierung vor, nicht mal einen „mittelmäßigen“ Job beim Kampf gegen Corona zu machen.

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