+
Die Waffen, die Saudi-Arabien gekauft hat, kommen jetzt im Jemen in Einsatz.

Waffenexporte

Saudisches Streben nach der Großmacht

  • schließen

Der Nahost-Experte Pieter Wezeman über Rüstungsexporte nach Nahost und die Rolle Deutschlands bei der Belieferung verschiedener Staaten

Herr Wezeman Sie haben ermittelt, wie massiv die Saudis sich mit Waffen aus USA und Europa eingedeckt haben. Jetzt kommen die gegen den Jemen zum Einsatz. Wie hat das funktioniert, wer verdient daran?
Dass Saudi-Arabien sich mit allen Mitteln als regionale Großmacht etablieren will, zeigen nicht nur der Krieg in Jemen und der Streit mit dem Iran, sondern auch der Konflikt mit Katar kurz vor einem Krieg. Seit zehn Jahren hat das Land sein Militär mit genau den Waffen modernisiert und ausgebaut, die Expansion nach außen ermöglichen. Zum Beispiel durch Kampfflugzeuge mit allen Begleitsystemen und auch weitreichenden Marschflugkörpern.

Die USA liefern sie, genau wie Großbritannien Kampfflugzeuge geliefert hat, an dem Deutschland mitbaut. Sie können bekommen, was immer sie für notwendig halten. Der allseitige Wille zur Belieferung mit Waffen aus den USA und Westeuropa, aber auch Russland sowie China trägt ganz bestimmt zum saudischen Streben nach der regionalen Großmachtrolle bei. Deutschland gehört anscheinend zu den Ländern, die das nicht mehr mitmachen wollen. Bisher kamen von hier Küstenwachschiffe, Helikopter für innere Sicherheit und dergleichen.

Man staunt, dass deutsche Exporte um 14 Prozent fielen, aber nach Nahost sich mehr als verdoppelten. Wie das?
Das ist schon etwas überraschend angesichts der Debatte in Deutschland über diese Exporte. Das ist vor allem mit U-Booten an Israel und Ägypten zu erklären. Die Panzer für Katar belegen angesichts des schon Gesagten zu Saudi-Arabien, dass Deutschland beide Parteien eines äußerst relevanten Spannungsfalls beliefert.

Katar und Ägypten fallen neben Saudi-Arabien durch ihre besonders massive Aufrüstung mittels Waffenimporten auf. Muss man da genauso einen baldigen Einsatz befürchten wie im Fall der Saudis im Jemen?
Ägypten ist ja schon kräftig dabei, sowohl bei den internen Konflikten im Sinai als auch in Libyen. Das geht von Kleinwaffen bis zu just gelieferten Kampfflugzeugen aus Frankreich gegen den „Islamischen Staat“. Ägypten ist auch im Jemen dabei. Was immer man an Kairo liefert, kann sehr zügig eingesetzt werden. Katar ist ja ein winziges Land und hat früher kaum Militär gehabt. Das ist jetzt komplett anders: Es hat 96 Kampfflugzeuge bestellt um zehn alte zu ersetzen! Katar will auch eine regionale Macht sein. In Syrien und Libyen waren sie schon militärisch aktiv. Offen ist aber, ob die Waffen im Konflikt mit Saudi-Arabien auch eine Rolle spielen könnten.

Interview: Thomas Borchert

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion