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Eine der beiden Paketbomben aus dem Jemen wurde in Köln/Bonn umgeladen.

Vereitelte Anschläge in USA

Den Saudis sei Dank

Die geplanten Paket-Anschläge auf jüdische Einrichtungen in den USA sind vereitelt worden. Die entscheidenden Hinweise kamen offenbar vom saudischen Geheimdienst.

Von Dietmar Ostermann

Nur einem Tipp vom saudischen Geheimdienst ist es offenbar zu verdanken, dass die am Freitag in zwei Frachtflugzeugen in Dubai und London sichergestellten Bomben gefunden wurden, bevor sie erheblichen Schaden hätten anrichten können. Mehrere Kontrollen hatten die in Druckerpatronen versteckten Bomben bereits passiert. Offiziell hieß es in Washington, man habe einen „Hinweis von einem sehr engen Verbündeten“ erhalten.

Hätte es die mutmaßliche Warnung aus Riad nicht gegeben, davon sind US-Ermittler laut New York Times überzeugt, hätten die mit Handys, Zeitzündern und Batterien verdrahteten Sprengsätze wahrscheinlich zur Explosion gebracht werden können – entweder in der Luft oder am Zielort in den USA. Adressiert waren die im Jemen aufgegebenen Pakete offenbar an jüdische Einrichtungen in Chicago. Die Synagoge der ältesten jüdischen Gemeinde der Stadt befindet sich dort direkt gegenüber der Privatvilla von Präsident Barack Obama.

Die US-Behörden glauben, die Urheber der Sendung zu kennen: die Terrororganisation Al-Kaida auf der arabischen Halbinsel. Der Anschlagsversuch trage die Handschrift von Al-Kaida, sagte US-Heimatschutzministerin Janet Napolitano. Simultane Anschläge, das kreative Ausnutzen bislang kaum beachteter Sicherheitslücken westlicher Staaten, dazu kurz vor der US-Kongresswahl ein Zeitpunkt, der maximale Aufmerksamkeit garantiert – für all das ist Al-Kaida bekannt.

Im Jemen wurden eine 22-jährige Frau und ihre Mutter verhaftet. Die Tochter steht im Verdacht, die Paketbomben am Donnerstag aufgegeben zu haben. Ihre Handynummer soll sich auf einem Formular befunden haben, das bei der Aufgabe eines der Pakete ausgefüllt wurde. Experten äußerten Zweifel, ob die tatsächlichen Täter derlei Spuren hinterlassen hätten. Das US-Heimatschutzministerium erklärte, die Bomben könnten mit zwei Hochschulen im Jemen in Verbindung stehen.

Amerikaner unter Verdacht

Washington hat seine Militärhilfe für den Jemen massiv verstärkt, die CIA ihre Präsenz in dem unruhigen Land. Die USA hatten schon vor den jüngsten Bombenfunden einen verstärkten Einsatz bewaffneter Drohnen überlegt. Im Jemen wird auch der radikale Prediger Anwar al-Awlaki vermutet, ein US-Bürger, dessen Name immer wieder im Zusammenhang mit Anschlagsversuchen auftauchte.

Al-Awlaki soll mit dem US-Major Nidal Malik Hassan in Kontakt gestanden haben, bevor der 2009 auf dem texanischen Stützpunkt Fort Hood 13 Menschen erschoss. Auch nach dem versuchten Flugzeuganschlag wenige Monate später über Detroit fiel immer wieder sein Name. Die US-Regierung soll al-Awlaki als ersten US-Bürger überhaupt auf eine Liste mutmaßlicher Terroristen gesetzt haben, deren gezielte Tötung autorisiert wurde.

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