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Saudi-Arabien hilft Putin aus der Patsche – und provoziert die USA

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Von: Oliver Schmitz

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Weniger Öl-Förderung bedeutet höhere Preise, was Russland mehr Geld für den Ukraine-Krieg beschafft. Saudi-Arabien ist dabei treibender Faktor.

Washington/Riad/Moskau – Anfang Oktober sorgte die Meldung über die gedrosselte Öl-Förderung durch die OPEC-Staaten für großen Ärgern in den USA. Die Regierung von Joe Biden wertete diesen Schritt als direkte Unterstützung Russlands im Ukraine-Krieg. Denn die dadurch steigenden Öl-Preise bringen dem Land mehr Geld einbringen. Von dem Umfang der Öl-Kürzung war aber offenbar auch Moskau selbst überrascht.

Saudi-Arabien war wohl für höhere Öl-Drosselung als Russland

Wladimir Putin (r), Präsident von Russland, und Mohammed bin Salman, Kronprinz von Saudi-Arabien, unterhalten sich während des G20-Gipfels miteinander.
Wladimir Putin (r.) profitiert kurzfristig besonders von der indirekten Unterstützung Mohammed bin Salmans (l.), Kronprinz von Saudi-Arabien. © dpa / -

Die treibende Kraft bei der Drosselung der Öl-Förderung durch die OPEC war offenbar Saudi-Arabien und nicht Russland, berichtet das The Interecept. Dabei beruft sich das Nachrichtenportal auf zwei Saudi-Quellen, die der königlichen Familie nahestehen sollen. So habe das Königreich darauf gedrängt, die Ölproduktion doppelt so stark zu kürzen, wie es der russische Präsident Wladimir Putin eigentlich wollte. Laut einem Reuters-Bericht hatte Russland eine Kürzung von einer Million Barrel pro Tag favorisiert. Das Ergebnis waren letztlich aber zwei Millionen. Laut den Intercept-Quellen habe das die Russen durchaus überrascht.

Saudi-Arabien: Mohammed bin Salman noch „putinistischer als Putin“

„Die Leute in Washington denken, dass MBS auf der Seite Putins steht, aber ich glaube, MBS ist sogar noch putinistischer als Putin“, zitiert das Medium eine Quelle. Die Aussage bezieht sich auf den saudischen de facto Herrscher und Kronprinz Mohammed bin Salman.

Saudi-Arabien hatte immer wieder abgestritten, im Ukraine-Konflikt auf der Seite Russlands zu stehen. So hatte das Königreich zuletzt humanitäre Hilfe im Wert von 400 Millionen US-Dollar für die Ukraine angekündigt oder auch bei der UN-Vollversammlung die völkerrechtswidrigen Annexionen Russlands in der Ukraine verurteilt.

Öl-Streit mit USA: Saudi-Arabien hält sich für „reifer“ – Demokraten vor Midterm-Wahlen besorgt

Auch wenn sich Saudi-Arabien zumindest im Ukraine-Krieg diplomatischer zeigt, ist der Streit mit den USA wohl noch nicht beigelegt. Auf die Frage, wie die beiden Staaten ihrer Energie-Zusammenarbeit wieder auf den Weg bringen können, sagte der saudische Energie-Minister nun: „Ich denke, wir als Saudi-Arabien haben uns entschieden, die reiferen Jungs zu sein und die Würfel fallen zu lassen“, berichtet Reuters. Damit ist gemeint, dass das Königreich die Situation jetzt auf sich zukommen lassen möchte.

Neben der indirekten Unterstützung Russlands hat die Drosselung der Öl-Förderung auch Auswirkungen auf die USA selbst. Die hohen Erdölpreise haben dort zu hohen Benzinpreisen geführt, die mitverantwortlich für die hohe Inflation in dem Land sind. Dieser Fakt schadet nun vor allen den regierenden Demokraten von Joe Biden. Und das kurz vor den wichtigen Midterm-Wahlen am 8. November 2022. Der US-Präsident hatte in dem Zuge auch „Konsequenzen“ für Saudi-Arabien angekündigt. (os mit dpa/AFP)

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