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Satelliteninternet: Jeder will ein Stück vom Himmel

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Von: Jana Ballweber

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Ein ukrainischer Soldat übt bei Kiew den satellitengestützten Einsatz von Gefechtsdrohnen.
Ein ukrainischer Soldat übt bei Kiew den satellitengestützten Einsatz von Gefechtsdrohnen. © Imago

Die Anbieter für Internetverbindungen via Satellit haben den Orbit schon unter sich aufgeteilt. Mit der zunehmenden Bedeutung der Technologie entstehen brisante Abhängigkeiten.

Anders als andere kriegsentscheidende Infrastruktur sind Satellitennetzwerke wie Starlink oftmals nicht in staatlicher oder öffentlicher Hand, sondern Eigentum eines privaten Unternehmens. Wie Elon Musk zum Konflikt zwischen Russland und der Ukraine steht, auf welche Seite er sich schlägt, hat erheblichen Einfluss auf den weiteren Kriegsverlauf. Der Milliardär ist nicht demokratisch legitimiert und ist auch eher selten durch politisches Verantwortungsbewusstsein aufgefallen.

Wie ist es möglich, dass ein einzelner Mensch so großen Einfluss auf geopolitisch bedeutsame militärische Auseinandersetzungen hat? „Die herkömmliche Internet-Infrastruktur auf der Erde ist kleinteiliger angelegt als die Satellitennetze, bei denen es schon jetzt eine starke Konzentration gibt“, erklärt Daniel Voelsen, der bei der Stiftung Wissenschaft und Politik zu den Schnittstellen von Technologie- und Außenpolitik und zur Zukunft des Internet forscht.

Betreiber von Satelliteninternet haben Orbits und Frequenzen schon unter sich aufgeteilt

Beim kabelgebundenen Internet sind etwa eine Vielzahl von Unternehmen beteiligt, um den Internetzugang für Endkunden anzubieten und Regionen wie die USA und Europa miteinander zu verbinden. Die Zusammenführung der Datenströme an Internetknotenpunkten oder die Datenverarbeitung in Rechenzentren würden dann wieder von anderen Firmen übernommen. Das sei beim Internet via Satellit aber nicht so, so Voelsen: „Wer in den Markt mit Satelliten-Internet einsteigen möchte, konkurriert mit bereits bestehenden Angeboten um rare Güter: Orbits und Frequenzen.“

Der Orbit, also die Umlaufbahn, in der der Satellit die Erde umkreist, darf nicht mit zu vielen anderen Satelliten vollgestopft werden, sonst drohen Kollisionen. Auch bei den Frequenzen dürfen die Anbieter sich gegenseitig nicht zu sehr ins Gehege kommen, weil die Datenübertragung sonst gestört werden könnte. Wer früh ins Geschäft mit den Satelliten eingestiegen ist, hat einen schwer einzuholenden Vorsprung. Einen praktikablen internationalen Mechanismus, um dem Problem beizukommen, gebe es derzeit nicht, so Voelsen: „Angesichts der Weltlage habe ich wenig Hoffnungen, dass wir hier zu einer kooperativen Lösung kommen.“

Einzelne Unternehmen und Staaten sichern mit Satelliten-Infrastruktur ihre Macht

Es könnte also dabei bleiben, dass Menschen wie Elon Musk, Amazon-Gründer Jeff Bezos – der ebenfalls Ambitionen für ein eigenes Satellitennetz zeigt – oder staatliche Firmen, zum Beispiel in China, über eine derartig wichtige Infrastruktur bestimmen – und damit auch über Wohl und Wehe ganzer Nationen.

Denn Voelsen rechnet mit einer steigenden Bedeutung des Satelliteninternets: „Auch wenn ein Großteil des Datenvolumens wohl weiterhin über das normale Glasfaserinternet abgewickelt werden wird, kann die Kommunikation via Satellit bei der Versorgung von dünn besiedelten Gebieten mit Internet eine wichtige Rolle spielen.“ Außerdem biete die Technologie Chancen für die Übermittlung besonders sensibler Informationen, zum Beispiel von Regierungen oder im militärischen Kontext, aber auch von Industrie und Finanzwirtschaft.

Experte befürchtet Machtkonzentration bei Satelliteninternet

Mittelfristig rechnet Voelsen mit einer noch stärkeren Marktkonzentration: „Im Moment gibt es noch einen gewissen Wettbewerb, aber die Kosten, um ein eigenes Netz aufzubauen und zu unterhalten, sind gigantisch.“ Liege ein derartiges System komplett in der Hand einiger weniger, müsse man sich die Frage stellen, wo diese Marktmacht in politische Macht umschlage, so Voelsen: „Noch ist das Zukunftsmusik, aber mit der zunehmenden Bedeutung der Technologie entstehen Abhängigkeiten, die brisant werden können.“

Denn wer einen signifikanten Teil einer Infrastruktur beherrscht, könne nicht nur über die wirtschaftliche Nutzung entscheiden: „Es geht hier auch um technische Standards wie etwa bei der Verschlüsselung, über die Unternehmen dann im eigenen Interesse bestimmen können. Und letztendlich geht es auch um die Frage, wo das Netz überhaupt verfügbar ist.“

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