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Nicolas Sarkozy will als „Republikaner“ wieder zurück in den Elysée-Palast.

Nicolas Sarkozy

Sarkozy präsentiert sich neu

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Frankreichs Ex-Premier Sarkozy gibt sich versöhnlich. Der alte, der Heißsporn, der Provokateur, der Parteikongresse mit großem Pomp zelebrierende UMP-Chef, das war einmal. Der neue, der soeben unter Nicolas-Sprechchören die Bühne des Pariser Event-Centers betreten hat, will ein anderer sein.

Da ist er, der neue Nicolas Sarkozy. Der alte, der Heißsporn, der Provokateur, der Parteikongresse mit großem Pomp zelebrierende UMP-Chef, das war einmal. Der neue, der soeben unter Nicolas-Sprechchören die Bühne des Pariser Event-Centers betreten hat, will ein anderer sein. Er will nicht mehr spalten. Seine republikanisch gesinnten Landsleute möchte er um sich scharen, also die ganze Nation. Getragen von einer Woge der Zustimmung hofft er, 2017 in den Elysée-Palast zurückzukehren.

Passend zum hehren Ziel hat Sarkozy beschlossen, seine Partei in „Die Republikaner“ umzubenennen und die bisherigen Initialen UMP, mit denen sich seine Niederlage bei den Präsidentschaftswahlen 2012 sowie Diadochenkämpfe und Skandale verbinden, auf dem Müllhaufen der Geschichte zu entsorgen.

An diesem Wochenende ist Vollzug angesagt. Rund 10 000 Parteimitglieder sind am Stadtrand von Paris zusammengekommen, um auf einem Gründungsparteitag den von der Basis zuvor online gutgeheißenen Wandel zu zelebrieren. „Meine lieben Freunde“, fängt Sarkozy an, „dies ist der Tag der Neugründung, der Erneuerung, der Renaissance.“ Und dann ruft er auf zur Rettung der von den Sozialisten und ihrem „mittelmäßigen Präsidenten“ angeblich zugrunde gerichteten Republik.

Um möglichst viele gesellschaftliche Kräfte in die Operation „Rückeroberung des Elysée“ einzubinden, reicht Sarkozy selbst Intimfeinden die Hand. Bittersüß lächelnd würdigt er den innerparteilichen Rivalen Alain Juppé, der ebenfalls Staatschef werden und Sarkozy 2016 in einer an Urwahl des Präsidentschaftskandidaten herausfordern will. „Juppé ist ein Reichtum für uns“, versichert Sarkozy.

Pfiffe und Buhrufe ertönen. Der besonnene, so gar nicht zum Volkstribun taugende Juppé hat beim Sarkozy ergebenen Parteivolk einen schweren Stand. Dass der Ex-Premier und Bürgermeister von Bordeaux Frankreichs beliebtester Politiker ist, hilft ihm hier im Saal wenig. Im Event-Center gilt der Präsident der „Republikaner“ bereits als Präsident der Republik. Dabei wollen laut einer am Wochenende veröffentlichten Umfrage 72 Prozent der Franzosen Sarkozy nicht einmal als Kandidaten für das höchste Staatsamt sehen.

Sarkozys Gattin Carla Bruni lächelt ebenfalls. Sie hat sich eines der für zehn Euro angebotenen blütenweißen T-Shirts mit dem neuen Parteiemblem übergestreift. Und dann hat sie, die doch angeblich froh war, dem Protokoll des Elysée zu entkommen, ihre Vorfreude auf eine mögliche Rückkehr in den Palast bekundet.

Die frühere Première Dame verbreitet noch immer einen gewissen Glanz, was umso mehr auffällt, als dieser Kongress anders als frühere Parteitage mit Reizen geizt. Fürs Spektakel fehlt das Geld. Als Versammlungsort muss eine mit Plastikstühlen gefüllte Wellblechhalle genügen. Die UMP, die für Sarkozys Präsidentschaftswahlkampf 2012 anstatt der zulässigen 22 Millionen Euro 40 Millionen ausgegeben hat, ist hoch verschuldet. Finanziell ist der Partei ein Neuanfang nicht vergönnt.

Und das Programm, mit dem „Die Republikaner“ den Wähler für sich gewinnen wollen? Für 2016 hat Sarkozy eines versprochen. Anstatt sich programmatisch festzulegen und damit angreifbar zu werden, appellieren er und seine Mitstreiter lieber ans Gefühl. Sie beschwören, was Frankreichs Konservativen schon immer kostbar war: staatliche Autorität, Arbeit, Leistung, Familie, Nation, Stolz, Identität. Sarkozy hat mehr als 50 Rednerinnen und Rednern das Wort erteilt, die dieses Vokabular dann auch fünf Stunden lang strapazieren.

Am häufigsten erklingt freilich der neue Parteiname. Er scheint gewöhnungsbedürftig und bedarf offenbar steter Wiederholung. Dass eine politische Partei das die Nation zusammenhaltende Band der Republik für sich allein beansprucht, versteht sich ja auch wirklich nicht von selbst.

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