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AKW Saporischschja ohne Strom – Kühlung nur noch über Not-Systeme

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Von: Christian Stör

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Der Beschuss rund um das Atomkraftwerk Saporischschja hält weiter an. Nun wird das AKW erneut von der wichtigen externen Stromversorgung abgeschnitten.

Enerhodar - Mitten im Ukraine-Krieg bleibt die Lage rund um das ukrainische Atomkraftwerk Saporischschja weiter äußerst angespannt. Nun ist das von Russland besetzte AKW zum zweiten Mal innerhalb von fünf Tagen von der für die Kühlung der Brennstäbe wichtigen externen Stromversorgung abgeschnitten worden. Nach Angaben der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA wird das Atomkraftwerk erneut von seinen Notstromaggregaten versorgt.

Nach Angaben des ukrainischen staatlichen Nuklearunternehmens Enerhoatom ist der Stromausfall auf russische Angriffe im Umspannwerk „Dnirpovska“ im Gebiet Dnipropetrowsk zurückzuführen. Das meldet der Kyiv Independent.

Das AKW Saporischschja ist Europas größtes Atomkraftwerk. Russland-Präsident Putin signalisiert angeblich Dialogbereitschaft
Das AKW Saporischschja ist Europas größtes Atomkraftwerk. © IMAGO/Dmytro Smolyenko

AKW Saporischschja wieder ohne Strom

Schon am Samstag (8. Oktober) hatte der ukrainische Kraftwerksbetreiber mitgeteilt, dass die letzte verbliebene Hauptstromleitung „aufgrund eines erneuten Beschusses durch russische Truppen“ beschädigt und unterbrochen worden sei. Kurz danach konnte das Atomkraftwerk Saporischschja wieder an die externe Stromversorgung angeschlossen werden.

Das größte Atomkraftwerk Europas war bereits im September für rund zwei Wochen vom ukrainischen Stromnetz abgeschnitten worden. Während der Unterbrechung lief die Stromversorgung über Notfall-Leitungen sowie über den letzten der sechs Reaktoren, der damals noch in Betrieb war. Anschließend wurde auch der letzte Reaktor aus Sorge vor einem Atomunfall heruntergefahren. Das Nuklearmaterial muss jedoch auch im abgeschalteten Zustand weiter gekühlt werden. Unterbricht die externe Stromversorgung, springen automatisch Dieselgeneratoren an. Die Dieselvorräte reichen nach Angaben des ukrainischen Kraftwerksbetreibers allerdings nur für zehn Tage eines solchen Notbetriebs.

Die Fortsetzung des Beschusses, der die einzige externe Stromquelle des Kraftwerks treffe, sei „in höchstem Maße unverantwortlich“, ließ IAEA-Chef Rafael Grossi am Wochenende verlauten. Die Lage der Stromversorgung des Kernkraftwerks bleibe fragil, der Beschuss in der Region um das Atomkraftwerk müsse sofort aufhören. Um das Kraftwerk müsse dringend eine Schutzzone errichtet werden.

AKW Saporischschja gerät immer wieder unter Beschuss

Russland kontrolliert das AKW faktisch seit Anfang März, als Moskaus Truppen im Zuge des Angriffskriegs große Teile der Südukraine besetzten. Das Kraftwerk ist in den vergangenen Monaten bei schweren Kämpfen mehrfach unter Beschuss geraten. Die Ukraine und Russland geben sich gegenseitig die Schuld. (cs/dpa)

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