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AKW Saporischschja: Betreiber warnt vor Strahlengefahr – Menschen in Angst

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Von: Lukas Zigo

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In Europas größtem Kernkraftwerk ist nun die letzte Hauptstromleitung unterbrochen. Nur noch einer der sechs Reaktoren ist in Betrieb.

Saporischschja – Europas größtes Kernkraftwerk befindet sich an der Frontlinie des Krieges in der Ukraine. Nun hat es erneut die externe Stromversorgung verloren, was angesichts der anhaltenden Kämpfe in dem Gebiet die Angst vor einer Strahlenkatastrophe schürt. Die letzte verbleibende Hauptstromleitung wurde unterbrochen, obwohl eine Reserveleitung weiterhin Strom ins Netz liefert, wie die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) am Samstag (03.09.2022) mitteilte.

Ein russischer Soldat steht auf dem Gelände des AKW Saporischschja Wache.
Ein russischer Soldat steht am 01.05.2022 auf dem Gelände des Kernkraftwerks Saporischschja in einem Gebiet unter russischer Militärkontrolle im Südosten der Ukraine Wache. © Uncredited/dpa

Enerhoatom, der Betreiber des AKW Saporischschja, teilte mit, dass infolge massiven Beschusses aktuell unter der Gefahr gearbeitet wird, gegen den Strahlen- und Brandschutz zu verstoßen.

Ukraine: IAEA-Fachleute im AKW Saporischschja 

Auch die russische Militärverwaltung hatte zuvor mitgeteilt, dass nur noch ein Block von Europas größtem Atomkraftwerk arbeite. Nach Darstellung von Enerhoatom dauert die Mission der Internationalen Atomenergiebehörde dort weiter an. Russischen Angaben zufolge haben vier von sechs Fachleuten die Anlage verlassen. Zwei blieben demnach als Beobachter, sagte deren Vertreter Wladimir Rogow im russischen Radio.

Der Direktor der Internationalen Atomenergiebehörde Rafael Grossi untersucht Schäden am AKW-Saporischschja am 01.09.2022.
Der Direktor der Internationalen Atomenergiebehörde Rafael Grossi untersucht Schäden am AKW-Saporischschja am 01.09.2022. © IMAGO/Sergei Malgavko

Nach langen Verhandlungen sind seit Donnerstag (01.09.2022) IAEA-Experten in dem AKW, um nach Schäden zu suchen. Das Kraftwerk geriet Anfang März, unmittelbar nach dem Einmarsch in die Ukraine, unter russische Kontrolle. Mehrfacher Beschuss des Kraftwerkgeländes und der benachbarten Stadt haben international die Angst vor reiner möglichen Atomkatastrophe wachsen lassen. Russland und die Ukraine beschuldigen einander für die Schäden am Kraftwerk.

Menschen, die am Ufer des Dnjepr in der Nähe des belagerten Kernkraftwerks leben, verbringen aus Angst vor dem intensiven Beschuss ihre Nächte in Zelten oder Autos. Nikopol, etwa 10 Kilometer flussabwärts vom AWE Saporischschja, wird seit fast zwei Monaten angegriffen. „Wir sind gerade gegangen, als Nikopol zu einem Schlachtfeld wurde“, sagte Olena Kovalova gegenüber Al-Jazeera. „Wir haben Angst um unser Leben.“

Ukraine: AKW-Betreiber beklagt russische Truppen, Waffen und Munition auf dem Gelände

Enerhoatom beklagte im Nachrichtenkanal Telegram, dass Russland Militär, Waffen und Munition auf dem Gelände stationiert habe. Die Ukraine forderte internationale Hilfe, um die russischen Truppen zum Abzug zu bewegen. Russland hingegen bestreitet, dort schwere Waffen zu haben und lehnt auch eine Rückgabe des AKW ab, weil die Ukraine dessen Sicherheit nicht gewährleisten könne. (lz/dpa)

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