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Verteidigungsministerium

"Sanitätsflucht" bei der Bundeswehr

Das Verteidigungsministerium hat zum ersten Mal einen "sprunghaften Anstieg unplanmäßiger ärztlicher Personalverluste" in diesem Jahr eingeräumt.

Berlin. "Sanitätsflucht" bei der Bundeswehr: Das Verteidigungsministerium hat zum ersten Mal einen "sprunghaften Anstieg unplanmäßiger ärztlicher Personalverluste" in diesem Jahr eingeräumt. Minister Franz Josef Jung (CDU) bestätigte in einem an die FDP-Wehrexpertin Elke Hoff gerichteten Schreiben, das der Nachrichtenagentur ddp vorliegt, dass es bei den Streitkräften 2008 "überdurchschnittlich hohe Personalabgänge im ärztlichen Bereich" gebe.

Bis Ende Oktober waren nach Angaben des Verteidigungsministeriums bereits 89 ärztliche Personalverluste zu verzeichnen. Die Ärzte sprechen von einer "nie da gewesenen Flucht aus dem Sanitätsdienst" der Bundeswehr. Auch bei den Auslandseinsätzen hapere es deswegen an der sanitätsdienstlichen Versorgung der Soldaten, war von Sanitätsoffizieren zu erfahren. Bei der Bundeswehr leisten rund 2400 Mediziner Dienst.

In dem Brief von Jung heißt es, dass die Gründe für den "Exodus" der Militärärzte auf mehreren Faktoren beruhen: "Im Besonderen auf der individuell hohen zeitlichen Belastung im Tagesdienstbetrieb der Bundeswehrkrankenhäuser, auf der Notwendigkeit der wiederholten und häufigen Teilnahme an Auslandseinsätzen für Personal aus den besonders einsatzrelevanten Fachgebieten sowie nicht zuletzt auf der gegenwärtig für hoch qualifiziertes Fachpersonal außerordentlich günstigen Arbeitsmarktsituation im zivilen Gesundheitssystem".

Die Auslandseinsätze würden darüber hinaus "zunehmend als bedrohlich für Leib und Leben wahrgenommen".

Hoff nannte die Mitteilung Jungs "höchst alarmierend". Sie rate dem Minister, "zügig Konsequenzen in der Führung und Struktur des Sanitätsdienstes zu ziehen". Die Bundesregierung dürfe nicht weiter zusehen, wie die Ärzte der Bundeswehr zunehmend den Rücken kehrten.

Der Parlamentarische Staatssekretär im Verteidigungsministerium, Thomas Kossendey (CDU), wies in einem Schreiben an die Vorsitzende des Verteidigungsausschusses, Ulrike Merten (SPD), auf die schlechte Bewerbersituation für den Dienst als Militärarzt hin. Für dieses Jahr zeige sich im Vergleich zum Vorjahr ein Rückgang der Bewerbungen in einer Größenordnung von 20 Prozent.

Ein fortgesetzter Rückgang des Bewerbungsinteresses würde die Gewinnung geeigneter Kandidaten hinsichtlich der Qualität und Quantität des medizinischen Personals bei der Bundeswehr gefährden, erläuterte Kossendey. Die Attraktivität zivilberuflicher Alternativen für die Ärzte bei den Streitkräften habe sich "erheblich gesteigert".

Früher ließen sich 70 bis 90 Mediziner pro Jahr zum Sanitätsdienst anwerben. In diesem Jahr fanden sich nach internen Angaben erst um die 25.

Von den ehemals zwölf Krankenhäusern der Bundeswehr sind aus vielschichtigen Gründen nur fünf übriggeblieben. In den Hospitälern gibt es nach Angaben des Vorsitzenden des Vereins "Forum Sanitätsoffiziere", Oberfeldarzt Wolfgang Petersen, immer weniger OP-Kapazitäten. Auch seien die Möglichkeiten eingeschränkt worden, Intensivpatienten aufzunehmen. Diese Lage führe zu einem großen Motivationsverlust beim Personal und bei den Ärzten. Dem Sanitätsdienst gehören insgesamt bundesweit rund 25 000 Mitarbeiter an.

Der Anspruch der Bundeswehr zur medizinischen Versorgung ihrer Soldaten in Afghanistan ist hoch. Sie sollte so gut sein wie in der Heimat. Das unterstreicht auch immer Jung. Petersen erklärte jedoch, es sei nicht fair, diesen Eindruck zu erwecken. So wurde beispielsweise nach Berichten aus Afghanistan eine Hautärztin, die natürlich nicht als Rettungsmedizinerin ausgebildet war, zur Begleitung gefährlicher Patrouillen abgestellt. Auch der Wehrbeauftragte des Bundestages, Reinhold Robbe, hat schon "große Sorge" um den Sanitätsdienst der Bundeswehr geäußert.

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