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Vor allem bei Jüngeren ist Bernie Sanders beliebt.

US-Wahl

Sanders: Außenseiter auf Überholspur

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Die Wähler von Iowa sehen bei den Demokraten Bernie Sanders gleichauf mit Hillary Clinton. Der 74-jährige Senator ist unter Geringverdienern und den jungen Wählern beliebt. Was würde passieren, wenn der selbst ernannte „demokratische Sozialist“ ins Weiße Haus einzieht?

Was wäre, wenn Hillary Clinton nicht die Nominierung als demokratische Präsidentschaftskandidatin schafft? Wenn ihr republikanischer Gegner am 8. November das Nachsehen hätte? Wenn dann einer ins Weiße Haus einzieht, der sich selbst als „demokratischer Sozialist“ bezeichnet? Bernie Sanders ist der für viele unwahrscheinlichste Kandidat für das Amt des Präsidenten der USA. Und doch hat der 1941 in Brooklyn, New York, geborene Sohn einer jüdischen polnisch-russischen Einwandererfamilie sich in eine Spitzenposition bringen können. Er hat das ohne eigenen Reichtum und noch reichere Gönner geschafft – seine Kriegskasse, die ähnlich gut gefüllt ist wie die von Clinton, besteht aus Beiträgen von durchschnittlich 30 Dollar. Rund 750 000 Unterstützer, Demokraten von der Parteibasis und parteiungebundene Aktivisten, stehen dahinter. Aber auch politisch hat Sanders die 2016er-Wahl bereits nachhaltig geprägt: Wegen seiner Erfolge bei der Masse der US-Bürger muss Clinton, die kühl kalkulierende Mitte-rechts-Vertreterin des Washingtoner Polit-Establishments, sich immer wieder argumentativ nach links orientieren.

Klarer Favorit ist Sanders bei der Mehrheit aller Amerikaner mit geringen Einkommen, vor allem den weißen. Aber ebenso beliebt ist er bei den Jungen, den Frauen und den Einwanderern. Die demografische Entwicklung der USA kommt ihm da entgegen: Die traditionelle republikanische Basis, die weiße Mittelstandsfamilie im mittleren Westen, ist heute nur noch eine Minderheit. Die eher liberale, kosmopolitische, multikulturelle Bevölkerung der Städte (darunter nicht zuletzt Alleinerziehende und da besonders die Frauen) stellt nun schon die Mehrheit der Wahlberechtigten, wie Statistiker Ende letzten Jahres in der britischen Tageszeitung „Guardian“ darlegten.

Der amerikanische „Rolling Stone“, seit den 60er Jahren sehr viel mehr als nur ein Musikmagazin, befragte Sanders in seiner Dezember-Ausgabe, wie denn ein Präsident Sanders an die Arbeit gehen würde. Am populärsten sind seine Versprechen, die Krankenversicherung für alle („Obamacare“) endgültig durchzusetzen und Schul- wie Universitätsbildung kostenlos zu machen, also die Kosten staatlicherseits zu übernehmen. Doch es gibt weitere Pläne:

Sozialpolitik: Versuche mit Mindestlöhnen haben für Sanders keine Zukunft. Stattdessen will er ein Grundeinkommen verpflichtend machen, das jedem ein anständiges Leben oberhalb der Armutsgrenze ermöglicht. Das will er unter anderem finanzieren mit geringfügigen Steuern für die Finanzwirtschaft in der Wall Street – die aber viel Geld bringen würden – und deutlichen Einschnitten für die stets tendenziell steuerflüchtigen Mega-Unternehmen und für die heute fast steuerfrei lebenden Superreichen. Um die Arbeitslosigkeit abzubauen, will Sanders 13 Millionen Jobs in der immer mehr zerfallenden öffentlichen Infrastruktur schaffen.

Finanzmärkte: Investmentbanker, die für die zahlreichen Finanzkrisen der vergangenen Jahre verantwortlich sind, müssten sich auf Gerichtsverfahren gegen sie gefasst machen. Das war mal unter Obama geplant, wurde aber nie in die Tat umgesetzt.

Umwelt: Die Klimakatastrophe sieht Sanders als die größte Herausforderung der USA. Er will die Ausbeutung der fossilen Ressourcen beenden und die dort Beschäftigten in saubere Energie-Unternehmen überführen.

Drogen: Marihuana würde von der Liste verbotener Substanzen verschwinden. Und wenn es nur wäre, so Sanders im „Rolling Stone“-Interview, damit in den USA nicht mehr Menschen im Gefängnis sitzen als in jedem anderen Land der Welt.

Waffengesetze: Der Waffenverliebtheit zu vieler seiner Mitbürger will Sanders beikommen, indem er den Lobbyisten der „National Rifle Association“ in Washington eine landesweite Allianz zwischen föderaler Regierung und Polizeien entgegensetzt. Und dann die Gesetzgebung verschärft und durchsetzt.

Außenpolitik: Zum jetzigen Zeitpunkt würde Sanders kaum etwas anders machen als Obama. Assad in Syrien zähneknirschend zu akzeptieren, wenn man so dem IS beikommt, das wäre auch seine Stoßrichtung. Im Nahen Osten allerdings zöge er reaktionären Israelis dialogbereite Palästinenser jederzeit vor.

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