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Salvini in Moskau.

Italien

Geld aus Moskau: Salvini in Bedrängnis

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Die italienische Lega steht im Verdacht, Geld aus Moskau zu erhalten.

Italiens Innenminister und Vizepremier Matteo Salvini ist in Bedrängnis: Das US-Medienportal „Buzz Feed“ hat am Mittwoch heimlich aufgenommene Tonaufnahmen eines Treffens von drei Russen und drei Italienern in Moskau veröffentlicht. Die Aufnahmen legen nahe, dass die Lega über einen windigen Öldeal mit Russland Dutzende von Millionen Dollar an illegalen Wahlkampfspenden erhalten sollte.

Offenbar sollten russische Ölfirmen an den italienischen Energieversorger Eni für 1,5 Milliarden Dollar drei Millionen Tonnen Rohöl liefern; über Rabatte und zwischengeschaltete Banken sollten dabei heimlich 65 Millionen Dollar auf die Konten der Lega abgezweigt werden.

Dementi von Salvini

Einen Beweis, dass der Deal zustande gekommen und das Geld auf die Konten der Lega geflossen ist, lieferte „Buzz Feed“ allerdings nicht. Und so kam prompt das Dementi von Salvini: „Ich habe nie einen Rubel, einen Euro, einen Dollar oder einen Liter Wodka an Finanzierung von Russland genommen“. Er betont , dass er gegen die Unterstellung, aus dem Umfeld Putins Geld entgegengenommen zu haben, klagen werde.

Das italienische Nachrichtenmagazin „L’Espresso“ hatte über das Treffen vom vergangenen 18. Oktober im Moskauer Hotel Metropol schon im Februar berichtet, Die Tonaufnahmen von „Buzz Feed“ liefern nun den bisher fehlenden Soundtrack zu der Moskau-Connection.

Schlüsselfigur ist Salvinis Vertrauter Gianluca Savoini

Schlüsselfigur ist Salvinis Vertrauter Gianluca Savoini. Der 56-Jährige war Journalist bei der Lega-Zeitung „La Padania“ und wurde nach der Wahl Salvinis zum Chef der Lega dessen Sprecher. Savoini sympathisiert laut ehemaligen Kollegen der „Padania“ mit faschistischem und neonazistischem Gedankengut. Salvini hat an dem von Savoini eingefädelten Treffen selber nicht teilgenommen, befand sich aber in diesen Tagen ebenfalls in Moskau.

Gleichwohl ist er unter Druck. Wie erst am Mittwoch bekannt wurde, hatte die Staatsanwaltschaft von Mailand schon im Februar, nach den Enthüllungen des „L’Espresso“, eine Strafuntersuchung wegen möglicher internationaler Wirtschaftsdelikte eröffnet. Und die Opposition fordert eine sofortige, lückenlose Klärung der Angelegenheit. „Entweder ist das eine Fake News – oder aber eine unfassbare Enthüllungsgeschichte“, erklärte der Senator und ehemalige Premier Matteo Renzi vom sozialdemokratischen Partito Democratico. „Russisches Öl, um die Lega zu finanzieren? Das wäre ja verrückt.“

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