+
Sahra Wagenknecht will "eine neue Balance finden".

Linken-Fraktionschefin

Sahra Wagenknecht lässt andere aufstehen

  • schließen

Linken-Fraktionschefin Sahra Wagenknecht zieht sich aus der Führung der Bewegung „Aufstehen“ zurück.

Sie findet keinen, der mitmachen will“ – als Sahra Wagenknecht im vergangenen Jahr die Gründung ihrer linken Sammlungsbewegung „Aufstehen“ Monat und Monat verschob, war ihr der Spott aus SPD, Grünen und Linkspartei sicher. Im September gründete Wagenknecht das Bündnis dann doch, um sechs Monate später festzustellen, dass sie nun selber nicht mehr mitmachen will. Zumindest nicht mehr in der ersten Reihe.

„Wir brauchen eine Neuaufstellung an der Spitze“, sagte Wagenknecht der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ und fügte hinzu: „Die Parteipolitiker sollten sich zurücknehmen, das betrifft auch mich selbst.“ Wagenknecht begründete den Schritt auch mit persönlicher Überlastung. „Dass ich jetzt zwei Monate krankheitsbedingt ausgefallen bin, hatte auch mit dem extremen Stress der letzten Jahre zu tun. Da muss ich eine neue Balance finden“, sagte die Fraktionsvorsitzende der Linkspartei im Deutschen Bundestag.

Wagenknecht hatte die Bewegung zusammen mit ihrem Ehemann Oskar Lafontaine gegründet – offiziell um linke Wähler zu erreichen, die sich von den klassischen Parteien abgewendet haben. Parteiinterne Gegner hatten immer geargwöhnt, dass sich die innerhalb der Linkspartei umstrittene Politikerin eine auf sich selbst zugeschnittene Partei basteln wolle.

Sollte das der Plan gewesen sein, muss er als gescheitert gelten. Zwar zählt das Projekt „Aufstehen“ nach eigenen Angaben rund 170 000 Unterstützer. Allerdings hatte es schon vier Wochen nach Gründung 100 000. Und: Anders als Mitglieder politischer Parteien müssen Unterstützer von „Aufstehen“ keinen Mitgliedsbeitrag bezahlen. Sie könne sich einfach im Internet anmelden. Wie belastbar eine solche „Mitgliedschaft“ ist, muss sich erst noch herausstellen.

Beim politischen Gegner löste Wagenknechts Ankündigung Häme aus. „Wagenknecht bleibt liegen. Will nicht mehr aufstehen. Die Arbeit sollen jetzt andere machen. Peinlich“, twitterte der SPD-Politiker Johannes Kahrs. Sein Parteikollege Simon Vaut, SPD-Europakandidat aus Brandenburg, sprach von einer „guten Nachricht“. Wagenknecht sei mit ihrer Bewegung zu Recht sang- und klanglos gescheitert: „Ihr nationaler Sozialismus schadet“.

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Sebastian Steineke schrieb auf Twitter: „Aufstehen ist schon wieder am Ende, der linke Traum bleibt wie zu erwarten eine bloße Utopie“. Dieser Deutung widersprach Wagenknecht am Sonntag via Facebook. „Selbstverständlich werde ich mich weiter für ,Aufstehen‘ engagieren und die Bewegung mit aller Kraft unterstützen“, versicherte sie.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare