Zypern

Säbelrasseln vor Zyperns Küste

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Im Streit um Erdgas droht eine türkische Politikerin dem Inselstaat mit einer neuen Invasion.

Zypern beginnt mit der Suche nach Erdgas vor seiner Küste. Aber die Türkei macht dem EU-Staat seine Bodenschätze streitig. In Ankara droht die nationalistische Politikerin Meral Aksener sogar mit einer neuen türkischen Invasion auf der Insel.

Die Operation „Delphin“ hat begonnen: Vor der Südküste Zyperns ist das Bohrschiff „Stena Icemax“ in Position gegangen. Zwei Kilometer unter dem Meeresgrund soll es im Auftrag des amerikanischen Energiekonzerns Exxon Mobil nach Erdgas suchen. Die „Stena Icemax“ ist nicht allein. Ungefähr 80 Seemeilen (150 Kilometer) nordwestlich kreuzt jetzt das türkische Forschungsschiff „Barbaros“, eskortiert von Schiffen der türkischen Kriegsmarine und Küstenwache. In gebotenem Abstand beobachtet die griechische Marine mit der Fregatte „Psara“ das Geschehen. Auch britische und amerikanische Einheiten sind im Seegebiet südlich von Zypern unterwegs.

Dort werden große Erdgasvorkommen vermutet. Die Republik Zypern hat schon zwischen 2003 und 2010 in Verhandlungen mit Ägypten, dem Libanon und Israel ihre Wirtschaftszone in dem Seegebiet abgesteckt und 13 Planquadrate, sogenannte Blocks, ausgewiesen, in denen sie Konzessionen für die Gassuche und Förderung vergeben will. Einige Genehmigungen sind bereits erteilt, so an die Konzerne Total, Eni, Shell, Noble Energy und Exxon Mobil. Aber die Türkei, die seit 1974 den Nordteil Zyperns militärisch besetzt hält, macht der Inselrepublik die Bodenschätze streitig. Der türkische Verteidigungsminister Hulusi Akar präsentierte jetzt mehrere Karten, aus denen hervorgeht, dass die Türkei Zypern überhaupt keine eigene Wirtschaftszone jenseits der Hoheitsgewässer von zwölf Meilen zugesteht. Demnach hätte Zypern auch nicht das Recht, mit Mittelmeer-Anrainern wie dem Libanon, Israel oder Ägypten über die Abgrenzung von Wirtschaftszonen zu verhandeln.

Zypern bekommt im Gasstreit Rückdeckung der USA. Während die „Stena Icemax“ mit ihrer Bohrung begann, reiste der für Energiefragen zuständige Staatssekretär, Francis Fannon, demonstrativ nach Nikosia. In der Türkei sieht man das ganz anders. Staatschef Recep Tayyip Erdogan spricht von den griechischen Zyprern als „Banditen der Meere“. Ankara erkennt den EU-Staat Zypern völkerrechtlich nicht an. Die türkische Oppositionspolitikerin Meral Aksener und Vorsitzende der rechts-nationalistischen IYI-Partei droht dem EU-Staat Zypern sogar mit einer neuen Invasion.

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