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"Wisst Ihr, wie schlimm die dahinten sind?", hetzt Donald Trump und meint die Pressevertreter.

Donald Trump

Die Saat des Hasses

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Mit seiner hetzerischen Rhetorik hat US-Präsident Donald Trump längst den Boden der zivilisierten Gesellschaft verlassen. Der Kommentar.

Die Szene gehört zum Standardrepertoire jeder Trump-Kundgebung. „Wisst Ihr, wie schlimm die dahinten sind?“, fragt der Präsident der USA die aufgepeitschten Zuhörer und zeigt auf Kameraleute und Reporter im abgesperrten Pressebereich. „Total korrupt“, stößt er angewidert aus: „Fake News!“ Die Menge buht lautstark, zeigt den Journalisten den gesenkten Daumen oder den ausgestreckten Mittelfinger und skandiert: „CNN sucks!“ („CNN ist zum Kotzen“), während Trump zufrieden lächelt.

Angesichts der aggressiven Stimmung bei diesen Veranstaltungen schien es nur eine Frage der Zeit, wann sich die aufgepeitschte Feindseligkeit auf andere, gewalttätige Art entladen würde. Noch liegen die Hintergründe der vereitelten Briefbomben-Attentate auf Demokraten-Politiker und den Sender CNN im Dunkeln. Es ist nicht klar, ob der Täter ein verwirrter Einzelgänger oder ein fanatisierter Trump-Fan ist. Offensichtlich aber ist, dass er sich Ziele ausgesucht hat, die der Präsident als „Feinde des Volkes“, „Verbrecher“ und „Mob“ diffamiert und gebrandmarkt hat. Unbestreitbar ist auch, dass Trump Gewalt vielfach verharmlost und den körperlichen Angriff eines Abgeordneten auf einen Journalisten sogar gelobt hat.

Trump hat die Spaltung der Gesellschaft in den USA nicht begründet. Aber er hat die Kluft vergrößert und mit Hass aufgefüllt. Das ist der Boden, auf dem menschenverachtende Anschläge auf politische Gegner gedeihen. Natürlich verurteilt der Präsident nun voller Abscheu die kriminelle Tat. Doch sein Aufruf zur Mäßigung klingt bestenfalls hohl. Mit seiner hetzerischen Rhetorik, seinen maßlosen Twitter-Tiraden und seinen persönlichen Verunglimpfungen hat Donald Trump längst den Boden einer zivilisierten Gesellschaft verlassen. Die Pose des Versöhners steht ihm nicht: Er ist der Totengräber der freiheitlichen, toleranten Grundwerte der USA.

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