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Nach 30 Jahren: Rechtsextremist für Anschlag in Saarlouis festgenommen

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Von: Lukas Zigo

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Eine Gedenktafel für Samuel Kofi Yeboah in der Saarlouiser Straße, Höhe Hausnummer 53, in Saarlouis.
Eine Gedenktafel für Samuel Kofi Yeboah in der Saarlouiser Straße, Höhe Hausnummer 53, in Saarlouis. © Becker Bredel/Imago Images

Bei einem Brandanschlag auf eine Asylbewerberunterkunft im Saarland vor 30 Jahren stirbt ein Mensch. Ein Rechtsextremist steht unter dringendem Tatverdacht.

Karlsruhe/Saarlouis – Vor rund 30 Jahren, am 19. September 1991, wurde ein Brandanschlag auf eine Asylbewerberunterkunft mit einem Toten und Verletzten in Saarlouis verübt. Der 27-jährige Ghanaer Samuel Yeboah starb. Nun konnte ein Rechtsextremist festgenommen werden. Er werde im Laufe des Tages dem Ermittlungsrichter beim Bundesgerichtshof vorgeführt. Der Richter wird ihm den Haftbefehl eröffnen und über den Vollzug der Untersuchungshaft entscheiden, teilte die Bundesanwaltschaft mit.

Vor dem Brandanschlag soll sich der mutmaßliche Attentäter in einer Gaststätte mit anderen Rechtsextremisten über die damaligen rassistisch motivierten Anschläge auf Asylbewerberunterkünfte im sächsischen Hoyerswerda ausgetauscht haben. Die Runde soll dabei deutlich gemacht haben, solche Anschläge auch in Saarlouis gutzuheißen. Nach der Schließung der Gaststätte soll der Mann zu dem Wohnheim gegangen sein und es angezündet haben. In Hoyerswerda war es im September 1991 über mehrere Tage zu rassistisch motivierten Übergriffen gekommen. Diese waren der Beginn einer ganzen Serie von rechtsextremen Gewalttaten in Deutschland.

Anschlag in Saarlouis: Polizei behandelte Asylbewerber – „Als wenn wir unser eigenes Haus angezündet hätten“

Es bestehe der dringende Tatverdacht des Mordes, des versuchten Mordes zum Nachteil von 20 Menschen sowie der Brandstiftung mit Todesfolge gegen den Mann. Der heute 50-Jährige hat nach Überzeugung der Karlsruher Behörde im September 1991 aus seiner rechtsextremistischen und rassistischen Gesinnung heraus den Brand in der Stadt im Saarland gelegt. Zwei weitere Hausbewohner konnten sich nur durch Sprünge aus dem Fenster retten und verletzten sich schwer. Den übrigen 18 Bewohnern gelang es, sich unversehrt in Sicherheit zu bringen.

Einer der Überlebenden schilderte in einem Podcast von NSU-Watch die Tatnacht und die Zeit danach. Die Polizei hätte ihn und die 17 anderen Überlebenden behandelt, „als wenn wir unser eigenes Haus angezündet hätten“, berichtete der Mann, dessen Name nicht genannt wurde.

Rechtsextremer Anschlag in Saarlouis: Eine „andauernde Belastung für Überlebende“

Der getötete Ghanaer Samuel Yeboah habe in der Unterkunft als Hausmeister gearbeitet, sagte ein Überlebender. Er sei „für uns immer da“ gewesen, freundlich und hilfsbereit. „Ich höre noch immer die Schreie von Samuel Yeboah: ‚Help me“‘, erinnert er sich.

Der Verband der Beratungsstellen für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt (VBRG) ist der Auffassung, es sei eine „andauernde Belastung für Überlebende“, wenn die Täterinnen und Täter ohne Strafen davonkommen. „Die Überlebenden müssen damit rechnen, den Tätern und ihren Helfern jederzeit auf der Straße zu begegnen und erneut angegriffen zu werden“, sagte VBRG-Vorstandsmitglied Judith Porath. (lz mit dpa/AFP)

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