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„Knappes Rennen“ bei Landtagswahl im Saarland: Wird SPD stärkste Kraft?

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Von: Alina Schröder

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Treten zur Landtagswahl im Saarland an: Amtsinhaber Tobias Hans (CDU) und SPD-Kandidatin Anke Rehlinger.
Treten zur Landtagswahl im Saarland an: Amtsinhaber Tobias Hans (CDU) und SPD-Kandidatin Anke Rehlinger. (Archivbild) © Oliver Dietze/dpa

Im Saarland deutet sich ein Machtwechsel im Landtag an: Die SPD könnte die CDU bei den Wahlen am 27. März ablösen. Das zeigen aktuelle Prognosen.

Saarbrücken – Am 27. März wird im Saarland ein neuer Landtag gewählt. Knapp 800.000 Menschen sind wahlberechtigt. Es ist die erste Landtagswahl nach der Bundestagswahl im September 2021. Seit 1999 stellt die Union dort den Ministerpräsidenten und führt seit 2012 die Regierung der Großen Koalition, doch nun bahnt sich auch dort ein Machtwechsel zur SPD* an. Ein Experte hält dies für sehr wahrscheinlich.

„Es gibt eine reale Chance für einen Wechsel“, sagte Uwe Jun, Politikwissenschaftler aus Trier, laut einem Bericht der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Das gebe der Wahl eine gewisse „Spannung“. Die Kandidatinnen und Kandidaten für die Wahl stehen bereits seit einigen Wochen fest.

Umfragen zur Landtagswahl im Saarland: Machtwechsel von CDU zu SPD bahnt sich an

Die SPD wird zur saarländischen Landtagswahl mit ihrer Spitzenkandidatin Anke Rehlinger (45) antreten, die zurzeit Wirtschaftsministerin und Vize-Regierungschefin ist. Die CDU stellt den amtierenden Regierungschef Tobias Hans (44). Nach der aktuellen Umfrage „Saarlandtrend“ liegen die Sozialdemokraten mit 38 Prozent der Stimmen vor der Union, die auf 29 Prozent kommt. „Es wird, so scheint es, ein knappes Rennen werden“, sagte Jun. Der „Amtsinhaber-Bonus“ von Ministerpräsident Hans dürfe schließlich nicht unterschätzt werden. In der Regel wird der Amtsinhaber wiedergewählt, solange die Wählerinnen und Wähler der Meinung seien, er mache eine gute Arbeit. „Nur wenn es Skepsis, Bedenken gegenüber dem Amtsinhaber gibt, dann ist man zu einem Wechsel bereit“, erklärte der Politikwissenschaftler.

Tobias Hans ist seit 2018 als Nachfolger von Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) Saarlands Ministerpräsident und kämpft nun erstmals als Spitzenkandidat um sein Amt. Trotz schlechter CDU-Ergebnisse bei der Bundestagswahl und mäßiger Umfragewerte, zeigt er sich optimistisch. Diese Umfragen seien schließlich nur „Momentaufnahmen“, die Situation werde sich „neu sortieren“, sagte er. Doch die SPD ist stärker geworden: Bei der Bundestagswahl wurde sie auch im Saarland erstmals seit 16 Jahren wieder stärkste Kraft.

Saarland: Diese Koalitionen könnten die Landesregierung bilden

Nachdem Friedrich Merz* neuer CDU-Chef geworden ist, stellt sich laut Jun nun die Frage: Schafft er es, der Union wieder neuen Auftrieb zu geben, sodass sie bei der saarländischen Landtagswahl triumphiert oder geht der Posten vielleicht doch an SPD-Kandidatin Rehlinger? Diese tritt bereits zum zweiten Mal in dem kleinsten Flächenland Deutschlands an. 2017 verlor sie gegen Kramp-Karrenbauer. Diesmal geht sie allerdings von einem knappen Rennen aus. „Wir freuen uns, wenn die Umfragen weiterhin gut bleiben“, sagte die SPD-Politikerin. „Die entscheidendste aller Umfragen allerdings wird am 27. März sein, wenn die Wähler das Wort haben.“ In einem TV-Duell standen sich CDU-Politiker Tobias Hans und SPD-Kandidatin Anke Rehlinger erst gegenüber und stritten sich über die Corona-Impfpflicht.

SPD-Spitzenkandidatin Anke Rehlinger möchte Ministerpräsidentin vom Saarland werden.
SPD-Spitzenkandidatin Anke Rehlinger möchte Ministerpräsidentin vom Saarland werden. © Oliver Dietze/dpa

Hinsichtlich einer neuen Regierung strebt Hans eine Fortsetzung der CDU-geführten Großen Koalition im Saarland an. Rehlinger hält sich mit Aussagen über künftige Bündnisse hingegen bedeckt. In einem ist sie sich allerdings sicher: „Ich will Ministerpräsidentin werden“, sagte die SPD-Spitzenkandidatin. Nach den jüngsten Umfragen sind derzeit drei verschiedene Koalitionen möglich: Eine Große Koalition aus Union und Sozialdemokraten unter SPD-Führung, eine Ampel-Koalition aus SPD, FDP* und Grüne* sowie Rot-Rot-Grün.

Landtagswahl im Saarland: Große Koalition „keine unwahrscheinliche Lösung“

Experte Jun hält eine Große Koalition für „keine unwahrscheinliche Lösung“. CDU und SPD würden im Saarland inhaltlich „nicht so weit auseinanderliegen“. Auch habe es in der gemeinsamen Regierungszeit keine „fundamentalen Krisen oder Auseinandersetzungen“ gegeben. Aber auch eine Ampel sei denkbar, falls die Grünen und die FDP den Wiedereinzug in den saarländischen Landtag schaffen. Beide Parteien sind derzeit nicht Landesparlament vertreten, haben aber laut „Saarlandtrend“ gute Chancen, wieder einzuziehen.

Für die Linke* könnte es mit den prognostizierten fünf Prozent allerdings knapp werden. Die AfD* aber wird wohl aktueller Prognosen zufolge trotz massiver innerparteilicher Konflikte wieder im Landtag vertreten sein.

Wer tatsächlich in den saarländischen Landtag zieht, wird sich schlussendlich am 27. März zeigen. Seit Anfang vergangener Woche können Wählerinnen und Wähler ihre Stimme bereits per Briefwahl abgeben - und das könnte aufgrund der Corona-Pandemie* wieder ein hoher Anteil sein. (as/dpa) *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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