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„Ein schwerer Verlust für die Marine“: Wladimir Putin (li.) und Verteidigungsminister Sergej Schoigu.

Russland

Russlands tödliche Geheimwaffe

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Nach dem Brand auf einem Tiefsee-U-Boot sind die Umstände der Katastrophe noch unbekannt.

Die russische Regierung betonte die Heldenhaftigkeit der gestorbenen U-Boot-Fahrer. „Aus der Kammer, die Feuer gefangen hatte, evakuierten sie zuerst einen zivilen Industrievertreter. Sie schlossen hinter ihm die Luke, um zu verhindern, dass das Feuer sich ausbreitete, selbst aber kämpften sie bis zuletzt um ihr Schiff“, sagte Russlands Verteidigungsminister Sergej Schoigu am Mittwoch in dem nordrussischen Hafen Seweromorsk.

Dort befindet sich nach Angaben seines Ministeriums das russische U-Boot, das am Montag in der Barentssee in Brand geraten war. Dabei erstickten 14 Seeleute, darunter zehn Kapitäne und zwei als Helden gefeierte Soldaten.

Laut Schoigu konnte die übrige Mannschaft gerettet werden. Nach Angaben der Internetzeitung „gazeta.ru“ allerdings brachte diese das U-Boot selbst zum Auftauchen. Das Murmansker Informationsportal zitiert Fischer, die am Montagabend an der Küste der Barentssee beobachteten, wie ein U-Boot auftauchte und dann in Begleitung eines Kriegsschiffes und mehrerer Schlepper verschwand. „Wir dachten, es habe keinen Unfall gegeben, weil das Boot schnell und aus eigener Kraft schwamm.“ Wer wen gerettet hat, ist nicht die einzige unbeantwortete Frage angesichts der jüngsten U-Boot-Katastrophe der russischen Kriegsmarine.

Laut Verteidigungsministerium handelt es sich bei dem Unglücksschiff um einen Tauchapparat, der mit Tiefenmessungen beschäftigt war. Im Dienst der russischen Marine stehen verschiedene solcher Geräte, aber die meisten haben weniger als 14 Mann Besatzung.

Deshalb gehen fast alle russischen Medien davon aus, dass es sich um das Tiefsee-U-Boot AS 31 handelt, dass die U-Boot-Fahrer „Loscharik“ nennen und die Nato „X-Ray“. Seine Mannschaft soll aus 20 bis 25 Seeleuten bestehen, sein Kapitän Denis Dolonski wurde schon gestern im Sozialnetz Vkontakte von Petersburgern Freunden betrauert: „Ein wirklicher Mann, ein liebender Ehegatte und Vater (…) mit ihm starben 14 Menschen in der Barentssee. Der Telegram-Kanal Woenny Oswedomitel veröffentliche auch Fotos und Namen der übrigen Todesopfer.

Dolonski kommandierte einen geheimnisumwitterten, etwa 70 Meter langer Tauchapparat, dessen Kammern aus druckfesten Stahlkugeln bestehen, so dass er angeblich auch in Tiefen von 3000 bis 6000 Meter operieren kann. Dem Radio-Sender „Echo Moskwy“ zufolge soll „Loscharik“ bei einem militärischen Konflikt unbemerkt vom Feind Sprengsätze am Meeresgrund deponieren oder auch Unterwasser-Kabel kappen, die den Internetverkehr der USA mit anderen Kontinenten sicherstellen. Es gibt nur ein öffentliches Foto des U-Boots, das zufällig auf die Seiten des Autojournals „Top Gear“ geriet.

Präsident Wladimir Putin sprach dagegen bei einem kurzen TV-Auftritt mit Schoigu von einem „Forschungsschiff“. Er und sein Verteidigungsminister waren sich dennoch einig. „Das ist ein großer Verlust für die Flotte. Und überhaupt für die Armee.“ Putins Pressesprecher Dmitri Peskow wollte am Mittwoch nicht auf die Frage antworten, welches U-Boot in Brand geraten sei. „Das gehört zur Kategorie absolut geheimer Angaben.“

Die norwegische Strahlenschutzbehörde teilte der Agentur Reuters mit, russische Beamte hätten von einer Gasexplosion an Bord geredet. Das russische Verteidigungsministerium dementierte später, den Norwegern irgendwelche Informationen gegeben zu haben.

Es herrscht noch immer Unklarheit darüber, wie viele Menschen bei dem Brand verletzt wurden und wie viele sich insgesamt an Bord befanden. „Es gibt keine eindeutigen Informationen, was passiert ist“, sagte der Moskauer Militärexperte Alexander Golz der FR. „Und der Unfall wurde einen Tag lang verschwiegen. Das ist ganz in der Tradition sowjetischer und postsowjetischer Totschweigerei.“ Allerdings sei mit der „Loscharik“ eine hochgeheime Waffe betroffen, in solchen Fällen gäben auch die USA nur minimale Informationen heraus.

Dort sind ähnliche Fälle allerdings seltener. Seit dem Ende der Sowjetunion kamen auf Nato-U-Booten 14 Mann ums Leben, im gleichen Zeitraum wurden bei Unfällen auf U-Booten der russischen Kriegsmarine mehr als 160 Todesopfer gezählt. Das schlimmste Unglück ereignete sich im August 2000, als der atomare Unterwasserkreuzer Kursk nach einer Torpedoexplosion sank, alle 118 Besatzungsmitglieder kamen ums Leben. Der Petersburger Verein der U-Boot-Fahrer schlug am Mittwoch vor, die 14 Toten der „Loscharik“ neben deren Gräbern beizusetzen.

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