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Russlands Staats-TV nennt Cherson historische Niederlage - aber nicht für Putin

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Von: Moritz Serif

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Russland zieht sich aus Cherson zurück. In einer TV-Show heißt es, dass sich der Kreml im Krieg mit der Nato befinde.

Moskau – Kreml-Propagandist Wladimir Solowjow verwies während einer Diskussion über Moskaus Rückzug aus dem ukrainischen Cherson auf historische russische Militärniederlagen. Der Gastgeber der Sendung „Abend mit Wladimir Solowjow“ auf Russia 1 schlug einen düsteren Ton an. Er habe über die US-Midterms sprechen wollen, bevor sich nach Russlands Rückzug aus der südukrainischen Stadt die Ereignisse überschlagen hatten. Darüber hatte Newsweek berichtet.

Dann zeigte er einen Clip, in dem der russische Verteidigungsminister Sergej Schoigu den Rückzug der russischen Streitkräfte vom Westufer des Dnjepr ankündigte. Schoigu sagte, die Entscheidung sei auf Empfehlung des Befehlshabers der russischen Streitkräfte, General Sergej Surowikin, getroffen worden, weil sie „das Leben unserer Militärangehörigen und die Kampffähigkeit unserer Streitkräfte retten“ würde.

Russlands Kriegsniederlagen: „Das ist eine sehr schwierige Entscheidung“

„Dies ist eine sehr schwierige Entscheidung“, die nur von einem „sehr mutigen Mann“ getroffen werden könne, sagte Solowjow in dem von der US-Analystin Julia Davis getwitterten Clip. Zudem nahm er die Rolle des Westens in diesem Krieg aufs Korn und verwies auf frühere Konflikte, an denen Russland beteiligt war.

„Wir haben den Russisch-Japanischen Krieg verloren“, sagte er und spielte auf die Niederlage des kaiserlichen Russlands im Jahr 1905 an. „Wir haben den Ersten Weltkrieg verloren. Es stellte sich heraus, dass unsere Gesellschaftsstruktur eine Revolution keineswegs verhindern konnte. Es gab einen langen Krieg zwischen 1914 und 1918, den wir verloren haben“, so Solowjow.

Ein zerstörtes russisches Kettenfahrzeug in Mala Schestirnja
 in der Region Cherson. (Archivfoto)
Ein zerstörtes russisches Kettenfahrzeug in Mala Schestirnja in der Region Cherson. (Archivfoto) © Vincenzo Circosta/Imago

„Wir befinden uns in einem Krieg mit der Nato“

„Wir befinden uns im Krieg mit der Nato“, sagte er. „Offensichtlich haben wir nicht damit gerechnet, dass die Nato uns in diesem Ausmaß bekämpft. Es sei wichtig, „sich nicht von Emotionen leiten zu lassen“ und „die Entscheidung des Militärs zu respektieren“, da sie „schmerzhaft und beängstigend“ sei.

„Aber der Krieg hat seine eigenen Gesetze. Wir sind mit 50 Prozent der Weltwirtschaft konfrontiert, die Waffen produzieren“, sagte er. Er verteidigte jedoch die Weisheit von Russlands Entscheidung und kritisierte weder Wladimir Putin direkt noch seinen Befehlshaber: „Der Sieg im Krieg wird errungen, wenn eine Armee vernichtet wird. Es ist von entscheidender Bedeutung, dass wir nicht zulassen, dass unsere Armee vernichtet wird“. (mse)

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