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Russlands Freund in Afrika

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Von: Johannes Dieterich

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Ein Bild von Isaias Afweri auf einem Auto in der äthiopischen Region Tigray.
Ein Bild von Isaias Afweri auf einem Auto in der äthiopischen Region Tigray. © AFP

Eritreas Diktator steht auf Putins Seite. Das Land hat sich als einziges bei der UN-Vollversammlung hinter Russland gestellt.

Dass sich Eritrea als einziger afrikanischer Staat in der Vollversammlung der Vereinten Nationen hinter Russland gestellt hat, ist gleich in zweierlei Hinsicht überraschend. Dass es nur der Kleinstaat am Horn von Afrika war – und dass ausgerechnet er die russische Invasion in die Ukraine guthieß.

Eigentlich hätte man von Eritrea Sympathie mit der Ukraine erwartet: Beide Staaten hatten sich Anfang der 1990er Jahre von ihrem übermächtigen Nachbarn separiert. Die Eritreer haben ihre Unabhängigkeit von Äthiopien erkämpft, das damals von der Sowjetunion unterstützt wurde. Ein anti-russisches Ressentiment blieb davon offenbar nicht zurück: Jedenfalls ist es nicht größer als die Antipathie gegen die USA, von denen sich Eritreas Diktator Isaias Afwerki schon lange ungerecht behandelt fühlt.

Eritrea unterstützt Putin: Das Land wird „Nordkorea Afrikas“ genannt

Washington wird dafür verantwortlich gemacht, dass Eritrea international isoliert und mit Sanktionen belegt ist. Die USA setzten auf Äthiopien als Partner am Horn von Afrika, mit dem Eritrea um die Jahrtausendwende in einen sinnlosen Krieg verwickelt war. Afwerki zog sich danach von aller Welt zurück: In Eritrea gab es noch keine einzige Wahl, das Land ist von Entwicklungshilfe abgeschnitten, dafür herrscht dort eine lebenslängliche Wehrpflicht.

Der sechs Millionen Einwohner:innen zählende Staat wird „Afrikas Nordkorea“ genannt – nur dass er keinen mächtigen chinesischen Freund hat. Als Äthiopiens Premier Abiy Ahmed vor knapp drei Jahren überraschend Frieden mit dem Nachbarn schloss, ruinierte Afwerki seine Chance auf einen Image-Gewinn gleich wieder, in dem er Truppen in die umkämpfte äthiopische Tigray-Provinz sandte, die dort ein Kriegsverbrechen nach dem anderen begangen. Insofern ist Afwerkis Schulterschluss mit Putin wenig verwunderlich: die internationale Solidarität der Kriegsverbrecher.

Moskau umwirbt den Staat schon seit geraumer Zeit. Mit seiner strategischen Lage an der wichtigen Schiffsroute durchs Rote Meer kommt Eritrea eine außergewöhnliche strategische Bedeutung zu: Während sich mehr als ein Dutzend so unterschiedlicher Staaten wie China, die USA und Frankreich mit militärischen Stützpunkten im benachbarten Kleinststaat Dschibuti drängeln, liegen in Eritrea gleich zwei Häfen praktisch brach. Dort will Russland jetzt ein „logistisches Zentrum“ errichten: Eine entsprechende Vereinbarung wurde zwischen Moskau und Asmara bereits unterzeichnet. Sie ist Teil der neuerlichen russischen Zuwendung zu dem marginalisierten Erdteil.

Russland kommt vor allem bei Militärregimen in Afrika gut an

Mit mehr als 20 militärischen Kooperationsabkommen, der Kontrolle von fast 40 Prozent der afrikanischen Waffenimporte, den Machenschaften der „Wagner“-Söldnertruppe und dem Verkauf von Dutzenden Atomkraftwerken sucht Moskau auf dem Kontinent erstmals seit dem Kalten Krieg wieder Fuß zu fassen – weniger, um sich wie China Bodenschätze, eher um sich politischen und militärischen Einfluss zu sichern.

Kaum überraschend kommt Moskau vor allem in Staaten an, um die der Westen einen Bogen macht: Militärregime wie im Sudan, in Mali oder Guinea; sowie Staatsruinen wie die Zentralafrikanische Republik. Fast die Hälfte aller afrikanischen Staaten wollten sich der Verurteilung des Putin-Kriegs durch die UN nicht anschließen. Die Repräsentant:innen von 17 Nationen enthielten sich der Stimme, acht tauchten zur Abstimmung erst gar nicht auf.

Das kann man als Erfolg der russischen Bemühungen um den Kontinent deuten. Wohingegen im Westen eher darauf verwiesen wird, dass Moskau nur die Stimme eines einzigen afrikanischen Diktators erhielt.

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