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Russlands Exilanten vereinen sich im Kampf gegen „Parasiten“ Putin

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Von: Christian Einfeldt

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Ob in Tiflis oder London – russische Exilanten und Putin-Gegner suchen Zuflucht und Schutz. Im Exil vereinen sie sich im Kampf gegen das russische Regime.

Frankfurt – Den Geflüchteten umgibt eine Ohnmacht. Sie werden vor eine ungewissen Zukunft gestellt. Seitdem im Februar 2022 der Ukraine-Krieg begonnen hat, vertreibt Russlands Invasion noch immer Tausende von Menschen aus ihrer Heimat. Zuletzt wurde ein weiterer Tiefpunkt erreicht, als Wladimir Putin Russland zur Massenmobilisierung aufgerufen hatte. In ihrer einstigen Heimat gebe es weder Freiheit noch Opposition – nur eine „Propagandamaschine“ und eine Regierung, bestehend aus „Parasiten“.

Tiflis ist einer der Orte, in denen russische Exilanten Zuflucht suchen. Viele Russen suchen dort Unterschlupf – manche gar eine neue Heimat. Einer von ihnen: Ilya Denisov, der im Gespräch mit dem Online-Portal Daily Beast deutliche Worte findet. Seine Berichte sprechen Bände. Demnach werden russische Exilanten „von Tag zu Tag mehr gehasst“. Differenzierungen würden nicht mehr stattfinden und so würden mitunter gar „alle Russen schuldig“ für die Gewalttaten des russischen Regimes gemacht werden.

Zuflucht im Exil: Russen protestieren gegen die Gewalttaten des russischen Regimes

Es sei schwer „zwischen guten Russen und schlechten Russen zu unterscheiden“. Weiter heißt es: „Sie haben das Recht, das zu sagen“ – ein Umstand, der einmal mehr das Ohnmachtsgefühl aktueller Zeiten auf den Punkt bringt. Denisov gehört zu denjenigen, deren Stimme gegen den russischen Staat längst noch nicht verstummt ist. Proteste im Exil sind Ausdruck dessen. Gleichermaßen möchte er mit seiner Band „Megatonna“ auf die Gräueltaten des russischen Regimes aufmerksam machen.

Proteste in Köln.
Proteste im Exil: Russische Exilanten leisten Widerstand gegen das russische Regime. (Symbolbild) © NurPhoto/Imago

Russische Exilanten vor einer ungewissen Zukunft: „Will nicht töten“

Ob Lehrer, die fürchten aufgrund ihrer Haltung inhaftiert zu werden oder Anfang 20-Jährige, die berichten, wie ihre Freunde gerade im Krieg um ihr Leben kämpfen – für viele Russen ist die Zukunft ungewiss. Doch, wem es möglich ist, der flieht aus Russland. Freunde und Verwandtschaft sind mitunter obdachlos, manche noch immer auf der Flucht, manche tot. Wie etwa die taz berichtet, ist die Flucht nach Polen, Lettland, Estland, Finnland, England oder Georgien keines Falles der Wunsch, eine neue Heimat zu finden. Sie wollen den Krieg und die Mobilisierung überleben – nicht mehr und nicht weniger.

Ein eben solcher Zufluchtsort spiegelt auch Kasachstan wider. An der Grenze des Landes zu Russland warten Hunderte von Autos. Trotz eines Anstieges der Preise von umgerechnet 1800 Euro auf rund 5400 Euro: Flugtickets waren nach Berichten von dw.com nach der Anordnung der Mobilisierung unmittelbar ausverkauft. Für manche ist es bloß ein Zwischenstopp, der sie weiter Richtung Europa führen soll. Die meisten von ihnen hoffen hier jedoch einfach nur auf Schutz. „Meine Bekannten haben bereits eine Einberufung erhalten, ich noch nicht. Ich will nicht kämpfen, ich will nicht töten und ich will auch nicht getötet werden“, sagt einer der aus Russland Geflüchteten.

Zeichen gegen Putin im Exil: „Wir können nicht so tun, als wäre nichts“

Ilya Denisov will ein Zeichen setzen. Dafür, „dass nicht alle Russen verrückt oder für den Krieg sind“. „Wir sind keine Zombies, wir sind normal“, sagt er gegenüber thedailybeast.com. Dabei umgibt Menschen wie Denisov eine Hilflosigkeit. Proteste der russischen Bevölkerung würden im Gefängnis oder an der Front enden.

Das russische Regime zu stürzen bleibt das erklärte Ziel – ein nur schwer zu erreichendes. Die Ungewissheit, „verrückte Dinge“ und neue Gesetze, die täglich geschaffen werden würden, bedingt, dass die Geflüchteten nichtsdestotrotz auch im Exil nicht den Mut verlieren. „Wir können nicht schweigen, wir können nicht so tun, als wäre nichts“, sagt Denisov. Ob in Berlin, London, Paris oder vor dem Parlament in Tiflis – Exilanten aus Russland zeigen Flagge gegen Putin. (Christian Einfeldt)

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