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Russland: Sergej Naryschkin – Putins Marionette im Kreml dreht auf

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Von: Nadja Austel

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Wladimir Putin spricht zu Sergej Naryschkin. Putins Blick ist fest auf Naryschkin gerichtet, dieser lächelt leicht.
Putin zieht die Strippen: Sergej Naryschkin hängt an einer von ihnen. (Symbolbild) © dpa/Alexei Druginyn/Ria Novosti

Der Geheimdienst-Chef in Russland erntet für seine bissigen Kommentare über den Westen Häme im Netz: „Wie ein Papagei“ soll er agieren.

Moskau – Der Chef des Auslandsgeheimdienstes in Russland*, Sergej Naryschkin, sieht sein Land wegen des Kriegs in der Ukraine zu Unrecht vom Westen boykottiert. „Das ist ein Versuch, unsere Regierung zu zerstören“, zitiert der Washington Post Reporter Paul Sonne Naryschkin. Russland sei das Opfer der westlichen „Cancel Culture“, ein englischer Begriff, der seinen Ursprung in der Politik hat. Zu Deutsch lässt er sich wörtlich in etwa übersetzen mit „Annullierungskultur“. Der Anglizismus Cancel Culture ist im Deutschen jedoch gängiger.

Cancel Culture meint die Bestrebung einer Gemeinschaft, eine Person oder Organisation aus einem System auszuschließen, die gegen die Wertevorstellungen der Gemeinschaft verstößt. In diesem Fall sind das Russland und vor allem Wladimir Putin*, der mit seinem Angriffskrieg auf die Ukraine* die Werte des demokratischen Westens verletzt. Der Begriff ist durchaus negativ konnotiert und wird häufig im Vokabular von politisch eher rechter, konservativer Gruppierungen verwendet, um sich von politisch links-orientierten Gruppen abzugrenzen.

Wladimir Putin: Geheimdienst-Chef im Kreml sieht Russland zu Unrecht sanktioniert

Die Verwendung des Begriffs Cancel Culture durch Naryschkin im Ukraine-Konflikt* spiegelt daher die politische Positionierung Russlands gegenüber dem demokratischen Westen treffend wider. Er hält das Narrativ von Russland als Opfer des Westens aufrecht und dient der pro-russischen Propaganda.

Washington Post Reporter Paul Sonne zitiert Naryschkin weiter: „Die Masken sind gefallen. Der Westen versucht nicht nur, Russland hinter einem neuen eisernen Vorhang abzuriegeln. Das ist ein Versuch, unsere Regierung zu zerstören – sie zu ‚canceln‘, wie man es in ‚toleranten‘ liberal-faschistischen Kreisen nennt.“

Russland biedert sich bei den westlichen Konservativen an: „Fallen Sie nicht darauf herein“

Sonne publizierte Naryschkins Kommentare via Twitter. Das soziale Netzwerk reagierte prompt: US-Bürger:innen sahen klare Parallelen in der Wortwahl sowohl von Naryschkin als auch den politisch rechts-orientierten Republikanern* der USA*. „Erstaunlich, dass ihre Wortwahl nicht von der der amerikanischen Rechten zu unterscheiden ist“, lautet eine Reaktion. Eine andere formuliert, die russische Propaganda ahme „die amerikanische Propaganda wie ein Papagei nach“. Ein weiterer Benutzer schreibt: „Das ist ein bewusster Versuch, den Konservativen im Westen gefallen zu wollen. Sie haben das schon mal gemacht. Fallen Sie nicht darauf herein.“

Für Sergej Naryschkin ist es im Ukraine-Krieg bereits das zweite Mal, dass er zur Zielscheibe der internationalen Häme wird. Zu Beginn der Kampfhandlungen wurde der Geheimdienstchef von Wladimir Putin während einer öffentlichen Besprechung mehrfach korrigiert. Naryschkin reagierte darauf mit ängstlichem Gestotter. Putin kanzelte seinen Mitarbeiter daraufhin mit den Worten ab: „Sie können sich wieder hinsetzen.“ (na) *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDA.

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