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Russland und Putins Nachfolge: Alternative könnte noch „schlimmer“ sein

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Von: Katja Thorwarth

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Kreml-Chef Putin steht in Russland unter Druck.
Kreml-Chef Putin steht in Russland unter Druck. Doch wer könnte auf ihn folgen? © Pavel Bednyakov/dpa

Der grüne Europapolitiker Sergey Lagodinsky warnt vor einer antidemokratischen Putin-Alternative. Sein Blick richtet sich auch Richtung EU und deren Mitschuld.

Moskau - Als Ende Februar die russische Armee in die Ukraine einmarschierte, ging Kreml-Chef Wladimir Putin von einem schnellen Sieg aus. Er und sein Gefolge dachten, das Land innerhalb kurzer Zeit unter Kontrolle zu bringen; mit dem bislang erfolgreichen ukrainischen Widerstand hatten sie nicht gerechnet. Entsprechend hoch sind die Verluste für Russland, entsprechend in der Kritik steht der russische Präsident.

Kürzlich hatten bereits russische Politiker öffentlich Kritik an Putin geübt, wie etwa jene aus dem Moskauer Stadtteil Lomonossow, die ein Schreiben an den Kreml-Chef veröffentlichten: „Wir bitten Sie, sich von Ihrem Posten zu entbinden, da ihre Ansichten, ihr Führungsmodell hoffnungslos veraltet sind.“ Nun sehen viele Beobachter in einem Machtverlust Putins eine Chance, den Krieg Russlands in der Ukraine zu beenden. Nur was beziehungsweise wer könnte auf Putin folgen?

Russland: Mögliche Nachfolge von Putin - antidemokratische Alternative könnte schlimmer sein

Grünen-Politiker und Mitglied des Europaparlaments, Sergey Lagodinsky, hat in einem Interview mit dem US-Magazin Foreign Policy davor gewarnt, zu unreflektiert auf eine Putin-Nachfolge zu hoffen. Lagodinsky war 1993 mit seiner Familie aus Russland emigriert.

„Es wird wichtig - und herausfordernd - sein, eine lebensfähige demokratische Alternative zu einer viel schlechteren Alternative zu präsentieren, wenn sich die Dinge ändern werden“, sagte Lagodinsky am Montag (28. November) gegenüber dem Magazin. Man brauchte Gesichter, also „starke Führungspersönlichkeiten und Politiker, die sich als Alternative anbieten“, ergänzte der Europapolitiker.

Russland: Wer könnte auf Kreml-Chef Putin folgen?

Ein erfolgreicher Putin-Dissident, der zahlreiche Anhänger hinter sich versammeln kann, ist Alexej Nawalny. Der Oppositionspolitiker sitzt jedoch seit 2021 in russischer Haft und muss eine 13-jährige Gefängnisstrafe absitzen. Die meisten seiner Verbündeten sind entweder außer Landes geflohen oder ebenfalls inhaftiert. Lagodinsky kennt Nawalny seit mehr als zehn Jahren und erklärte, dass der politische Aktivist wegen seiner tiefen Verwurzelung nach Russland zurückgekehrt sei. Dass der Kreml sich von innen heraus demokratisieren könne, erwartet der Grüne nicht.

Lagodinsky gilt als Putin-Kritiker der ersten Stunde. Einen Monat nach Kriegsbeginn beschuldigte er EU-Politiker in einem Gastbeitrag im The Parliament Magazine, Putin wiederholt einen Freibrief ausgestellt zu haben. Die EU solle in dem Ukraine-Krieg Verantwortung übernehmen. „Wir müssen uns an die Lehren aus der Vergangenheit für unsere eigene Zukunft erinnern: Auch wenn man Seite an Seite mit Diktatoren lebt, darf man sie nicht finanzieren, rechtfertigen oder kopieren. Was wir wirklich brauchen, ist eine De-Putinisierung. Wir müssen uns selbst entputinisieren.“ (ktho) 

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