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Russische Wirtschaft schlittert planmäßig ins Verderben

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Von: Viktor Funk

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Russland verliert infolge des Ukraine-Kriegs mittelfristig seine wichtigsten Einnahmequellen.

Moskau - Die russische Wirtschaftszeitung „Kommersant“ ist für ihre bissigen, teils sarkastischen Überschriften bekannt. In der Nacht auf Donnerstag veröffentlichte sie online einen Bericht mit der Überschrift „Der Fall läuft nach Plan“, gemeint ist die negative Entwicklung in vielen Bereichen der russischen Wirtschaft. Und die Überschrift ist eine Anspielung auf die Worte des russischen Präsidenten Wladimir Putin, die dieser nur kurz vorher gesagt hatte: „Alles in der Ukraine läuft nach Plan.“

Am Mittwoch hatte die russische Statistikbehörde Rosstat Zahlen zur wirtschaftlichen Entwicklung in den vergangenen Monaten veröffentlicht. „Kommersant“ hebt daraus hervor, dass nun deutlich werde, dass seit April die Löhne in Russland im Durchschnitt sinken, was auch zu einer sinkenden Nachfrage der Verbraucher:innen führe.

Ukraine-Krieg: Russlands Löhne in der Öl- und Gasbranche fallen

Aus den Daten von Rosstat geht hervor, dass besonders in der Öl- und Gasbranche die Löhne stark sinken: nominell um mindestens 13 Prozent im April im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.* Hinzu kommt die hohe Inflation von 14 bis 17 Prozent. Die sinkenden Löhne in der Öl- und Gasbranche sind ein Hinweis auf die Krise der Branche und eine direkte Folge der westlichen Sanktionspolitik aufgrund des Ukraine-Kriegs.

Die Absage der EU an russisches Öl und Gas bringt den für Staatseinnahmen wichtigsten Wirtschaftszweig des Landes in erhebliche Probleme. Es wird weniger Öl und Gas gefördert. Dabei trugen die Einnahmen aus den Exporten dieser Ressourcen im vergangenen Jahr zu 36 Prozent zum Staatsbudget bei. Diese fehlenden Einnahmen und die zugleich steigenden Ausgaben fürs Militär verursachen erhebliche finanzielle Probleme .

Russland in der Krise: Gazrpom streicht Dividenden

Passend dazu verkündete der Gas-Riese Gazprom am Donnerstag, dass seine Aktionäre keine Dividenden für das vergangene Jahre erhalten würden. Priorität für Gazprom habe vielmehr, das Investitionsprogramm umzusetzen, etwa die Erschließung russischer Regionen für die Gasversorgung und die Vorbereitungen für den Winter, kündigte der Vizechef des Verwaltungsrates, Famil Sadyrow, auf der Hauptversammlung in St. Petersburg an. „Und offensichtlich müssen wir bereit sein für höhere Steuern.“

Der Kurs der Gazprom-Aktie stürzte nach der Ankündigung ab. Er fiel bis Mittag um 27 Prozent an der Börse in Moskau.

Ölplattform in Murmansk. Moskau fehlen Technologien zur Erschließung neuer Felder.
Ölplattform in Murmansk. Moskau fehlen Technologien zur Erschließung neuer Felder. © IMAGO/ITAR-TASS

Rohstoffe: Russlands kaspische Freundschaften sind Einnahmequellen im Ukraine-Krieg

Obwohl der Export von Energieressourcen auch weiterhin eine wichtige Einnahmequelle für Moskau sein wird, zeichnet sich ab, dass der Kreml die Rohstoffe nicht zu so hohen Preisen wie an den Westen wird verkaufen können.

Im turkmenischen Aschgabat verkündete Putin am Mittwoch, dass die Zusammenarbeit mit den Anrainerstaaten des Kaspischen Meeres ausgebaut werden solle. Bereits jetzt arbeiteten die Staaten bei der Nutzung von Gas- und Ölfeldern eng zusammen, sagte Putin. Zu der Runde der sogenannten Kaspischen Fünf zählen neben Russland und Turkmenistan auch Kasachstan, Aserbaidschan und der Iran.

Klar ist aber, dass diese Kooperationen ihren Preis haben werden: Weder verfügen diese Staaten über die modernsten technischen Mittel zur Förderung der Rohstoffe noch können die Verbraucher:innen in diesen Ländern Preise für die Energieträger zahlen wie die Menschen im Westen. Wie schwierig das Thema Preise in den Ländern mit einem eher niedrigen Durchschnittseinkommen ist, erfuhr Kasachstan im Winter dieses Jahres. Eine Erhöhung der Gaspreise an den Tankstellen löste erhebliche soziale Unruhen aus, die am Ende brutal unterdrückt wurden. Mindestens 227 Menschen starben dabei, darunter auch mehr als 20 Polizist:innen. (Viktor Funk mit dpa)

*Hinweis: Eine frühere Fassung enthielt eine falsche Prozentangabe zu sinkenden Löhnen in der Öl- und Gasbranche (um 73 Prozent), das ist nun korrigiert.

Russland bleibt hart - die Ukraine soll sich ergeben.

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