1. Startseite
  2. Politik

Russlands blutiger Winter: „Die kommenden Monate werden sehr hart“

Erstellt:

Von: Nail Akkoyun

Kommentare

In der Ukraine setzt sich der Negativtrend für Moskau fort: Die Verluste Russlands steigen weiter – die Hoffnung auf eine Wende sinkt.

Moskau/Kiew – In der Ukraine hat die russische Armee weiterhin mit herben Verlusten zu kämpfen. Angaben aus Kiew zufolge konnte man den russischen Truppen trotz der schwierigen Witterungsbedingungen hohen Schaden zufügen. Diese Angaben decken sich mit einer Analyse des Nachrichtenportals Newsweek.

Noch im November will die ukrainische Armee 17.060 russische Soldaten getötet haben, im Dezember weitere 17.080 – im Durchschnitt wären das etwa 560 Tote pro Tag. Unabhängig lassen sich die Informationen der Ukraine nicht immer überprüfen, doch vieles spricht dafür, dass die Todesopfer auf russischer Seite zunehmen.

Ein russischer Soldat öffnet einen Brief an der Front Saporischschja. (Archivfoto)
Ein russischer Soldat öffnet einen Brief an der Front Saporischschja. (Archivfoto) © Konstantin Mihalchevskiy/Imago

Ukraine-Krieg: „Weit über“ 100.000 getötete oder verwundete russische Soldaten

„Natürlich gibt es immer ein Element der Informationskriegsführung in dem Sinne, dass jede Seite versuchen wird, ihre Zahlen zu minimieren und die Opferzahlen der anderen Seite in der Öffentlichkeit zu maximieren“, sagte Mark Voyger, ehemaliger US-Militärberater im Gespräch mit Newsweek. Doch er glaube nicht, „dass die Ukrainer absichtlich versuchen, jemanden über die Zahl der russischen Opfer zu täuschen.“

Die Zahlen der Ukraine stimmen weitgehend mit den Schätzungen der USA überein. Der Vorsitzende der Generalstabschefs, General Mark Milley, sagte im November, dass „weit über“ 100.000 russische Soldaten in der Ukraine getötet oder verwundet worden seien. Wenig überraschend ergeben die Zahlen für Voyger daher auch Sinn: „Auch wenn wir nicht in der Lage sind, die täglichen Zahlen, die die Ukrainer veröffentlichen, unabhängig zu überprüfen, so bilden sie doch einen Trend. Und ich denke, der Trend selbst ist vertrauenswürdig.“

Die ukrainischen Zahlen beruhen auf täglichen Berichten der Kampfeinheiten und sind anfällig für Ausreißer – sowohl nach oben als auch nach unten. Kiews Angaben, dass seit dem 24. Februar 2022 – dem Beginn des Ukraine-Kriegs – fast 110.000 russische Soldaten getötet worden seien, stimmen jedoch mit den Aussagen von General Milley überein.

Verluste im Ukraine-Krieg: Sowohl Russland als auch die Ukraine halten sich bedeckt

Russland veröffentlicht nur selten Angaben über die eigenen Opferzahlen und bestätigte bislang den Tod von weniger als 10.000 Soldaten. Ohnehin scheint der Kreml die getöteten Kämpfer in den selbsternannten „Volksrepubliken“ Donezk und Luhansk nicht in die Zahlen miteinzubeziehen – ebenso wenig wie die Söldner der russischen Schattenarmee Wagner. Doch auch die Ukraine macht wenig Angaben zu ihren militärischen Opfern. Rund 13.000 Tote wurden bisher von Kiew eingestanden.

Im Ausland geht man von einem blutigeren Bild aus. Sowohl in den USA als auch innerhalb der EU schätzt man die Zahl der ukrainischen Opfer auf etwa 100.000. Dazu muss man aber wissen, dass es sich dabei um Schätzungen handelt, in denen Opfer auf militärischer als auch auf ziviler Seite berücksichtigt worden sind.

„Die Tatsache, dass die Ukrainer zu diesem Zeitpunkt keine zusätzliche Mobilisierung ankündigen, zeigt mir, dass sie keine so schweren Verluste zu beklagen haben“, sagte auch der ehemalige US-Militärberater Voyger. Zumindest seien die Verluste „nicht vergleichbar mit denen der Russen.“

Russlands Krieg in der Ukraine: Experte spricht von „Fleischwolf“ in Bachmut

In den vergangenen Wochen haben die russischen Truppen vor allem versucht, Bachmut im Osten des Landes einzunehmen. Auch wenn die Kleinstadt strategisch nicht von allzu großer Bedeutung ist, hat der Ort inzwischen eine große Symbolkraft: Für das ukrainische Volk steht Bachmut für den unerbittlichen Widerstand – ein Widerstand, den Wladimir Putin unbedingt brechen will.

Doch ausgerechnet Bachmut soll für die zuletzt hohen Verluste Russlands sorgen. Der ehemalige ukrainische Verteidigungsminister Andrij Sahorodnjuk sagte gegenüber Newsweek, dass Moskau eine „Horde von Menschen […] einfach in die Schlacht“ wirft. Auch Mark Voyger sprach von einem „Fleischwolf“. Die schwierige Lage der russischen Armee hatten bereits zu Spekulationen rund um eine neue Mobilisierungswelle geführt.

Dass sich die Lage für Russland verbessert, ist laut Voyger unwahrscheinlich, da schon bald weitere Nato-Waffenlieferungen eintreffen sollen und die Ukraine weitere Angriffe plane. „Ich würde nicht weniger als Zehntausende [Opfer] auf russischer Seite erwarten“, sagte er. „Die kommenden Monate werden für Russland mit Sicherheit hart werden.“ (nak)

Auch interessant

Kommentare