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Moskau will Außenminister von Türkei und Syrien zusammenbringen

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Von: Erkan Pehlivan

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Russland organisiert eine gemeinsame Konferenz mit den türkischen und syrischen Außenministern. Später soll es sogar ein Treffen zwischen Erdogan und Assad geben.

Moskau - Ankara versucht sich weiterhin an die syrische Regierung zu nähern. Dabei soll Russland helfen. Wie die russische Zeitung Kommersant berichtet, bereitet Moskau ein Treffen zwischen den Außenministern der Türkei und Syrien vor. Dieses könnte noch in dieser Woche stattfinden, schreibt das Blatt. Es sei nicht ausgeschlossen, dass im Anschluss an das Treffen der Außenminister das erste türkisch-syrische Gipfeltreffen zwischen den Präsidenten Recep Tayyip Erdogan und Bashar al-Assad seit dem Ausbruch der Krise in Syrien im Jahr 2011 stattfinden wird.

Die Vorbereitungen für das Treffen der Außenminister begannen unmittelbar nach den Gesprächen zwischen den Verteidigungsministern der drei Länder am 28. Dezember in Moskau. Es war der erste offizielle Kontakt auf dieser Ebene zwischen Vertretern Syriens und der Türkei seit Beginn des Syrienkonflikts vor elf Jahren.

Türkei fordert von Syrien Unterstützung gegen Kurden

Die Türkei hält derzeit Afrin im Norden des Landes besetzt. Offiziell begründet die AKP-Regierung von Erdogan das damit, die Region von „Terroristen“ zu säubern. Gemeint sind vor allem kurdische Kräfte wie die YPG, die Teil der Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) ist und dabei geholfen hatte, die Terrormiliz IS zu besiegen. Seit den massiven Angriffen durch türkische Drohnen und Artillerie musste die SDF ihre Kräfte verlegen, sodass der IS wieder erstarkt. Erdogan hatte in den vergangenen Monaten immer wieder betont, in weitere Gebiete im Norden des Landes einzumarschieren, um auch dort gegen angebliche Terroristen vorzugehen. Sein Sprecher Ibrahim Kalin forderte von der syrischen Regierung, die türkischen „Sicherheitsbedenken“ auszuräumen. Experten sehen darin den Versuch, in der Region die Kurden zu schwächen.

Moskau will die Außenminister von Türkei und Syrien zusammenbringen.
Die russischen und türkischen Außenminister Sergej Lawrow und Mevlüt Cavusoglu © dpa

Ankara und Damaskus sehen in Kurden Gefahr

„Eine Einigung zwischen Ankara und Damaskus bedeutet für die Kurden nichts Gutes“, sagt Dr. Kamal Sido, Nahostreferent der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV). Sowohl die syrische als auch die türkische Regierung sähen die Kurden in der Region als eine Gefahr. „Eine Einigung zwischen den beiden Seiten würde neben den Kurden auch die Amerikaner schwächen.“ Das sei das gemeinsame Interesse von Türkei, Russland, Syrien und des Irans, so Sido. Zudem fürchtet der Experte, dass durch gemeinsame Angriffe durch syrisches und türkisches Militär weitere Kurden aus dem Gebiet vertrieben werden könnten. Hunderttausende Kurden müssten so erneut ihre Heimat verlassen.

Syrische Regierung will Kontrolle über Idlib zurück

Damaskus verlangt dagegen die Kontrolle über Idlib, das von der Türkei unterstützten Dschihadisten kontrolliert wird. Ein Einmarsch von Regierungstruppen in die Region würde ebenfalls zu gewaltigen Flüchtlingsströmen führen, die kaum zu kontrollieren wären. Die Türkei beteuert dagegen, die syrischen Rebellen nicht im Stich lassen zu wollen. Doch wie das bei einer Einigung aussehen soll, bleibt noch offen. (Erkan Pehlivan)

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