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Russland: USA finanzieren Software gegen Internetzensur

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Von: Lukas Zigo

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Seit dem Angriff auf die Ukraine im Februar steigen die Zahlen der Russinnen und Russen, die VPN nutzen, drastisch. Nun wollen die USA mit Geld helfen.

San Francisco – Das Internet dient Menschen überall auf der Welt als Informationsquelle. Es ermöglicht Personen, sich unabhängig und von beiden Seiten zu einem Thema zu informieren. Der Kreml verwehrt seiner Bevölkerung dies durch eine Internetzensur. Die Russen kennen das jedoch seit Jahren und die Meisten sind bereits mit VPN-Technologie vertraut, welche dieses Problem löst.

In dieser Fotoillustration sind die Logos von Facebook und Roskomnadzor zu sehen.
In dieser Fotoillustration sind die Logos von Facebook und Roskomnadzor zu sehen. Der russische föderale Dienst für die Überwachung von Kommunikation, Informationstechnologie und Massenmedien (Roskomnadsor) hat beschlossen, den Zugang zu Instagram in Russland wegen Aufrufen zur Gewalt gegen Russen zu beschränken. © IMAGO/Kirill Kukhmar

Schon vor dem russischen Angriffskrieg in der Ukraine wichen zehntausende Russen auf virtuelle private Kommunikationsnetzwerke (VPN) aus, um der Zensur zu entgehen, mittlerweile sind es Millionen. Die USA wollen den freien Zugang zu VPN und anderer Software zur Umgehung der Zensur für russische Bürger und Aktivisten unterstützen.

Russische Bürger ohne VPN-Technologie komplett von der Welt abgeschnitten

Gäbe es keine VPN-Technologie und Software, mit der sich die strenge Internetzensur umgehen lässt, wären russische Bürger derzeit komplett von der Welt abgeschnitten. Ein VPN etwa baut eine Art anonymen Tunnel im Internet auf, durch den die Daten – in der Regel verschlüsselt – geschützt fließen können. Die IP-Adresse und der Standort des Nutzers werden dabei verschleiert.

VPN ist für viele Russen die einzige Möglichkeit, um an unabhängige Informationen zu kommen, und VPN Software hat in den letzten Monaten einen enormen Boom erfahren. Inzwischen gelingt es den russischen Behörden immer besser, VPN zu blockieren. Netzwerke wie Psiohon, Lantern oder NthLink bieten deshalb inzwischen weitere Software zur Umgehung der Internet-Zensur an.

Psiphon etwa hatte vor Kriegsbeginn 48.000 Nutzer pro Tag – mittlerweile sind es 1,45 Millionen Nutzer täglich. Mitte März, als der Kreml Facebook, Instagram und Twitter sperrte, hatten sich die Zugriffe nach Angaben seines Beraters Dirk Rodenburg verzwanzigfacht. Psiphon, Lantern oder NthLink werden derzeit schätzungsweise von rund vier Millionen Menschen in Russland genutzt.

Russland: US-Regierungs-Fonds soll Kosten für VPN-Anbieter senken

Die Kosten für die VPN-Anbieter sind jedoch hoch und steigen durch die Sanktionen weiter an. Finanzspritzen aus dem Open Technology Fund (OTF) der US-Regierung sollen nun helfen. Der staatliche Fonds stellte bisher jährlich drei bis vier Millionen Dollar für die Finanzierung von VPN weltweit bereit – vor dem Hintergrund des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine will er nun zusätzlich die Umgehung der russischen Internetzensur unterstützten.

Mit Beginn des russischen Einmarsches in die Ukraine im Februar haben die russischen Behörden ihre Propaganda intensiviert und den Zugang zu inoffiziellen Informationsquellen stark eingeschränkt. Journalisten und Aktivisten, die vom „Krieg“ sprechen, statt sich an die offizielle Sprachregelung – „Spezialoperation gegen Nazis“ – zu halten, droht Gefängnis.

Russland: Widerstand nur mit Internet möglich

Einige Stimmen, darunter die Ukraine, hatten gefordert, Russland komplett vom Internet abzuschneiden. Andere betonten jedoch Wichtigkeit des Internets, um oppositionelle Gruppen zu unterstützten. „Das russische Fernsehen sendet nichts als schreckliche Propaganda, die zu Hass und Mord aufruft“, sagte die Anwältin der gemeinnützigen US-Organisation Access Now, Natalia Krapiva.

Um unabhängige Informationen abzurufen, seien Tools, welche die Zensur umgehen, unerlässlich geworden. Aber auch um frei zu kommunizieren zu können, seien sie unabdingbar, sagte sie. Nur mithilfe des Internets ließe sich der Widerstand aufrechterhalten – erst recht, weil sich die Aktivisten nicht treffen könnten oder um die ganze Welt verstreut seien.

Inwiefern der weltweite Zugang zum Internet aber tatsächlich einen Einfluss auf die normale russische Bevölkerung hätte, die zu einem großen Teil der Kreml-Propaganda folgt, kann auch Krapiva nicht sagen – unter anderem auch, weil nur ein kleiner Prozentsatz VPN-Technologie nutzt. „Die Technologie ist keine magische Lösung“, sagte sie. „Aber noch schlimmer ist es, wenn das gesamte Internet zensiert wäre“. (lz/afp)

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