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Der Filmemacher Oleg Senzow war der prominenteste ukrainische Häftling, der in Russland festgehalten wurde.

Kritik kommt aus den Niederlanden

Gefangenenaustausch zwischen Russland und der Ukraine: Wichtiger MH17-Zeuge dabei

Russland und die Ukraine tauschen Gefangene aus. Einige Prominente sind mit dabei - auch ein wichtiger Zeuge im Fall des abgeschossenen Flugzeuges MH17.

Moskau - Gut fünf Jahre nach dem Beginn der Kämpfe in der Ostukraine haben Russland und die Ukraine je 35 Gefangene ausgetauscht. Es ist das erste Mal, dass sich beide Seiten auf einen derart umfangreichen Austausch einigen konnten. 

Unter den Freigekommenen sind auch etliche prominente Gefangene: Der Filmemacher Oleg Senzow war der prominenteste ukrainische Häftling, der in Russland festgehalten wurde. Senzow wurde im Mai 2014 festgenommen, nachdem er öffentlich gegen die Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim durch Russland protestiert hatte. 2015 wurde er in einem international kritisierten Prozess wegen Vorbereitung eines "terroristischen Anschlags" zu 20 Jahren Haft verurteilt. 

Filmemacher Oleg Senzow wieder auf freiem Fuß

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International zog Vergleiche zu den Schauprozessen unter dem sowjetischen Diktator Josef Stalin. Senzow wurde in eine Strafkolonie auf der Halbinsel Jamal eingewiesen. 2018 verweigerte er 145 Tage lang die Aufnahme fester Nahrung und forderte die Freilassung aller politischen Gefangenen aus der Ukraine. 

Der russische Luftabwehrspezialist Wladimir Zemach wurde in der Ukraine im Zusammenhang mit dem Abschuss der malaysischen Passagiermaschine mit der Flugnummer MH17 im Juli 2014 festgenommen. Bei dem Abschuss wurden alle 283 Passagiere und 15 Besatzungsmitglieder getötet. Rund zwei Drittel der Opfer waren Niederländer. Die niederländischen Ermittler vernahmen Zemach nach Angaben aus informierten Kreisen vor wenigen Tagen in Kiew und sehen ihn als wichtigen Zeugen, jedoch nicht als Verdächtigen. Nach Angaben des niederländischen Außenministers Stef Blok appellierte seine Regierung mehrmals an die ukrainischen Behörden, Zemach nicht an Russland zu übergeben. Dass dies dennoch geschah, bedauerte Blok "zutiefst". 

MH17 Zeuge wird auch freigelassen - sehr zum Bedauern der Niederlande

Doch der ukrainische Geheimdienstchef Iwan Bakanow wies darauf hin, dass der Gefangenenaustausch von Russland ohne Berücksichtigung Zemachs "automatisch" gestoppt worden wäre. Der ukrainischstämmige Journalist Kirilo Wischinski wurde im Mai 2018 vom ukrainischen Geheimdienst SBU festgenommen. Wischinski arbeitete in Kiew für die russische Nachrichtenagentur RIA Nowosti. Die ukrainischen Behörden legten ihm Hochverrat zur Last. Wischinski habe 2014 nach der Annexion der Krim durch Moskau "subversive" Berichterstattung zu deren Rechtfertigung betrieben, außerdem habe er mit prorussischen Rebellen in der Ostukraine zusammengearbeitet. 

22 ukrainische Seeleute kommen frei

Freigelassen wurden alle 24 Ukrainer, die im November 2018 bei der Beschlagnahmung von drei Schiffen vor der Küste der Krim von der russischen Küstenwache festgenommen worden waren. Es handelt sich um 22 Seeleute und zwei SBU-Agenten. Moskau hatte ihnen ein Eindringen in russische Hoheitsgewässer vorgeworfen. Der Blogger Pawlo Gryb ist mit 21 Jahren der jüngste der Ukrainer, die bei dem Gefangenenaustausch freikamen. Gryb verschwand im August 2017 während eines Aufenthalts in Weißrussland. Er hatte dort nach Angaben seiner Familie eine Freundin aus Sotschi treffen wollen. Ein Gericht der russischen Stadt Rostow am Don befand ihn im März 2019 der "Beihilfe zum Terrorismus" schuldig, weil er die Freundin zu einem Anschlag habe anstiften wollen. Gryb wurde zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt. 

Der ukrainische Journalist Roman Suschtschenko wurde im Juni 2018 in Moskau zu zwölf Jahren Lagerhaft verurteilt. Der russische Inlandsgeheimdienst FSB warf ihm vor, für den ukrainischen Militärgeheimdienst tätig zu sein und Staatsgeheimnisse auszukundschaften. Von ukrainischer Seite hieß es hingegen, Suschtschenko sei Korrespondent der ukrainischen Nachrichtenagentur Ukrinform und habe sich zum Zeitpunkt der Festnahme zu einem Urlaub in Moskau aufgehalten. 

ao/ju

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