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Wagner-Gruppe: Russlands Söldner töten Kameraden – Familie erfährt es durch Video

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Von: Lucas Maier

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In einem veröffentlichten Video wird ein mutmaßlicher Söldner der Wagner-Gruppe auf brutale Art hingerichtet. Zuvor hatte er ein Interview gegeben.

Update vom Dienstag, 15. November 2022, 9.20 Uhr: Nachdem Putins „Schatten-Armee“, die Wagner-Gruppe, das Video einer Hinrichtung eines ihrer Kameraden veröffentlichte, hat die Familie des Mannes nun ihr „Entsetzen“ zum Ausdruck gebracht, wie die britische Tageszeitung The Guardian berichtet. „Unsere ganze Familie war in Tränen aufgelöst, als sie das Video sah … er wurde wie ein Tier ermordet“, so der Sohn des getöteten Mannes.

Der Sohn des 55 Jahre alten Getöteten hat gegenüber dem The Guardian die Identität des Mannes bestätigt. Der Hingerichtete hatte sich den Angaben zufolge für die Wagner-Gruppe gemeldet und wurde hierdurch im Juli vorzeitig aus der Haft entlassen. Er saß in einer Strafkolonie ein, da er im Jahr 1999 einen Mord begangen hat. Verurteilt wurde er zu 24 Jahren Haft, wie The Guardian schreibt. „Wagner hätte diese mittelalterliche Hinrichtung ohne die Zustimmung der russischen Sicherheitsdienste nicht durchführen können“, sagte Vladimir Osechkin, der Leiter von Gulagu.net, einer russischen Menschenrechtsorganisation, zu dem Video.

Transparenzhinweis

Das Video liegt der Redaktion vor. Aus Gründen der Pietät wurde davon abgesehen, das Video selbst oder Teile davon zu veröffentlichen. Die mutmaßliche Identität des Mannes liegt ebenfalls vor, von einer Veröffentlichung wird ebenfalls abgesehen.

Das Video konnte bisher noch nicht unabhängig verifiziert werden. Videos von Kriegsverbrechen zu verifizieren, ist sehr schwer, gerade, wenn sie innerhalb eines Gebäudes aufgenommen wurden.

Die Übersetzung wurde von der Redaktion durchgeführt und stimmt sinngemäß mit der Übersetzung von pravda.ua überein. Videos von Kriegshandlungen und Kriegsverbrechen können Traumata verursachen. Betroffene finden bei der Telefonseelsorge Erste Hilfe.

Die Wagner-Gruppe ist nicht nur im Ukraine-Krieg eingesetzt, auch in Mali werden Putins Söldnern schwere Kriegsverbrechen vorgeworfen.

Erstmeldung vom Montag, 14. November 2022: Moskau – Immer wieder tauchen im Kontext der Ukraine-Kriegs Videos auf, die mutmaßliche Kriegsverbrechen zeigen. Am 12. November ist nun erneut ein solches Video aufgetaucht.

Ukraine-Krieg: Die Wagner-Gruppe kämpft auf der Seite von Russland.
Ukraine-Krieg: Die Wagner-Gruppe kämpft auf der Seite von Russland. (Archivbild) © Viktor Antonyuk/IMAGO-Images

Das Video wurde über russischsprachige Telegramkanäle und diverse Social-Media-Plattformen verbreitet. In dem Video ist der gewaltsame Tod eines mutmaßlichen Soldaten der Wagner-Gruppe zu sehen. Die mutmaßlichen Mörder des Mannes sollen ebenfalls Angehörige der Wagner-Gruppe sein.

Ukraine-Krieg: Söldner wollte auf die Seite Ukraine

Das verbreitete und bislang noch nicht verifizierte Video ist in zwei Abschnitte unterteilt. Der Anfang des Videos zeigt den Söldner bei einem Interview mit einem ukrainischen Journalisten. Zuvor soll sich der Mann den Streitkräften der Ukraine auf dem Schlachtfeld ergeben haben.

Name der Organisation:Wagner-Gruppe
Tätigkeitsgebiet:Privatarmee - Söldnertruppe
Leiter der Gruppe:Yevgeny Prigozhin
Kriegspartei:Pro Russland

Im Video spricht der Soldat davon, dass die Wagner-Gruppe in Russland aktiv Gefängnisinsassen rekrutieren würde. Auch er soll aus einer Strafkolonie rekrutiert worden sein. „Er sei absichtlich der Wagner-Gruppe beigetreten, um in der Ukraine gefangen genommen zu werden und gegen Russland zu kämpfen“, ist ein Auszug aus dem Interview (übersetzt).

Wagner-Gruppe: Söldner will das Ziel gehabt haben, „gegen Russland zu kämpfen“

Im zweiten Teil des Videos ist augenscheinlich derselbe Mann, wie im Interview zuvor, zu sehen. Diesmal trägt er eine Militäruniform in den Tarnfarben, die auch die Soldaten der Ukraine nutzen. Sein Kopf ist mit Frischhaltefolie an einem Stapel aus Ziegeln und Beton befestigt.

In russischer Sprache sagt der Mann seinen Namen in die Kamera, und dass er im Jahr 1967 geboren sei. „Ich bin an die Front gegangen, um auf die Seite der Ukraine zu wechseln, mit dem Ziel, gegen Russland zu kämpfen“, so der Soldat weiter (übersetzt). Nach seinen Angaben setzte er diesen Plan dann am 4. September 2022 in die Tat um.

Ukraine: Mit einem Vorschlaghammer tötet ein Söldner den Gefangenen

Am 11. November sei er dann auf einer Straße in Kiew niedergeschlagen worden. Als er wieder zu Bewusstsein kam, fand er sich in „diesem Keller“ wieder. Es sei ihm gesagt worden, dass er hier verurteilt werden würde. Danach schlägt ein Mann in Militäruniform mit einem Vorschlaghammer von der Seite auf das Genick des „Beschuldigten“.

Dieser kippt in der Folge nach hinten um, der Mann mit dem Vorschlaghammer schlägt abermals auf den Kopf seines Opfers. Danach endet das Video.

Ukraine-Krieg: Unstimmigkeiten bei der „Geschichte“ des Mannes

Die Journalistin Iryna Balachuk von pravda.ua zweifelt an, dass der Mann auf den Straßen von Kiew gefangen genommen wurde. Kriegsgefangene könnten sich nicht frei in den Straßen bewegen, begründet sie ihre Zweifel. Laut Balachuk finden sich in russischen Social-Media-Posts Hinweise darauf, dass der Mann im Zuge eines Kriegsgefangenenaustausches nach Russland zurückgekehrt ist.

Yevgeny Prigozhin, der Finanzier der Wagner-Gruppe und guter Vertrauter von dem russischen Präsidenten Wladimir Putin, soll unter dem Video kommentiert haben: „Was den Hingerichteten betrifft, so geht aus diesem Video klar hervor, dass er in der Ukraine kein Glück gefunden hat, sondern böse, aber faire Menschen getroffen hat. Ich denke, dieser Film sollte heißen ‚Ein Hund verdient den Tod eines Hundes‘“, wie pravda.ua berichtet. Sein Kommentar soll mit den Worten „Ich hoffe, dass während der Dreharbeiten keine Tiere verletzt wurden“ schließen. (Lucas Maier)

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