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Leichen pflastern seinen Weg: Surowikin ist Russlands neuer Frontmann

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Von: Peter Rutkowski

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Der aus Syrien berüchtigte General Surowikin übernimmt die Führung in der Ukraine. Seine erste Fronterfahrung machte er in Moskau - 1991 gegen die eigene Bevölkerung.

Moskau – An diesem Dienstag (11. Oktober 2022) hat Sergej Surowikin Geburtstag. 56 Jahre wird der Mann aus Nowosibirsk. Und er hat seine Zeit seit dem Abschluss der Höheren Militärkommando-Schule „M.W. Frunse“ im sibirischen Omsk – wenn man in russischen militärischen Dimensionen denkt – bestens genutzt. Andere würden verkürzt sagen: Leichen pflastern seinen Weg. Und als neuester Oberkommandierender aller russischen Invasionskräfte in der Ukraine wird er noch mehr Tote verbuchen. Auf beiden Seiten.

Sergej Surowikin (55) kennt kein Pardon und gibt also auch keins. dpa
Sergej Surowikin kennt kein Pardon und gibt also auch keins. © dpa

Zweithöchster militärischer Rang in Russland für Surowikin

Der jetzige General der Armee – das ist der zweithöchste militärische Rang in Russland nach dem Marschall – Sergej Surowikin begann seine Karriere als Spetsnaz, also sowjetischer Kommandosoldat im Afghanistankrieg. Man erinnere sich: Von dieser „brüderlichen Hilfe“ für das afghanische Proletariat trug jeder Veteran entweder Traumata oder Traumata und extreme Verrohung davon. Surowikin trug die zweifelhaften Meriten davon, die ihn als Hauptmann und Kommandeur eines Schützenbataillons 1991 nach Moskau bringen würden.

Und dort während des August-Putsches erhielt er die Order, Protestzüge auf der Ringstraße Sadowoje Koltso zu zerstreuen. Surowikins motorisierte Kolonne pflügte daraufhin in die Demonstration hinein; ein Mann wurde zerquetscht, zwei weitere wurden wohl erschossen. Da der Coup der Sowjetnostalgiker misslang, saß Surowikin daraufhin für sieben Monate im Gefängnis, Boris Jelzin amnestierte ihn dann, weil er „nur Befehle befolgte“.

Surowikin: Waffenhandel, Militärpolizei und „disziplinische Maßnahmen“

Der getreue Befehlsempfänger stieg in den folgenden Jahren kontinuierlich durch die Ränge hoch – aber er machte auch mindestens ein weiteres Mal Bekanntschaft mit dem Leben hinter russischen Gittern: 1995 wegen dann nicht erwiesenem Waffenhandel mit Armeebeständen. Mit der Jahrtausendwende wandte der frisch beförderte Divisionskommandeur Surowikin sich „disziplinarischen Maßnahmen“ in den unteren Rängen zu: Einen Oberstleutnant soll er zusammengeschlagen haben, weil der „nicht den richtigen Kandidaten gewählt“ habe. Ein anderer Offizier erschoss sich vor Surowikins Augen, weil der ihn offensichtlich maßlos gemaßregelt hatte.

2011 baute Surowikin die Militärpolizei auf – eine Waffengattung, die unter Soldaten notorisch verhasst ist. 2017 übernahm er das Kreml-Kommando in Syrien. Seine offenbar wahllose Bombardierung der Zivilbevölkerung dort sicherte dem Diktator Assad das politische Überleben. (rut)

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