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„Nur wenige verstehen es“: Russlands Propagandisten grübeln über den Ukraine-Krieg

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Von: Karolin Schäfer

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Zu wenig junge Rekruten an der Front im Ukraine-Krieg, unklare Ziele des Kremls – in Russlands Staats-TV gibt es rege Diskussionen.

Moskau – Der Winter verlangsamt den Ukraine-Krieg. Seit Wochen gibt es kaum Bewegung entlang der Frontlinie. Das nur allmähliche Vorankommen russischer Truppen in der Ukraine sorgt für Unmut in Russland.

Das Bestreben russischer Staatsmedien, die Darstellung des Ukraine-Krieges zu kontrollieren, um Russlands Ansehen zu stärken, ist spürbar. So beklagten die Moderatoren Andrej Norkin und Iwan Truschkin in der Talkshow „Meeting place“ des russischen Senders NTV den Mangel an „patriotischen“ Werbespots. Diese sollten die Jugend in Russland erreichen und dazu auffordern, sich für die Front zu melden.

News zum Ukraine-Krieg: Jugend versteht Russlands Ziele nicht

Ein Gast in der Sendung, der russische Rapper Ptakha, schätzte die Situation ganz anders ein. Der Rapper, mit bürgerlichem Namen David Nuriev, stehe im Austausch mit jungen Leuten in Russland. „Nur sehr wenige verstehen, was wir dort tun“, sagte er mit Blick auf den Ukraine-Krieg. „Der Versuch, auf der Welle der sowjetischen Ideologie zu reiten“, empfinde er als „sehr fragwürdig“.

Auf die Frage von Moderator Truschkin, ob der Rapper nicht selbst einen solchen Werbespot in leicht verständlicher Sprache produzieren könnte, antwortete Ptakha: „Ich verstehe es selbst nicht ganz.“ Während die Söldnertruppe Wagner den Ukraine-Krieg führe, „um Geld zu verdienen“, verstehe der Rest der russischen Truppen Moskaus Intentionen nicht, erklärte Ptakha.

Die unbequeme Einschätzung des Musikers sorgte für Empörung in der Talkshow-Runde. „Ich will Sie nicht beleidigen, aber Sie sind sich sehr sicher, dass Sie recht haben, obwohl Ihnen die Grundlage fehlt“, schaltete sich Norkin ein. Thema der heutigen Sendung sei nicht, „alles zu erklären“.

Ukraine-Krieg: Propagandisten fehlen „klare Ziele“ seitens der russischen Regierung

Auch Propagandist Wladimir Solowjow beklagte in seiner Sendung die „Kluft zwischen den Generationen“, zitierte The Daily Beast Solowjow. Während vor allem ältere Männer in der Ukraine kämpfen, seien jüngere Russen nicht bereit, an die Front zu ziehen.

Die ukrainischen und russischen Streitkräfte liefern sich heftige Gefechte im Donbass. Im russischen Staats-TV ist man sich über Russlands Ziel uneinig.
Die ukrainischen und russischen Streitkräfte liefern sich heftige Gefechte im Donbass. Im russischen Staats-TV ist man sich über Russlands Ziel uneinig. © Celestino Arce Lavin/imago

„Wenn die Regierung keine klaren Ziele benennt, ist es sehr schwierig, den Eid zu erfüllen. Was ist also unser Ziel?“, fragte Andrej Sidorow, stellvertretender Dekan für Weltpolitik an der Moskauer Universität. Ihm zufolge sei nicht klar, wie viel Russland vom ukrainischen Territorium besetzen wolle. (kas)

Währenddessen forderte ein russischer Kommandeur im Staats-TV den Einsatz von Atomwaffen im Ukraine-Krieg. Es gebe nur „eine Option“.

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