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Russland: Regierungsbeamter stirbt nach Einberufung – Angestellte kündigen in Massen

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Von: Vincent Büssow

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Russische Rekruten steigen in einen Bus in der Nähe eines militärischen Rekrutierungszentrums.
In Russland gibt es heftige Kritik an der Teilmobilmachung von Wladimir Putin. Immer wieder gibt es Berichte von Männern ohne Ausbildung und Kampferfahrung, die im Ukraine-Krieg sterben. (Archivbild) © dpa

Ein Mitarbeiter des Kreml stirbt nach seiner Einberufung in den Ukraine-Krieg. Andere Regierungsbeamte reagieren mit massenhaften Kündigungen.

Moskau – In Russland hat der Tod eines Regierungsbeamten erneute Kritik an der sogenannten Teilmobilmachung von Wladimir Putin ausgelöst. Russischen Berichten zufolge ist der 28-jährige Alexej Martynow beim Kampf in der Ukraine gestorben, nachdem er vom Militär einberufen worden war. Andere Angestellte der Regierung in Russland sollen als Reaktion auf den Vorfall massenhaft kündigen.

Letzteres berichtet der russische Journalist Roman Super am Freitag (14. Oktober) auf Telegram. Er beruft sich auf eine Quelle im Kreml, die von einer „Massenflucht“ spricht: „Angestellte gehen, hinterlassen Zettel an ihren Tischen. IT-Leute, Werbeleute, Marketing-Leute, PR-Leute und einfache Beamte“ zitiert Super. Er selbst verweist daraufhin auf die Verbindung zu dem Bekanntwerden des Todes von Martinow am Tag zuvor.

Nach Tod von Regierungsbeamten: Kritik aus kremlnahen Kreisen

Auch in kremlnahen Kreisen hat der Vorfall Kritik ausgelöst. So schreibt die stellvertretende Redaktionsleiterin des russischen Staatsmediums RT auf Telegram, dass Martinow keine Kampferfahrung gehabt habe und nur wenige Tage nach seiner Einberufung an die Front geschickt worden sei.

An russische Militärführer gerichtet schreibt sie, „Jetzt ist nicht der richtige Zeitpunkt zum Lügen.“ Damit bezieht sie sich auf die Aussagen russischer Verteidigungsbeamter, dass nur Personen mit „bestimmten militärischen Spezialisierungen und einschlägigen Erfahrungen“ mobilisiert werden, wie das Portal Newsweek berichtet.

Teilmobilmachung in Russland: Soldaten ohne Kampferfahrung sterben im Ukraine-Krieg

In den Tagen nach der Ankündigung von Putins Teilmobilmachung hat Russland die lautesten Proteste seit Beginn des Ukraine-Kriegs erlebt. Zudem haben hunderttausende Russen aus Angst vor der Einberufung das Land verlassen. Nun befeuern Berichte über unerfahrene Russen, die in die Ukraine geschickt werden, die Angst und die Kritik erneut. Schon zuvor sind nämlich ähnliche Vorfälle wie der um Martinow öffentlich gemacht worden. So wurde der Tod fünf einberufener Männer am Donnerstag (13. Oktober) offiziell bestätigt.

Die Kritik scheint bei Putin offenbar anzukommen. Dieser will die Teilmobilmachung bereits in zwei Wochen abschließen und sagte, dass eine zweite Welle zunächst nicht geplant sei. (vbu mit dpa)

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