1. Startseite
  2. Politik

Russische Lehrkräfte unter Druck: Ukraine-Krieg soll gutgeheißen werden

Erstellt:

Von: Vincent Büssow

Kommentare

Russland: Auch in Schulen wird die Propaganda zum Ukraine-Krieg vorangetrieben. Lehrkräften, die sich querstellen, drohen heftige Strafen.

Moskau – In Russland wächst der Druck auf Menschen, die den Ukraine-Krieg verurteilen. Auch in Schulen werden Eltern, Schüler und vor allem Lehrkräfte dazu gedrängt, die russische Propaganda zu übernehmen, wie die Moscow Times berichtet. Wer aus der Reihe fällt, dem droht oft der Verlust der Arbeit – stellenweise sogar Schlimmeres.

Seit Beginn des Ukraine-Kriegs läuft auch die Propaganda-Maschine in Russland auf Hochtouren. Insbesondere der russische Präsident Wladimir Putin sorgte mit seinen Rechtfertigungen für die Invasion für Aufsehen, die von Geschichts-Revision bis zu Nazi-Verschwörungsmythen reichen. Im Zuge der „militärischen Spezialoperation“, wie der Krieg in Russland genannt wird, geht der Staat auch immer härter gegen Menschen vor, die das russische Narrativ nicht übernehmen. Der Fokus richtet sich dabei zunehmend auf die Schulen.

Russlands Propaganda im Ukraine-Krieg: Videos von Putin in Schulen gezeigt

Pro-Kriegs-Propaganda soll in den meisten Schulen in Russland stattfinden, sagt Daniil Ken gegenüber der Moscow TImes. Ken ist Vorsitzender der unabhängigen Lehrergewerkschaft in Russland, einer Organisation, die mit dem gefangengenommenen Kreml-Kritiker Alexei Nawalny in Verbindung steht. Die Ukraine-Propaganda wird dabei in verschiedenen Formen an die Schüler herangebracht. So berichtet eine anonyme Lehrerin von Klassentreffen zur Unterstützung des Krieges. Laut dem Gewerkschaftler Ken wurden auch Videos von Putin selbst im Unterricht gezeigt worden sein.

Eine russische Schulklasse.
In Russland stehen Lehrkräfte unter Druck, Propaganda zum Ukraine-Krieg an Schüler heranzutragen. (Archivfoto) © Evgeny Odinokov / Imago Images

Ukraine-Propaganda in Schulen: Wachsender Druck auf Lehrkräfte in Russland

Vor allem wird aber gegen die Lehrkräfte vorgegangen, die sich explizit gegen das russische Narrativ stellen. So erreichen die unabhängige Lehrer-Gewerkschaft wöchentlich 10 bis 15 Briefe von Lehrkräften, die aufgrund ihrer Anti-Kriegs-Haltung entlassen oder anderweitig abgestraft wurden. Der Druck werde dabei meistens hintergründig ausgeübt, da das Bildungsgesetz technisch gesehen nicht zu dieser Form der Propaganda verpflichtet, sagt der Vorsitzende Ken. Dennoch gibt es immer wieder Berichte von Lehrkräften in Russland, denen Gefängnis- und hohe Geldstrafen drohen.

Grund dafür ist ein Gesetz, das Putin im März unterzeichnete. Dieses verbietet die Verbreitung von Informationen über den Ukraine-Konflikt, die nicht dem Narrativ des Kreml entsprechen. Erst vor Kurzem wurde die Journalistin Marina Owssjannikowa für ihren Anti-Kriegs-Protest in Russland unter diesem Gesetz zu einer Geldstrafe verurteilt. Mittlerweile wurden auch mehrere Lehrkräfte, die den Krieg im Unterricht kritisch besprochen haben, und dabei von Schülern aufgenommen wurden, angeklagt. Ihnen drohen bis zu 15 Jahre im Gefängnis. (vbu)

Auch interessant

Kommentare