1. Startseite
  2. Politik

Nerven in Russlands Staats-TV liegen blank: „Das ist der Dritte Weltkrieg“

Erstellt:

Von: Tim Vincent Dicke

Kommentare

In Russlands Staats-TV eskaliert die Rhetorik. Putin-Verbündeter Solowjow sagt zur Lage in der Ukraine, man sei mit der Nato im Dritten Weltkrieg.

Moskau – In den regierungstreuen russischen Medien liegen offenbar weiterhin die Nerven blank. Grund sind die schweren Verluste im Angriffskrieg gegen die Ukraine und die aktuelle Situation an der Front. Eine der bekanntesten Figuren von Russlands Staats-TV fährt nun die ganz großen rhetorischen Geschütze auf.

Wenn Wladimir Solowjow auf Sendung ist, schauen ihm Millionen Russ:innen zu. Der enge Vertraute von Kreml-Chef Wladimir Putin ist ein glühender Befürworter des Ukraine-Kriegs, fällt immer wieder mit markigen Worten gegen den Westen und die politische Gegnerschaft auf. Der 59-Jährige hat einen Podcast, seinem Kanal im Messengerdienst Telegram folgen 1,4 Millionen Menschen – und er moderiert beim staatlichen Sender Rossija 1 eine eigene Talkshow, in der nicht selten extrem lautstark debattiert wird.

Russlands Fernsehen spricht von „Krieg mit der Nato“

In einer aktuellen Ausgabe der Sendung drängte sich Solowjow in den Vordergrund, sprach davon, dass sich Russland bereits in einem Krieg gegen das westliche Verteidigungsbündnis befinde. Anton Geraschenko, ein Berater des ukrainischen Innenministers, teilte einen Ausschnitt der Show auf dem Kurznachrichtendienst Twitter. Innerhalb weniger Stunden sahen sich Zehntausende Menschen den Beitrag an.

Wladimir Solowjow
Putin-Vertrauter Wladimir Solowjow ist ein Liebhaber provokativer Äußerungen. (Archivbild) © ITAR-TASS/imago

Der Publizist sagte in dem Video in Hinblick auf den Ukraine-Konflikt: „Das ist de facto der Dritte Weltkrieg. De facto sind wir im Krieg mit der Nato.“ Ein Gast erklärte daraufhin, dass man innerhalb Russlands Angst habe, die Kampfhandlungen im Nachbarland als Krieg zu bezeichnen. Solowjow erwidert: „Ich habe keine Angst. Ich sage, das ist ein Krieg mit der Nato.“ Putin hatte zu Beginn des russischen Überfalls am 24. Februar ein Dekret unterzeichnet, das den Kriegsbegriff im Kontext der „militärischen Spezialoperation“ unter Strafe stellt.

Ukraine-Berater kommentiert Äußerungen des Staats-TV

Berater Geraschenko kommentierte den Clip auf Twitter mit den Worten: „Die Russen reden sich ein, dass sie nicht gegen die Ukraine und die Ukrainer kämpfen, sondern gegen die Nato und den Westen.“ Er stellte eine englische Übersetzung zur Verfügung, die Angaben ließen sich nicht unabhängig überprüfen.

Solowjow hatte vor rund einer Woche Zweifel am Ukraine-Krieg aufgrund des schleppenden Verlaufs geäußert. „Nun zur Frage der Rationalität. Das ist vielleicht die interessanteste Frage“, sagte Solowjow während einer Sendung. „Bald werden es fast acht Monate sein, seit die Operation begonnen hat, und ... Nun, es ist eindeutig keine spezielle militärische Operation mehr.“ Schon damals erklärte er die russischen Verluste mit einem angeblichen Krieg gegen die Nato. (tvd)

Auch interessant

Kommentare